Ministerbesuch

Pinkwart am Flughafen Essen-Mülheim: „Luftfahrt bietet Jobs“

Repräsentanten der am Flughafen Essen-Mülheim ansässigen Unternehmen trafen sich gestern mit NRW-Wirtschafts- und Innovationsminister Andreas Pinkwart (4.v.l.) zu einem Informationsaustausch. Pinkwart erwartet von den Städten bald ein tragfähiges Konzept, um den Flughafen zu stärken.

Repräsentanten der am Flughafen Essen-Mülheim ansässigen Unternehmen trafen sich gestern mit NRW-Wirtschafts- und Innovationsminister Andreas Pinkwart (4.v.l.) zu einem Informationsaustausch. Pinkwart erwartet von den Städten bald ein tragfähiges Konzept, um den Flughafen zu stärken.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Mülheim/Essen.  NRW-Innovationsminister Pinkwart sieht Chancen für den Flughafen Essen-Mülheim. Die Voraussetzung: Ein tragfähiges Zukunftskonzept der Städte.

„Die Luftfahrt bietet mit Drohnen und Lufttaxis gute Zukunftsperspektiven. Einen Teil dieser qualifizierten Arbeitsplätze sollte im Ruhrgebiet zu Hause sein. Dafür sollten Mülheim und Essen ihre Ausstiegsbeschlüsse überdenken und ein innovatives Konzept entwickeln. Wir vom Land geben dafür unsere Unterstützung“, versicherte Andreas Pinkwart, NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, am Dienstag bei einem Besuch des Flughafens Essen-Mülheim.

Er mahnte die Kommunen an, dass innerhalb der nächsten 18 Monate ein klare Strategie dazu zu erarbeiten sei, was auf dem Gelände nach 2034 passieren soll. Die dort ansässigen Firmen warten seit langem auf Planungssicherheit, würden bei sicheren Pachtverträgen sofort auf dem Flughafengelände in neue Arbeitsplätze investieren.

Zukunftspläne und Sorgen mit der örtlichen Politik

Die Flugschulen TFC und FFL, der Aero-Club sowie die WDL-Gruppe hatten Andreas Pinkwart eingeladen, um ihn über Arbeitsplätze, ihre Einsatzbereiche, Zukunftspläne und Sorgen mit der örtlichen Politik zu informieren.

„In den nächsten Jahren werden wir mit Lufttaxen und innovativen Fluggeräten auf Kurzstrecken wachsen. Dafür brauchen die Fluggesellschaften Pilotennachwuchs. Rund 40 Prozent aller in Deutschland ausgebildeten Piloten lernen bei uns in Mülheim und Essen“, berichteten Ulrich Langenecker (FFL) und Christian Käufer (TFC). Mit technischen Universitäten arbeiten die Flugschulen ebenfalls zusammen.

„In diesem Wachstumsmarkt fühlen wir uns gelähmt“

„In diesem Wachstumsmarkt der Flugbranche fühlen wir uns gelähmt. Wir könnten erweitern, dürfen es aber nicht“, erklärten die Flugschulen-Chefs. In Bayern und Württemberg sei das anders. „Können Sie auf andere Regionalflughäfen ausweichen?, fragte Pinkwart. „Dinslaken ist keine Alternative. Der Standort liegt zu weit von den Firmen des Ruhrgebietes entfernt“, antwortete Ulrich Langenecker.

In Weimar beispielsweise seien Landes- und Kommunalpolitiker fortschrittlicher. „Daher bekommen wir Angebote, fünf Jahre ohne Startgebühren zu arbeiten. Aber wir würden bei einer Umsiedlung 80 Prozent unseres hochqualifizierten Personals verlieren. Darum gibt es keinen besseren Standort als den Flughafen Essen-Mülheim“, betonte Christian Käufer. In beiden Städten hätten Hotels rund 13.000 Übernachtungen pro Jahr – „von unsere angehenden Piloten“.

„Viele Schüler wollen fliegen und bleiben im Fluggewerbe“

Pinkwart fand ebenfalls Gefallen an der Nachwuchsarbeit des Aero-Clubs, die Andreas Scheik und Stefan Klett vorstellten. Von knapp 300 Mitgliedern seien 63 in der Jugendgruppe. Die Zusammenarbeit mit dem Gymnasium in Mülheim-Heißen gebe den Segelfliegern weiteren Auftrieb. Bereits mit 14 Jahren beginne die Ausbildung. „Viele Schüler wollen fliegen und bleiben mit ihrer Ausbildung und danach im Fluggewerbe.“

„Dieses Potenzial müssen wir fördern“, bekräftigte der Minister. Das Ruhrgebiet dürfe nicht von den Zukunftstechnologien abgehängt werden. Das Schlechtreden sei kontraproduktiv. Mehr Zusammenarbeit der Städte brächte sichere Arbeitsplätze. In London sei der City-Airport in den Docklands so attraktiv, weil von dort die Wege kurz seien zu den Firmen, sagte Andreas Pinkwart. „Nebenan wohnen auch Leute. Warum soll das hier nicht gehen?“ Der Flughafen Köln-Bonn baue einen Flugtaxi-Knoten, der von Essen-Mülheim schnell erreichbar sei, waren sich die Teilnehmer einig.

Mit verlängertem Pachtvertrag würde die WDL-Gruppe sofort neu bauen

Dass neue Arbeitsplätze gut am Flughafen anzusiedeln seien, stellte Frank Peylo, Geschäftsführer der WDL-Gruppe vor. „Wir verhandeln gerade mit der Stadt über eine Verlängerung unseres Pachtvertrages.“ Dieser laufe in 2024 aus.

„Bekämen wir mit einem neuen, langfristigen Vertrag Planungssicherheit, könnten wir sofort ohne Zuschüsse ein neues Gebäude hier bauen. Dort würde eine große Werbeagentur mit 80 Arbeitsplätzen einziehen und die Zahl ihrer Jobs erhöhen. Alle Dax-Unternehmen des Ruhrgebietes lassen ihre Werbung in Hamburg gestalten. Das können wir besser im Ruhrgebiet“, warb Peylo um Unterstützung.

Beide FDP-Ratsfraktionen stehen zum Flughafen

IHK-Vertreter Jan Borkenstein sagte, der Regionalverband Ruhr habe das Flughafenareal im neuen Flächennutzungsplan als „Allgemeines Siedlungsgebiet“ ausgewiesen. Darum sollten die Räte in Essen und Mülheim sich bald für (Flug-)Gewerbe positionieren.

Hans-Peter Schöneweiß, Sprecher der Essener FDP-Ratsfraktion, will den Flughafen erhalten. Ralf Witzel, für die FDP im Landtag, möchte dagegen Wohnen und Gewerbe auf der Stadtgrenze ansiedeln. Peter Beitz, Sprecher der Mülheimer Ratsfraktion, hofft auf die nächsten Kommunalwahlen. „Wir werden neue Mehrheiten haben und den Flughafen in eine gesicherte Zukunft mit wirtschaftlichem Erfolg bringen.“

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