Stadtplanung

Nette Nachbarn gesucht

Frank Peylo (2.v.l.) vertritt die Heißener Gruppe.  Renate Vetter,Elisabeth und Karl-Heinz L'hoest gehören zu den Speldorfer Interessenten. „Wir planen kein Seniorenstift“, versichern sie.

Foto: WAZ FotoPool

Frank Peylo (2.v.l.) vertritt die Heißener Gruppe. Renate Vetter,Elisabeth und Karl-Heinz L'hoest gehören zu den Speldorfer Interessenten. „Wir planen kein Seniorenstift“, versichern sie. Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.  Zwei der drei von der Stadt geförderten alternativen Wohnprojekte können an den Start gehen, wenn der Rat zustimmt. In Heißen besteht ein Verein, Speldorf ist schon im Internet. Am Klöttschen stockt das Projekt allerdings noch.

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So richtig blüht die Idee der alternativen Wohnformen, die die Stadt mit einer Workshop-Reihe anschieben wollte, noch nicht. Aber es gibt schon einige vielversprechende Entwicklungen in Heißen und Speldorf.

Aber was heißt eigentlich schon alternativ? Eine Siedlung, in der Nachbarschaft noch funktioniert, in der Bewohner jeden Alters sich gegenseitig helfen und auch mal gemeinsam etwas unternehmen ist ja im Grunde die klassische Wohnform. Sie ist nur keine Selbstverständlichkeit mehr, seitdem die Städte immer anonymer geworden sind und sich die Familienstrukturen aufgelöst haben.

Verein gegründet

Neben einer erfahrenen Moderatorin und einem Architekten, die auf diesem Gebiet viel Erfahrung haben, hat die Stadt dafür auch drei Grundstücke reserviert: an der Friedhofsstraße in Speldorf, am Fünter Weg in Heißen und am Klöttschen am Rand der Innenstadt. In Speldorf und Heißen sieht es inzwischen vielversprechend aus, so dass der Rat in seiner Sitzung am 10. April beschließen kann, die Grundstücke bis Jahresende für die beteiligten Gruppen zu reservieren und ausschließlich an sie zu verkaufen.

Am Klöttschen wird es noch dauern, wie Thorsten Kamp vom Planungsamt erläutert. Hier hatten zwar gleich zu Beginn des Planungsprozesses die „Raumteiler“ großes Interesse angemeldet, doch die Gruppe wuchs, es gab dann unterschiedliche Auffassungen über das Grundstück und niemand wollte die Gruppe zerreißen. Dort wolle sich die Stadt zunächst dem Straßenbau widmen, so Kamp, und setze auf eine mittelfristige Lösung.

Eine gute Gemeinschaft aus unterschiedlichsten Menschen

Das größere Interesse besteht derzeit für den Standort Heißen (Gelände der Grundschule Fünter Weg). „Unser Traum ist es, dass hier Familien mit Kindern, ältere Menschen und junge Erwachsene mit Handicap in einer guten Gemeinschaft zusammenleben“, sagt Frank Peylo. Er ist Vorsitzender des inzwischen gegründeten Vereins „Wohnort Fünte“, der zur Gründung im Februar 20 Mitglieder zählte. Inzwischen gibt es weitere Interessenten, aber auch für Neuinteressenten sei die Gruppe noch offen. Die Mitglieder kommen überwiegend aus zwei Gruppen – der Mülheimer Lebenshilfe und der Gruppe Stadthaus, die dort mehrere Jahre vergeblich ein Wohnprojekt zu initiieren.

„Bevor wir richtig in loslegen und konkrete Pläne für ein generationsübergreifendes Quartier machen, wollen wir den Ratsbeschluss abwarten. Die rechtlichen Grundlagen müssen stehen“, sagt Peylo, denn Planungen seien immer mit hohen Kosten verbunden. Als Kooperationspartner habe man bereits auch Kontakt mit dem Wohnbund aufgenommen. Aber hätte die Stadt keinen Druck gemacht, stünden sie sicherlich noch nicht in den Startlöchern, ist er sich sicher.

Bauwillige Privatleute und Investoren gesucht

„An Ideen mangelt es uns nicht, aber noch an Mitstreitern“, sagt dagegen Renate Vetter von einem Verein, der an der Friedhofstraße aktiv werden möchte. Von ursprünglich 18 Interessierten zeigen zurzeit nur drei Parteien im fortgeschrittenen Alter noch wirklich Tatendrang. Ihr Wunsch: „Ein lebendiges Viertel mit etwa 20 Wohneinheiten, in der Familien, Senioren, junge Leute und behinderte Menschen zusammenleben“.

Das Grundstück sei attraktiv, direkt am künftigen Radweg Duisburg-Essen gelegen und Geschäfte seien ebenfalls in der Nähe. „Wir könnten ökologisch und barrierefrei bauen“, so Vetter. Wer jetzt dazustoße, habe die große Chance, selbst mitzugestalten. Gesucht werden bauwillige Privatleute ebenso wie Investoren, die – nach den Plänen der Gruppe – Mietraum schaffen. Die Gruppe hat auch schon eine Seite im Internet ( www.anders-wohnen-in-speldorf.de) eingerichtet: „Wir planen kein Seniorenstift,“ heißt es dort groß.

Verkauft werden die Grundstücke nicht wie sonst üblich zum Höchstgebot, wie Frank Berges vom für Immobilien zuständigen Amt erklärt, sondern nur zum Verkehrswert. „Aber wir wollen das auch nicht subventionieren“, stellt er klar.

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