Kunstgewerbe

Neues Leben entsteht in altem Leerstand der Innenstadt

Silvia Walkenbach-Mast eröffnet an der Schloßstraße einen Pop-Up-Store.

Silvia Walkenbach-Mast eröffnet an der Schloßstraße einen Pop-Up-Store.

Foto: Jörg Schimmel

Mülheim.   Für sechs Wochen öffnet an der Schloßstraße wieder Shop-Art. Die 20 Kreativen um Silvia Walkenbach-Mast wollen das Weihnachtsgeschäft nutzen.

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Kaum ist Art Obscura aus dem Ladenlokal an der Schloßstraße 17 ausgezogen, zieht an der Ecke zum Löhberg an diesem Samstag neues kreatives Leben ein. Silvia Walkenbach-Mast führt dort mit knapp 20 Kollegen ihr Konzept von Shop-Art fort. Der Laden hatte nach nur wenigen Monaten Ende September an der unteren Schloßstraße schließen müssen, weil Eigentümerin Erika Hardt neue, dauerhafte Mieter gefunden hatte. So war es auch vereinbart.

Auch der neue Laden ist ein Pop-Up-Laden von begrenzter Dauer. Sechs Wochen soll er bestehen und vor allem auch Anlaufstelle für originelle Geschenkideen sein. Die Kreativen wollen das Weihnachtsgeschäft mitnehmen. „Schnell rein und schnell wieder raus“, lautet das Prinzip, das schon mehrfach umgesetzt wurde. Aufwändig kann da eine Ladengestaltung nicht sein.

Sie schleift Metall und verwandelt Schwemmhölzer

Derzeit lagern die Regale und zahlreiche Objekte auch befreundeter Künstler in ihrer Werkstatt im Hafen, wo sie vor vier Jahren ein ehemaliges Wiegehäuschen bezogen hat. Dort schmilzt sie in zwei Öfen Glas, schweißt, flext und schleift Metall und verwandelt Schwemmhölzer, die sie bei ihren Spaziergängen am Rhein findet, mit wenigen ergänzenden Materialien in originelle Skulpturen, die die Fantasie anregen. So sieht man durch die Platzierung einer Glaskugel plötzlich im Linienspiel der Holzmaserung und in den Konturen einer Wurzel einen Wolf.

Alten Dingen neues Leben einzuhauchen, ist das Ziel der 57-Jährigen Diplom-Designerin. Aber eine gewisse Wertigkeit sollte es schon haben. Sie zeigt einen dekorativen Leuchter, den sie aus Metallbändern gebaut hat, die ein befreundeter Schlosser schon in den Schrott geben wollte. Glasfusion ist eine Technik, der sie sich seit einiger Zeit intensiv widmet. Dabei verschmelzen bei hoher Temperatur bunte Glassplitter und Granulat im Ofen mit einer Platte, die die Form eines Torsos hat. Im Garten funkeln ihre geschmackvoll komponierten Glasstelen in der Sonne.

Flächen pro Regalmeter werden an Kollegen vermietet

Auf die Idee zu diesem Vermarktungskonzept kam sie durch Gert Rudolph. Der hatte mit dem Kulturbetrieb vor einigen Jahren damit begonnen, Leerstand mit Kultur zu füllen. Dazu zählte ein kleines Kaufhaus, in dem Kreative gemeinsam ihre Produkte anboten. Das kam bei den Kreativen ebenso gut an wie bei den Kreativen. „Alleine geht das nicht, weil die meisten mit ihren Sachen keinen Laden füllen können. Aber in der Gruppe können wir uns gegenseitig unterstützen“, sagt Walkenbach-Mast. Sie sieht sich aber nicht als Verkäuferin, will sich künstlerisch weiterentwickeln. Steht sie im Laden, geht das nicht. Sie ist froh, dass Citymanagerin Gesa Delija ihr den Kontakt zu den Eigentümern von Grand City Property herstellen konnte. „Inzwischen haben wir einige Stammkunden, die sich freuen, dass wir wieder öffnen“, sagt die Designerin, die Flächen pro Regalmeter an Kollegen weitervermietet.

Mülheimer Motive am Computer verfremdet

Eine Mischung aus Schmuck, Taschen, Keramik, Tiffanykunst und Malerei erwartet die Besucher in dem Laden. Gut gefallen ihr die Feuerstelle von Thomas Binke, die wie große Blüten aus Metall aussehen und die imposanten Objekte aus Holz und Metall von Manfred Million. Mit dem Fotografen Ernest Mocnik, der seine Mülheimer Motive mehr oder weniger stark am Computer verfremdet, bietet sie einen Kalender an, der auch in der Tourist-Information der MST und in der Buchhandlung von Michael Fehst am Löhberg 4 für 22,50 Euro erhältlich ist. Ein Euro davon geht ans Raphaelhaus. Bei der Brasilianerin Laura Rodrigues können die Besucher mitmachen und mit Kaffeeklecksen auf der Leinwand die Fantasie der Künstlerin anregen.

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