Kindernotdienst

Oberhausen statt Mülheim: Neuer Kinder-Notdienstplan steht

Ein Baby beim Kinderarzt: Notdienst außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten gibt es künftig nur noch am Oberhausener EKO.

Ein Baby beim Kinderarzt: Notdienst außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten gibt es künftig nur noch am Oberhausener EKO.

Foto: Jochen Tack / imago

Mülheim.   Jetzt ist es entschieden: Ab 1. Juli leisten die Mülheimer Kinderärzte ihren Notdienst in Oberhausen. Für Familien soll sich vieles verbessern.

Der kinderärztliche Notdienst für Mülheimer Familien findet ab 1. Juli nur noch in Oberhausen statt. Was sich bereits abzeichnete, hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein nun gegenüber dieser Redaktion bestätigt. „Von unserer Seite ist es entschieden“, erklärt KV-Sprecher Dr. Heiko Schmitz, und verweist auf einen entsprechenden Beschluss des Vorstands. „Der Organisationsplan ist fertig. Wir können damit am 1. Juli starten.“

Notdienstsicherung „Aufgabe der KV“

Erstellt wird die Notdienstordnung gemeinsam mit der Ärztekammer. Letztlich zuständig sei aber die KV, sagt Schmitz: „Gemäß Sozialgesetzbuch V ist der ambulante Bereitschaftsdienst Teil des Sicherstellungsauftrags und damit Aufgabe der KV. Diesem Auftrag kommen wir entschieden und konsequent nach, indem wir die Mülheimer Kinderärzte in ein tragfähiges Gesamtkonzept integrieren.“

Versorgung der kleinen Patienten verbessern

Der KV-Sprecher reagiert damit auf massive Kritik der Mülheimer Kinderärzte, die eine Beteiligung der Ärztekammer einfordern und die Oberhausener Lösung nicht akzeptieren wollen. „Es gab ausführliche Gespräche mit den Kinderärzten in Mülheim und Oberhausen dazu“, so Schmitz, „wir haben das nicht einfach verordnet“. Nach Einschätzung der KV verbessert sich die Versorgung der kleinen Patienten durch das neue Konzept deutlich.

Für ihre Entscheidung, den pädiatrischen Notdienst ab Juli in der Kindernotdienstpraxis im Evangelischen Krankenhaus Oberhausen (EKO) zu konzentrieren, nennt die KV Nordrhein mehrere Gründe. Zum einen möchte man zeitig die politische Vorgabe umsetzen, flächendeckend sogenannte Portalpraxen anzubieten, in denen der ambulante und stationäre Bereich miteinander kooperieren. „Das geht nur unter einem Dach, mit einer gemeinsamen Anlaufstelle“, so Schmitz. Im Gegensatz zu den beiden Mülheimer Krankenhäusern verfügt das EKO über eine Kinderklinik, an die der ambulante Notdienst nun gekoppelt werden soll. Die hiesigen Kinderärzte hatten vorgeschlagen, das Mülheimer St. Marien-Hospital zu wählen, und auch die politischen Parteien in Mülheim haben in den letzten Tagen nachdrücklich dafür plädiert. Die KV Nordrhein ist jedoch für diese Lösung nicht zu haben.

Dienste extrem ungleich verteilt

Denn hinzu kommt ein enormes Ungleichgewicht in der Dienstbelastung im Städtevergleich: „Der pädiatrische Notdienst in Mülheim hat bisher einen sehr überschaubaren Umfang von lediglich sechs Stunden pro Woche“, so der Sprecher: jeweils eine Stunde mittwochs und freitags, jeweils zwei Stunden samstags und sonntags. Demgegenüber steht die Oberhausener Notfallpraxis wöchentlich 34 Stunden zur Verfügung. Laut KV-Angaben leistet jeder der zehn Kinderärzte in Mülheim im Schnitt 28 Stunden Notdienst pro Jahr, ihre 14 Oberhausener Kollegen sind aber mit 138 Stunden jährlich belastet.

Das unterschiedliche Angebot hat zur Folge, dass die Notfallpraxis am EKO bereits jetzt Anlaufstelle für viele Mülheimer Familien ist: „Viele Mülheimer Kinder werden von den Oberhausenern versorgt“, so KV-Sprecher Schmitz. Neben einer „zumutbaren Dienstbelastung“ für alle beteiligten Ärzte soll die Neuregelung ein Angebot schaffen, das auch den Mülheimer Familien täglich zur Verfügung steht.

Mülheimer Kinderärzte wollen gegen Neuregelung angehen

Mit Widerstand muss die KV aber weiterhin rechnen. Eine Unterschriftensammlung und laufende Online-Petition für den Erhalt des Kindernotdienstes in Mülheim haben insgesamt schon weit mehr als 5000 Unterstützer gefunden, vielfach betroffene Mütter und Väter: „Kritische Stimmen von Elternseite nehmen wir sehr ernst“, versichert die KV. Man sei aber sicher, „dass sich auch die Mülheimer Eltern von dem verbesserten Konzept überzeugen lassen werden.“

Stellvertretend für die Mülheimer Kinderärzte erklärt Dr. Thomas Lamberti: „Die KV hat bereits unseren Antrag abgelehnt (eher vom Tisch gefegt...) und sehr klar ihren Plan als ,politisch erwünscht’ angepriesen. Wir werden sehen, wie weit wir juristisch dagegen ankommen.“

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