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Pferde haben keine Vorurteile

Eine Gruppe von Menschen mit psychischen Behinderungen, die die psychiatrische Tagestätte der Caritas besucht, war zu Gast bei der Reitschule von Antje Bauer-Jacobs (l.) auf dem Baumer Hof.

Foto: Jörg Schimmel

Eine Gruppe von Menschen mit psychischen Behinderungen, die die psychiatrische Tagestätte der Caritas besucht, war zu Gast bei der Reitschule von Antje Bauer-Jacobs (l.) auf dem Baumer Hof. Foto: Jörg Schimmel

Saarn.   Eine Gruppe von Menschen mit psychischen Behinderungen besuchte den Baumer Hof in Saarn, auf dem besonderer Reitunterricht stattfindet.

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Und dann sitzt sie plötzlich oben auf dem Pferderücken und strahlt übers ganze Gesicht. Eben noch, da stand Silke Schneider beinahe wie behütet im Kreis ihrer Gemeinschaft aus der psychiatrischen Tagesstätte vor dem Pferd und hat es mit Möhren gefüttert.

„Eigentlich ist sie eher die Ängstliche, aber jetzt hat sie sich überwunden“, lobt Stefanie Möller die Entscheidung von Silke Schneider (48), sich aufs Pferd zu trauen. Die Sozialpädagogin Stefanie Möller ist mit einer Gruppe Menschen mit psychischen Behinderungen von der psychiatrischen Tagesstätte der Caritas an der Althofstraße raus nach Saarn auf den Baumer Hof gekommen.

Aus der Isolation heraus holen

Ihr Ziel: Ihre Klienten, die an chronischen psychischen Erkrankungen wie Depression, Angststörungen und Schizophrenien leiden, raus aus der Isolation zu holen und ihnen stattdessen neue Lebensräume zu erschließen. Diesmal ist das ein Reiterhof, der Baumer Hof in Saarn, auf dem Antje Bauer-Jacobs eine Reitschule für Erwachsene betreibt und Katja Sippel Reiten für Menschen mit Behinderung anbietet. Die beiden Pferde-Fachfrauen geben den Besuchern aus der psychiatrischen Tagesstätte an diesem Nachmittag die Gelegenheit, Kontakt aufzunehmen mit den großen Tieren.

Im Fall von Jutta Sälzer klappt das augenscheinlich ganz hervorragend. Die 66-Jährige steht auf ihren Rollator gestützt vor Jupp und kichert wie ein Teenager. Die beiden, die Dame aus Speldorf und der Wallach aus Saarn, sind gleich ein Herz und eine Seele geworden. Und so wandert noch ein Stück Möhre in Richtung von Jupps großem Maul. Am Ende des Besuchs wird Frau Sälzer sagen: „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das so schön wird. Eigentlich wollte ich gar nicht mitkommen.“

Pferde haben keine Berührungsängste

Sozialpädagogin Stefanie Möller fühlt sich bestätigt in ihrem Ansatz, die psychisch kranken Besucher der Caritas-Tagesstätte mit raus ins Leben zu nehmen. Denn davon, vom Leben, hatten sich viele von ihnen zurückgezogen, soweit, dass sie ihre Tagesstruktur verloren, soziale Kontakte abbrachen und in die Isolation rutschten. Hier aber, auf dem Baumer Hof, merken sie schnell: Pferde haben keine Vorurteile und keine Berührungsängste. Stefanie Möller erklärt: „Auch körperlicher Kontakt ist vielen unserer Klienten verloren gegangen. Hier bei den Pferden spüren sie, wie warm und weich deren Körper sind.“ Dass die Begegnung mit den Vierbeinern viel bewirken kann, erfährt Reittrainerin Katja Sippel immer wieder. Regelmäßig bietet sie Reiten für Behinderte an, hat in ihrer Gruppe vor allem Kinder und Jugendliche, die körperlich behindert sind. Die Kinder gewönnen neuen Lebensmut und Stärke durch den Umgang mit den Tieren, sagt Sippel: „Eine Neunjährige, die an Spastiken in den Beinen leidet, ist ganz ehrgeizig und kann heute ohne Rollator laufen.“

>> REITEN AUF DEM BAUMER HOF

Kontakt zu Reittrainerin Katja Sippel, die Reiten für Behinderte auf dem Baumer Hof, Holunderstraße 11, veranstaltet, unter 0172/2476407. Pferdewirtin Antje Bauer-Jacobs bietet dort Reitunterricht speziell für Erwachsene an. Kontakt unter 0151/41 277 054.

Psychiatrische Tagesstätte der Caritas an der Althofstraße: 308 53 50 oder tagesstätte@caritas-muelheim.de

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