Schule

Letzter Schultag für Schulleiter Ralf Metzing nach 41 Jahren

Für die Abschiedsfeier für Schulleiter Ralf Metzing (r.)  hat sich das Gymnasium ein Quiz einfallen lassen.

Für die Abschiedsfeier für Schulleiter Ralf Metzing (r.) hat sich das Gymnasium ein Quiz einfallen lassen.

Foto: Michael Dahlke

Mülheim-Broich.   Schulleiter des Gymnasiums Mülheim-Broich geht in den Ruhestand. Der Pädagoge hat 41 Jahre lang als Lehrer gearbeitet. Große Abschiedsfeier.

Der letzte Unterrichtstag am Freitag ist sein allerletzter Schultag: Ralf Metzing, Leiter des Gymnasiums in Broich, geht in den Ruhestand. Generationen von Schülerinnen und Schülern hat der Pädagoge kommen und gehen sehen: 29 Jahre leitet der 66-Jährige das einzige Gymnasium links der Ruhr, die ersten Jahre kommissarisch. Zuvor war er drei Jahre Stellvertreter an der Broicher Schule, an der er – nach seinem Wechsel von Essen nach Mülheim – die meisten seiner 41 Jahre als Lehrer verbracht hat. Metzing ist der zweite Schulleiter am Gymnasium Broich seit der Schulgründung 1965.

Schon im vergangenen Sommer hatte Metzing das Pensionsalter erreicht – doch er machte weiter, „weil ich Lust dazu hatte.“ Der Schulleiter wirkt auch heute nicht wie ein Mann kurz vor der Pensionierung. Womöglich hält es jung, den ganzen Tag von jungen Leuten umgeben zu sein. Das betrifft nicht nur die Schülerinnen und Schüler, auch in seinem Kollegium schätzt er den Altersdurchschnitt auf Mitte 30.

Die neuen Aufgaben, vor denen die Schule in den kommenden Jahren steht, die Rückkehr zu G 9 und die aufwendigen Sanierungsarbeiten, legt er zum neuen Schuljahr in jüngere Hände. Seine Nachfolgerin arbeitet sich bereits ein. Die gute Übergabe ist ihm sehr wichtig. „Das ist ja nicht nur ein Arbeitsplatz hier, da hängt ja auch viel Herzblut dran.“

Ausbildung bei der Bundespolizei

Der Chef einer Schule ist auch Lehrer, wenn in leitender Funktion der Unterricht auch nicht in erster Linie den Arbeitsstag bestimmt. Deutsch und Pädagogik hat Ralf Metzing in Bochum studiert, etliche Jahre in seiner Geburtsstadt Essen unterrichtet. Nach dem Abi machte Metzing, der aus einer Bergarbeiterfamilie stammt, eine Ausbildung bei der Bundespolizei, arbeitete beim Grenzschutz.

Was liebt er am meisten am Lehrerberuf? Die Gesellschaft junger Menschen, dass man Möglichkeiten zum Gestalten hat, dass der Beruf Freiheiten und Kreativität mit sich bringt, zählt er auf. In Broich habe man mit Schülern, Eltern und den Kollegen stets gut arbeiten können, lobt er. Das hat sich längst herumgesprochen. Seit die Schule nur noch vierzügig ist, müssen immer wieder Anmeldungen abgelehnt werden. Bis vor zehn Jahren hatte das Gymnasium Broich zeitweise 1100 Schüler. Zu viel fürs Miteinander, den sozialen Zusammenhalt, fand er. „Eine Schule ist auch Lebensgemeinschaft, nicht nur Lern- oder Vermittlungsort.“

Ralf Metzing schätzt klare Worte

Den Wert der Bildung – nicht die reine Infovermittlung – sieht er als Aufgabe der Schule an. Dies sähen Eltern oft nicht mehr, die sich schon bei Viertklässlern Gedanken über den Numerus Clausus machten. So sind manche von den Kleinen unter Druck, verängstigt und überfordert. „Wir haben in NRW doch ein offenes Schulsystem“, erinnert er. Übergänge sind immer noch möglich. „Will ich Bildung oder Lernen für den Test, um am Ende mit der höchsten Punktzahl rauszukommen?“, fragt er.

Klare Worte hat Ralf Metzing stets geschätzt – auch gegen den Rat eines Älteren zu Beginn seiner Laufbahn, schmunzelt er. Ein privates und ein dienstliches Gesicht? Nichts für ihn: „Ich konnte immer authentisch sein, musste mich nie verbiegen.“ Authentisch und ehrlich zu sein, das wüssten Schüler zu schätzen, rät er jungen Kollegen.

In der Schule haben sie Ralf Metzing am Dienstag mit einer Feier in der Aula offiziell verabschiedet. Der Ausstieg ist, so der langjährige Schulleiter, „auch mit Trauerarbeit verbunden“. In den Sommerferien wird er sein Büro ausräumen und in Ruhe erst einmal die Umstellung in den Alltag ohne Schule verarbeiten. Seine Nahziele: Mehr Sport, mehr Lesen und Gitarre spielen, das erste Mal mit seiner Frau n a c h den Ferien Urlaub machen. Später will Ralf Metzing ehrenamtlich Migrantenkinder unterrichten. 41 Jahre im Beruf müssen ja nicht das Ende der Arbeit bedeuten.

>> Starke und schwache Schüler unterstützen

Die reformierte gymnasiale Oberstufe, die Einführung des bilingualen Zweigs waren für Metzing wichtige Veränderungen im Laufe des Berufslebens.

Nicht nur die Förderung für Lernschwache, auch die Begabtenförderung lag Ralf Metzing immer am Herzen. Das Gymnasium Broich hat heute über 900 Schüler und 65 bis 70 Lehrer.

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