Marktschreier

Nur Pöbeln ist für die Marktschreier in Mülheim tabu

Auf dem Rathausmarkt in Mülheim sind die Marktschreiber Aal-Ole, Naschkram-Ben, Käse-Maxx und Wurst-Achim zu Gast.

Auf dem Rathausmarkt in Mülheim sind die Marktschreiber Aal-Ole, Naschkram-Ben, Käse-Maxx und Wurst-Achim zu Gast.

Foto: Tamara Ramos

Mülheim.   Die echte Gilde der Marktschreier gastiert auf dem Rathausmarkt. Sprüche sollen Kunden locken oder vertreiben – aber gemäßigt bleiben.

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Wurst-Achim ist gut gelaunt und schreit den Kollegen auf dem Rathausmarkt zu: „Ich habe schon wieder was verkauft.“ Die Antwort vom Käse-Maxx folgt prompt: „Du hast nicht verkauft, du hast beschissen.“ Was ernst klingt, ist alles nur Spaß. Zurzeit macht die echte Gilde der Marktschreier in Mülheim Station – und bietet neben Top-Ware viel Unterhaltung.

Auch, wenn es am Donnerstag noch recht überschaubar war, riefen sich die Händler in Stimmung und nahmen sich dabei aufs Korn. „Dich zieh ich gleich vom Wagen runter, dann verkaufst du nichts mehr“, schmetterte Naschkram-Ben in Richtung Aal-Ole. Der Hamburger mit den Süßigkeiten im Angebot ist erst seit zwei Monaten dabei. „Den rauen Ton vom Großmarkt bin ich gewohnt, aber die Kommentare der Marktschreier sind doch schon hart. Am ersten Tag war ich geknickt“, gibt er zu.

Dabei achten die Schreier darauf, dass die Situation nicht ausartet. „Die Sprüche dürfen nicht unter die Gürtellinie gehen. Wenn es mal passiert, sollte man sich direkt entschuldigen“, erklärt Käse-Maxx, der mit 20 Jahren der Jüngste im Bunde ist, aber trotzdem freche Sprüche auf Lager hat. „Wir müssen aber Respekt vor den Marktbesuchern haben, gerade Kinder sollten nicht alles zu hören bekommen“, warnt der Käsehändler, der wie seine Kollegen besonders viel bei Sprüchen vom erfahrenen Wurst-Achim einstecken muss.

Marktschreier reisen viel und sind selten bei der Familie

„Mit Humor und Charme ziehen die Marktschreier ihre Kunden in den Bann. Sie sollen nicht rumpöbeln. Das ganze hat Entertainment-Charakter. Die Besucher erwarten, dass die Marktschreier sich ins Zeug legen“, erklärt Mel Kühn, Geschäftsführer der Event- und Werbeagentur Jobo, die die Marktschreier unter Vertrag hat.

Die Marktschreier müssen neben dem gesamten Spaß auch von ihrem Geschäft leben. Sie reisen viel, sind selten bei der Familie, was alle als einen Nachteil bezeichnen. Doch bei den Märkten läuft’s in der Regel gut. „Es gibt immer mal Höhen und Tiefen“, sagt Wurst-Achim, der seine Kunden nicht zu sehr durch harte Sprüche abschrecken möchte. Anderseits wecken diese Interesse. „Ich reagiere auf Situationen oder auf die Gäste, man muss aber auch herzlich sein“, betont der Marktschreier. Am liebsten streitet er sich übrigens mit dem holländischen Blumenkönig Michel, der diesmal allerdings nicht in Mülheim steht, da er auf einem Parallelmarkt ist.

Eine Frau im Bunde der Marktschreier ist Liana Mamaeva mit ihrem Fischstand. Der Veranstalter nennt sie „Matjes-Liana“, wobei sie nicht mitruft. „Es ist unter den Männern auch etwas schwierig“, sagt sie. An ihrem Stand kommt mehr Laufkundschaft vorbei. „Es ist wichtig, wenn die Gäste sich nicht direkt vor die großen Wagen der Schreier stellen möchten. So können sie die Atmosphäre genießen“, erklärt Kühn.

>> Marktschreier noch bis Sonntag in Mülheim

Wer die Marktschreier erleben möchte, kann noch bis Sonntag auf dem Rathausmarkt die Gelegenheit nutzen. Danach zieht die Gilde der Marktschreier weiter nach Wermelskirchen.

Freitag und Samstag sind die Marktschreier von 10 bis 18 Uhr vor Ort, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Parallel stehen auf dem Rathausmarkt noch weitere Händler.

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