Bildung

Roboter sollen Grundschülerinnen für Technik begeistern

Angelina, Anastazja und Paula (von links) versuchen beim Robotik-Workshop an der Martin-von-Tours Grundschule, die kleinen Roboter vor ihnen ans Laufen zu bekommen.

Angelina, Anastazja und Paula (von links) versuchen beim Robotik-Workshop an der Martin-von-Tours Grundschule, die kleinen Roboter vor ihnen ans Laufen zu bekommen.

Foto: Zoltan Leskovar

Mülheim.   Der Robotik-Schnupperkurs an der Martin-von-Tours-Schule soll Schülerinnen für Technik begeistern. Schüler der Gesamtschule Saarn helfen dabei.

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Jule sitzt im Schneidersitz vor dem Spielfeld, hat das Netbook auf dem Schoß und tippt konzentriert Werte in eine Maske, mit denen das Fahrzeug wie von Geisterhand gesteuert fahren soll. Kompliziert ist es nicht, der Wagen muss nur einem quadratischen Parcours folgen, ohne die schwarzen Begrenzungslinien zu überfahren. Aber Jule und ihre Teamkolleginnen Lara und Aileen sind erst in der vierten Klasse der Martin-von-Tours-Grundschule. Und so einfach, wie man sich das vorstellt, ist die Programmierung auch wieder nicht.

Jule folgt dem Prinzip Versuch und Scheitern. Es sieht schon sehr gut aus. Die ersten drei Kurven nimmt der Wagen, der aus Lego-Mindstorm-Teilen zusammengebaut ist, makellos, aber er kommt nicht exakt in der Ausgangsposition zum Stehen. Jule korrigiert. „Die drei sind besser als die Jungs aus ihrer Klasse in der vergangenen Woche“, lobt Cameron, einer der Schüler aus dem Robotik-Projektkurs, den Lehrer Mark Bienk an der Oberstufe der Gesamtschule Saarn eingerichtet hat. Sie sind so die Tutoren der Grundschüler und zeigen sehr großes Engagement.

Von Misserfolgen nicht beirren lassen

Der Wagen startet, die drei Mädchen drücken die Daumen, „bitte, bitte“, beschwören sie den Roboter, der aber schon in der zweiten Kurve scheitert, obwohl Jule die Werte gar nicht verändert hat. Von diesem Misserfolg lassen die drei Mädchen sich aber nicht beirren und setzen ihre Versuchsreihe unbeirrt fort.

Auch am Nachbarspielfeld dreht ein Roboter plötzlich Pirouetten. Die konzentrierte Begeisterung gilt für alle vier Teams, die gebildet worden sind. Nach gelangweilten Schülerinnen hält man vergeblich Ausschau. Dabei zählt ein solcher Roboter nicht gerade zu den Dingen, mit denen sich die Mädchen in ihrer Freizeit beschäftigen, wie sie im Gespräch auch zugeben.

Später für einen technischen Studiengang entscheiden

Der Schnupper-Workshop soll Mädchen helfen, ihre Lust auf Technik zu wecken und sich vielleicht später für einen technischen Studiengang zu entscheiden. Deshalb hat die Grundschule den Kurs getrennt nach Geschlechtern angeboten. Beide Kurse sind das Zugangstor für eine AG, die in dieser Woche an der Grundschule in Kooperation mit der Caritas als OGS-Angebot anläuft. „In einem gemischten Schnupperkurs wären die Jungs viel zu dominant, was bei den Mädchen nur zu Frust führen würde. In getrennten Workshops können sie sich viel besser entfalten“, erklärt Lehrer Mark Bienk und weist darauf hin, dass die Mädchen bei der Vergabe der Plätze bevorzugt werden sollen, um eine ausgewogene Verteilung sicherzustellen. Am Ende konnten sich sieben der 21 Teilnehmerinnen vorstellen, bei der AG mitzumachen.

Von dem Projekt sollen neben den Grundschülern auch seine Oberstufenschüler profitieren. Als Pilotprojekt sind die 16 Oberstufenschüler bei dem Duisburger Unternehmen ITQ, das sich auf die Erarbeitung von Prozesssteuerungen spezialisiert hat, als Lego-Mindstorm-Coaches ausgebildet worden und haben einige didaktische Grundlagen gelernt. Zwei von ihnen, Pascal und Niklas, werden im Auftrag der Caritas eigenverantwortlich und selbstständig die AG leiten und bekommen zehn Euro Honorar die Stunde. Vier Laptops, Fahrzeuge und Spielfelder stehen zur Verfügung.

Spannend, wenn ältere Schüler den Stoff vermitteln

Die beiden hatten bislang sehr viel Spaß und freuen sich auf die Herausforderung. Sie sehen es als Chance, denn wer Wissen vermittelt, wird mit der Materie vertrauter als jemand, der es nur für eine Klausur lernt. Einer der beiden will zudem Ingenieur werden. Auch für die Grundschüler ist es spannend, wenn ältere Schüler den Stoff vermitteln, der Alltag unterbrochen wird. Das kennen Pascal und Niklas aus eigener Erfahrung.

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