OB-Wahl

Nach Wahlpleite regt sich Unmut in Mülheimer CDU

Der CDU-Kandidat Werner Oesterwind (li.) gratuliert dem Wahlsieger Ulrich Scholten (SPD).

Der CDU-Kandidat Werner Oesterwind (li.) gratuliert dem Wahlsieger Ulrich Scholten (SPD).

Foto: Walter Schernstein

Mülheim.  Ulrich Scholten (SPD) gewann 21 von 27 Wahlbezirken zum Teil sehr deutlich. In der Union wird Kritikam Kuschelwahlkampf des Kandidaten laut. Andere meinen: Mobilisierung in Hochburgen fehlte.

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Die CDU hatte sich diesmal mit ihrem Kandidaten Werner Oesterwind zumindest ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wenn nicht einen Sieg ausgerechnet. Es kam völlig anders: SPD-Mann Ulrich Scholten gewann in 21 von 27 Kommunalwahlbezirken, und das zum Teil haushoch. Am Tag danach zeigt sich erster Unmut in den CDU-Reihen – auch über den Stil von Werner Oesterwind: „Mit einem Kuschelwahlkampf sind heute keine Siege mehr zu erzielen“, beklagt etwa Frank Wagner, CDU-Vorsitzender in Saarn-Selbeck-Mintard.

Selbst in den schwarzen Hochburgen konnte die CDU diesmal nicht eindeutig punkten. Scholten gewinnt nicht nur in den nördlichen Stadtteilen, sondern eben auch in Holthausen-Nord, im Broicher Süden, an der Saarner Kuppe und sogar am Kahlenberg, wo die CDU traditionell sehr stark abschneidet. „Es ist nicht gelungen“, sagt der Kreisvorsitzende Andreas Schmidt, „unsere Wähler in den Hochburgen zu mobilisieren.“ Er gibt aber auch zu bedenken: „Bei nur zwei Kandidaten liegt die Hürde, einen Wahlkreis zu gewinnen, naturgemäß hoch, eben bei über 50 Prozent.“ Schmidt gibt zu, dass er sich getäuscht habe: „Die Wechselstimmung, die wir gespürt haben, gab es offensichtlich nicht.“

Andere Städte haben Generationswechsel gewagt

Am Kandidaten, da ist Parteigeschäftsführer Thomas Mehlkopf-Cao sicher, lag es nicht, dass der Gegenspieler am Ende 16 Prozentpunkte Vorsprung hatte. Vielleicht, meint er, hätte man Missstände mehr herausstellen sollen, Unterschiede deutlicher machen müssen. Dass in Städten wie Oberhausen und Essen die CDU so erfolgreich abgeschnitten habe, könnte, so der Parteigeschäftsführer, auch daran liegen, dass man dort bei der Kandidatenwahl einen Generationswechsel gewagt habe.

Es müssten auch in Mülheim jüngere Leute aufgebaut werden, so sieht es etwa Frank Wagner. Personelle Veränderungen an den Spitzen der CDU hält er gar für dringend erforderlich, um überhaupt wieder Wahlen in Mülheim zu gewinnen. Hansgeorg Schiemer (CDU) hält dagegen: Junge talentierte Leute wüchsen nicht auf den Bäumen, und selbst für Spitzenämter sei es heute schwierig, junge Nachfolger zu gewinnen.

Dass die CDU in ihren Hochburgen die Wähler nicht ausreichend motiviert habe, hält Wagner für eine Fehleinschätzung. 42 Prozent Wahlbeteiligung im Süden seien angesichts des landesweiten Debakels „vernünftig“. Der CDU-Kandidat sei Herausforderer gewesen und als solcher hätte er angreifen müssen. In dieser fehlenden Offensive, in der fehlenden Unterscheidung sieht Wagner die Hauptfehler. Im Wahlkampf hätten oft Bürger gefragt, was der CDU-Kandidat anders mache. „Da fehlten uns schlicht die Antworten.“

Kommentar

Ohne jeden Biss

Waschechter Mülheimer, verwurzelt im Vereinsleben, volksnah, beliebt in der Partei, wirtschaftserfahren – es nützte Werner Oesterwind alles nichts. Vielleicht kann man doch nicht mit purer Freundlichkeit Wahlen gewinnen, so ohne jeden Biss. Ein prickelndes Thema hatte er nicht, Scholten aber auch nicht. In der Sache war Scholten eindeutiger, bezog eher Position, gab mehr Antworten.

Die CDU in Mülheim schafft es erneut nicht, der SPD den Rang abzulaufen, obwohl auch die Genossen längst nicht mehr an die Stärken alter Zeiten heranragen und sich in der Stadtbevölkerung vielen Zweiflern und Unzufriedenen gegenübersehen. Mit Wahlanalysen tat sich die CDU bisher jedoch schwer. Ist sie in der Form in Mülheim eine Großstadt-Partei, die im Jahr 2015 Menschen aller Generationen anspricht, erreicht, viel mehr noch bewegt?

Intern startete der CDU-Wahlkampf auch alles andere als souverän. Wie man Stadtdirektor Frank Steinfort, der sich als Spitzenkandidat meldete, erst auf die Wartebank, dann abschob, bringt einer Partei nicht gerade Pluspunkte ein.

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