Mölmsche Woche

Mülheims Politik sollte wirtschaftlichen Problemen begegnen

Mirco Stodollick

Mirco Stodollick

Foto: Mirco Stodollick Archivbild: Ilja Höpping / Mirco Stodollick

Mülheim.  Erst Aldi, dann Europipe und Mannesmann Grobblech. Erneut droht Mülheim hunderte Jobs zu verlieren. Die Politik verharrt derweil in Lethargie.

290 Mitarbeiter bei Aldi Süd bangen um ihre Jobs, wenn der Lebensmittel-Riese Ende April 2020 seine Mülheimer Regionalgesellschaft schließt. Nicht neu, aber in aller Schärfe ist nun auch den Beschäftigten der stahlverarbeitenden Betriebe Europipe und Mannesmann Grobblech (MGB) vor Augen geführt, dass ihre Zukunft unsicher ist. Mülheim droht abermals hunderte sozialversicherungspflichtige Jobs zu verlieren.

Wenn Unternehmen Stellenabbau ankündigen, kommt das immer zur Unzeit. Kurz vor Weihnachten aber kommt es noch einmal härter für alle, die um ihren Job bangen müssen. Dass Europipe nach 2014 schon wieder mit Plänen an die Belegschaft herantritt, die Mannschaft möglicherweise um mehr als ein Drittel schrumpfen zu lassen, lässt bei den Beschäftigten sicher den Eindruck zurück, im Hamsterrad zu strampeln – ohne dass der Weg einmal ein Ende hat.

2015 rettete ein Großauftrag die Europipe-Mitarbeiter vor Entlassungen

Man erinnere an 2014. Da sollte Europipe mangels Aufträgen ebenso schrumpfen. Kurz danach konnte ein Großauftrag verbucht werden. Die fleißigen Bienen im Großrohrwerk legten Überstunde um Überstunde hin, um die Liefertreue zu gewährleisten. Auf sie war stets Verlass.

Europipe ist am Weltmarkt eine Größe, die Qualität made in Mülheim hat das Unternehmen manch großes Los ziehen lassen bei Pipeline-Mammutprojekten der Vergangenheit. Heute wird wie 2014 Thema sein, wie in Zukunft überhaupt solche Großaufträge abzuwickeln sein sollen, wenn die Belegschaft auf 350 Menschen schrumpfen würde.

Europipe ist gefordert, den Mitarbeitern ein Zukunftskonzept vorzulegen

Der Europipe-Betriebsrat fordert zurecht ein, dass die Geschäftsführung nicht nur mit Zahlen um sich werfen, sondern zeitnah ein Konzept vorlegen sollte, wie man den zugegebenermaßen extrem schwierigen Weltmarkt in Zukunft erfolgreich beackern will.

Die Mitarbeiter von Zulieferer MGB erwartet ebenso wenig Erfreuliches, wenn mit Beginn des Jahres darüber verhandelt werden soll, wie das Unternehmen mit der fortgesetzten Auftragsflaute umgehen soll. MGB ist immer noch in großen Teilen abhängig von Europipe-Aufträgen. Auch hier wird es um Stellenabbau gehen.

Die Stadt bedarf dringend wirtschaftspolitischer Impulse

Die Krise in der Mülheimer Großindustrie greift seit Jahren um sich. Nirgends geht so viel sozialversicherungspflichtige Arbeit verloren wie in diesem Wirtschaftszweig. Nicht zuletzt ist dies eine der wesentlichen Ursachen, warum Mülheim in den vergangenen zehn Jahren bei der Beschäftigungsentwicklung hinter dem Landesschnitt, aber auch hinter anderen Städten des Ruhrgebiets teilweise kräftig hinterherhinkt.

Politisch ist diese krisenhafte Entwicklung bislang viel zu spärlich aufgegriffen worden. Der Wirtschaftsausschuss des Stadtrates hat schon seinen Namen nicht verdient, wurde dort in der Vergangenheit doch zuvorderst (ergebnislos) über Mülheims Nahverkehr debattiert. Hoffentlich ändert sich das, wenn der Ausschuss im Januar zur Sondersitzung zusammentritt, um endlich einmal über das Wirtschaftsflächenkonzept des Wirtschaftsförderers zu sprechen. Die Stadt bedarf nämlich dringend wirtschaftspolitischer Impulse, soll der Abwärtstrend gestoppt werden.

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