Kultur

Mülheim: Performerin kratzt am Image von Pop und Politik

Performerin Yassine Khouloud zeigt und dekonstruiert im Tanz die Posen der Politik und des Pop.

Performerin Yassine Khouloud zeigt und dekonstruiert im Tanz die Posen der Politik und des Pop.

Foto: GREG DEMARQUE / Greg Demarque

Mülheim.  Wie wird der Körper zum Symbol von Macht? Die Tänzerin Khouloud Yassine zeigt und dekonstruiert die Ikonen der Herrschaft von Hitler bis Beyoncé.

Die Fotos des amerikanischen Militärs gingen um die Welt: Ein am Boden liegender Saddam Hussein, zerzaust, jämmerlich. Das Bild vom gefangenen Diktator sollte den Triumph der USA symbolisieren und das Ende seiner Herrschaft. Der Performerin Khouloud Yassine geht es nicht aus dem Kopf: „Wie er da lag, ich hatte fast Mitleid mit ihm.“ Für die Tänzerin ist das Spiel mit den Bildern und Gesten der Macht die zentrale Frage ihres Stücks „Heroes“ am Freitagabend im Ringlokschuppen.

Wie wird der Körper zum Symbol der Macht? Die libanesische Choreographin geht in ihrem Solo-Stück mutige Schritte. Tänzerisch knüpft sie eine Verbindung durch die Epochen, durch die Genres von Politik und Pop – dabei greift sie die Posen der Mächtigen auf, lässt sie ineinander übergehen: „In einer Szene imitiere ich die Gesten von Hitler – eine grimmige Haltung mit angewinkeltem Arm und erhobener Faust. Hitler hat sehr auf seine Gesten wert gelegt. Ich transformiere seine Haltung in eine Pose meiner Lieblingssängerinnen: Beyoncé.“

Transformation vom Nazi zur Narzisstin

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Dabei hält Yassine ihren leicht angewinkelten Arm so, dass ihre Faust mit dem Mikrofon über dem nach hinten gebeugten Kopf schwebt. So wandelt sie allmählich den Nazi zur Narzisstin. Deckt die im Schein konzentrierten Strukturen auf. Denn ob Pop oder Politik, für die Performerin ist es „immer dasselbe Spiel um die Gunst der Masse“. So spielt sie die schillernden ,Oberflächen’ der Macht vieler Ikonen durch: Micheal Jackson, Mussolini, Lady Gaga, Freddy Mercury. Ihre Imitationen sind durchaus provokant.

Doch die Performerin geht auch ein Stück weiter: Ihre Übergänge zwischen den Figuren zeigen, wie sich Macht in den Körpern formt und wieder verschwindet. So dekonstruiert und hinterfragt Yassines Performance gleichzeitig das Spiel der Mächtigen. „Mich interessiert vor allem dieser Punkt, wo das Bild sich wandelt, wo der Starke niedergeht.“

Yassine zeigt Muhammad Ali in Siegerpose und als Parkinson-Patient

So wie der Weltklasse-Boxer Muhammad Ali: „Ich zeige ihn auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als er selbstbewusst seinen Körper gegenüber den Journalisten präsentiert. Und dann im Alter, als er unter Parkinson leidet.“ Die Tänzerin fühlt sich dabei auch an ihren Vater erinnert: „Als Kind war er für mich ein starker Mann, eine Autorität. Im Alter wurde er schwächer – auch sein Bild wandelte sich.“ Für Khouloud Yassine ein weiterer Antrieb, der Macht vom Image auf den Grund zu gehen.

„Heroes – Surface of a Revolution“ feiert am Freitag, 24. Januar, Premiere im Ringlokschuppen, Am Schloß Broich 38. Beginn: 20 Uhr. Eintritt: 15 Euro. Im Anschluss gibt es viel Spaß beim gemeinsamen Tanzkaraoke mit Künstlerin Olivia Hyumsin Kim (22 Uhr) und bei der Party mit DJ Pony (23 Uhr). Weitere Vorstellung: Sonntag, 26.1.,18 Uhr.

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