Wirtschaft vor Ort

Mehr Mut zur Ausbildung gefordert

Arbeiten zusammen in Sachen Ausbildung: (v.li.) Ingrid Lürig (Leiterin der Willy-Brandt-Gesamtschule), Klaus Fischer (Geschäftsführer Mülheimer Handel Haustechnik) und Jennifer Reichstein vom Mülheimer Bildungsbüro.

Foto: Tanja Pickartz

Arbeiten zusammen in Sachen Ausbildung: (v.li.) Ingrid Lürig (Leiterin der Willy-Brandt-Gesamtschule), Klaus Fischer (Geschäftsführer Mülheimer Handel Haustechnik) und Jennifer Reichstein vom Mülheimer Bildungsbüro. Foto: Tanja Pickartz

Mülheim.   Mülheimer Handel und Willy-Brandt-Gesamtschule schließen einen Kooperationsvertrag. Das Bildungsbüro begleitet sie und sucht weitere Partner.

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Im Lager des Mülheimer Handels an der Weseler Straße, zwischen herumkurvenden Staplerfahrzeugen und haushohen Regalen, wurde am Donnerstag ein Vertrag unterzeichnet, den es so in der Stadt noch nicht gab. Das Unternehmen und die Willy-Brandt-Gesamtschule beschließen eine Kooperation, die vom städtischen Bildungsbüro begleitet wird.

Der Kontakt zwischen Firma und Schule besteht schon länger, seit vier Jahren, etwa in der Form, dass Jugendliche beim Mülheimer Handel Praktika absolvieren. Ein Ausbildungsvertrag ist daraus aber noch nie hervorgegangen. „Es wird Zeit, das zu ändern“, meint Christoph Lehmann, der an der Willy-Brandt-Gesamtschule als Berufswahlkoordinator fungiert.

Gemeinsamer Info-Abend für Eltern

Der nun geschlossene Vertrag, den das Bildungsbüro formuliert hat, schreibt verschiedene Bausteine fest, darunter ein Telefontraining, in dem Achtklässler üben, sich um einen Praktikumsplatz zu bewerben – am anderen Ende der Leitung sitzen Azubis oder Ausbilder des Mülheimer Handels. Ein gemeinsamer Info-Abend für Eltern soll zum regelmäßigen Angebot werden, und schließlich verpflichtet sich das Unternehmen, pro Schuljahr zwei Langzeit-Praktikanten einzustellen und weitere Plätze zu schaffen für dreiwöchige Betriebspraktika.

„Wir möchten unseren Schülern plausibel machen, dass es sinnvoll ist, direkt eine Berufsausbildung zu beginnen“, erklärt Andreas Prions-Diekmann, der an der Willy-Brandt-Schule die Jahrgänge acht bis zehn leitet. „Es ist in Mode gekommen, zum Berufskolleg zu gehen und noch zwei Jahre im warmen Gebäude herumzudümpeln.“ Am Ende seien die Noten aber häufig schlechter, die Perspektiven kaum klarer.

Modell auf weitere Schulen übertragen

Diese Erfahrung lässt sich stadtweit übertragen: 2016 hat laut Übergangsreport des Bildungsbüros lediglich ein Fünftel der Schulabgänger in Mülheim direkt nach der zehnten Klasse eine Ausbildung begonnen. Gut 80 Prozent gingen weiter zur Schule, gymnasiale Oberstufe oder Berufskolleg.

Jennifer Reichstein, die für das Bildungsbüro am Kooperationsvertrag mitgewirkt hat, würde dieses Modell gerne auf weitere Schulen und Firmen übertragen. „Bei den Unternehmen besteht großes Interesse.“ Sie bräuchten auch Jugendliche, die zwar keine glänzenden Noten haben, sich aber in der betrieblichen Praxis bewähren. „Viele trauen sich aber nicht, es gemeinsam zu versuchen.“

Der Mülheimer Handel ist auf diesem Weg offenbar schon etwas weiter, wie Geschäftsführer Klaus Fischer erläutert. Aktuell hat das Unternehmen 15 Azubis, ganz überwiegend in den Berufen Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel sowie Fachkraft für Lagerlogistik. Einige Jugendliche kämen aus schwierigen Familienverhältnissen, so der Firmenchef, „für sie versuchen wir eine Art Leitplanke zu sein. Und mit deutlichen Gesprächen kriegen wir das auch meistens hin.“

Lager wird um Neubau erweitert

Die Mülheimer Handel Haustechnik GmbH & Co. KG, gegründet im Jahr 1905, beliefert als Großhändler die Sanitär- und Heizungsbranche. Momentan beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben 132 Mitarbeiter sowie rund 40 Lkw-Fahrer. Der größte Teil arbeitet in Mülheim, sieben kleinere Standorte gibt es, unter anderem in Oberhausen, Dinslaken und Duisburg.

2004 wurde der Mülheimer Handel durch die Pietsch-Gruppe übernommen. Das Lager an der Weseler Straße wird zur Zeit durch Teilabriss und Neubau um rund 7000 qm erweitert. Geplante Fertigstellung ist Anfang 2019.

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