Kultur

Mülheimer Ringlokschuppen: Viele Höhepunkte in 2019

Das Team des Ringlokschuppens in Mülheim erhielt 2019 den Theaterpreis des Bundes. Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütter (in Lila), überreichte ihn.

Das Team des Ringlokschuppens in Mülheim erhielt 2019 den Theaterpreis des Bundes. Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütter (in Lila), überreichte ihn.

Foto: Ringlokschuppen

Viele Höhepunkte gab es laut Jahresbericht 2019 im Mülheimer Ringlokschuppen. Wir befragten dazu Matthias Frense, den künstlerischen Leiter.

Der Ringlokschuppen hat seinen Jahresbericht für 2019 vorgelegt. Wir sprachen darüber mit Matthias Frense, dem künstlerischer Leiter und Geschäftsführer.

Was war für Sie das Highlight im letzten Jahr?

Matthias Frense: Für das Team war die Verleihung des Theaterpreises des Bundes eine große Bestätigung für die Arbeit der letzten Jahre. Aber wir hatten auch viele tolle Produktionen im Programm, etwa von unserer Performancegruppe KGI. Gemeinsam mit dem Musiktheater im Revier haben wir „eine Oper für alle“ auf die Bühne gebracht. Herausragend war auch Martin Ambaras Inszenierung von Heiner Müllers „Hamletmaschine“ als „afrikanische Erfahrung“. Mein persönliches Highlight war der Vortrag von Bridget Fonkeu im Theater Münster, in dem sie sehr bewegend über ihren persönlichen Lebensweg und die Silent University Ruhr gesprochen hat, bejubelt von 800 Menschen.

Welche Veranstaltungen liefen richtig gut?

Das beste Format für uns ist das, das mehrere Veranstaltungen im Haus vereint: Wenn wir auf der Bühne 3 eine neue Performance zeigen, bei der „Grenzenlos“ auf Bühne 2 ausgelassen getanzt wird und auf der Bühne 1 ein bekannter Kabarettist die Menschen zum Lachen bringt, schlägt unser Herz höher. Von diesen magischen Abenden, die ganz unterschiedliche Zuschauer zusammenbringen, haben wir 2019 einige hinbekommen.

Welches neue Format hatte Erfolg?

Ein neues und in der Theaterlandschaft wohl einzigartiges Format ist unser HundertPro-Festival. Es stellt einerseits postmigrantische Nachwuchskünstlerinnen und -künstler in den Fokus, die in der hiesigen Kulturlandschaft nach wie vor unterrepräsentiert sind. Andererseits kreieren wir am Festivaltag einen rasanten Mix ganz unterschiedlicher Genres: von Theater über Comedy bis zu Neuem Zirkus. Das ist beim Publikum extrem gut angekommen.

Wie geht es voran mit dem Umbau?

Nun, es handelt sich ja eher um Renovierungsarbeiten, die nach 25 Jahren mehr als überfällig sind. Wir wollen die Foyers ansprechender gestalten und haben den ersten Abschnitt jetzt geschafft. Die Malerarbeiten im Hauptfoyer sind abgeschlossen und die schönen neuen Lampen hängen auch schon. Jetzt geht’s im Frühjahr an die Tresen und die Möblierung. Für das Foyer vor Bühne 1 wird das Geld in diesem Jahr aber nicht reichen. Wir müssen unsere Pläne über die nächsten Jahre peu à peu abarbeiten.

Sie haben ihr Programmprofil geschärft. Inwiefern?

Wir haben in den letzten Jahren stark daran gearbeitet, den Theaterraum zum Begegnungsort zwischen Künstlern und Zuschauern und zwischen pop-, inter- und sogenannten hochkulturellen Formaten zu machen. Wir wollen Gesprächsanlässe zwischen Menschen verschiedener sozialer und kultureller Herkünfte initiieren. Wir bieten Übersetzungen und unterschiedliche Vermittlungsformate an und möchten insbesondere auch Familien ins Programmmachen mit einbeziehen. Theater sind heute komplexe Kommunikationsorte, wo Mitsprache und Partizipation einen wichtigen Platz einnehmen.

Weiterhin zufrieden mit der Gastronomie im Haus?

Wir sind sehr glücklich, dass das Ronja bei uns eingezogen ist. Es hat sich alles super eingespielt, wir profitieren voneinander.

Der Wirtschaftsplan wurde weiter konsolidiert. In der Spielzeit 2018/19 wurde das Defizit auf 62.700 Euro gesenkt, durch Überschuss von 11.462 Euro. Ging es im ersten Halbjahr 2019/20 so weiter?

Die Bilanz für 2019 ist noch nicht abgeschlossen. Aus dem letzten Jahr werden wir aber absehbar nur einen kleineren Überschuss erzielen, unter anderem, weil wir Ende des Jahres noch eine Investitionsförderung des Landes NRW in Höhe von 32.000 Euro einwerben konnten, für die wir einem Eigenanteil von 4000 Euro aufbringen mussten. Hierfür wird auf Bühne 1 ein neues Vorhangsystem installiert, das eine variablere Nutzung zwischen Proben- und Aufführungsbetrieb ermöglicht. Darüber hinaus können wir jetzt endlich die marode Bestuhlung vollständig ersetzen.

Gibt es ein zeitliches Ziel, wann das gesamte Defizit bereinigt sein soll?

Wir haben uns vorgenommen, das restliche Defizit über die nächsten zehn Jahre hinweg Stück für Stück abzubauen. Wichtig ist, dass das Haus immer liquide ist, was in den vergangenen fünf Jahren zu keinem Zeitpunkt ein Problem war. Und dass wir nicht in ein strukturelles Defizit rutschen, also einer Unterfinanzierung, die sich dann schnell potenzieren kann.

Es gab 2019 verschiedenste Fördergelder. Wieviel insgesamt? Was waren die wichtigsten Förderer?

Der Ringlokschuppen Ruhr hat einen Gesamtumsatz von etwa 2,6 Mio. Euro. Unser wichtigster Förderer ist die Stadt Mülheim. Die Fördermittel vom Land NRW und diversen Stiftungen betrugen in 2019 mit fast einer Million Euro mehr als ein Drittel. Ein weiteres Drittel des Gesamtumsatzes erwirtschaften wir mit unseren Eintrittsgeldern, Miet- und Gastroeinnahmen.

Gibt es für 2020 auch schon wieder Förderung?

Ja, wir konnten für das laufende Jahr schon etliche Förderungen einwerben. Aber da soll auch noch einiges hinzukommen. Grundsätzlich gilt, wir können nur das Geld ausgeben, das wir konservativ gerechnet absehbar auch einnehmen.

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