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Rockstar Andy Brings dreht mit Liz Baffoe im Woolworth-Haus

Die Kamera läuft: An der kahlen Wand hängen, aufwändig gerahmt mit Stationen ihrer seit Jahre währenden Freundschaft.

Foto: Tamara Ramos

Die Kamera läuft: An der kahlen Wand hängen, aufwändig gerahmt mit Stationen ihrer seit Jahre währenden Freundschaft.

Mülheim.   Die beiden Freunde treffen sich für die Rockumentation „Full Circle“, die im September Premiere hat, auf der Woolworth-Baustelle.

Die Wärme der beiden Heizstrahler verpufft in dem rund 400 Quadratmeter großen Raum bei Außentemperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Liz Baffoe kennt das. Die Schauspielerin steht auf der geschwungenen Treppe, trägt High-Heels und ein mondänes Abendkleid und schreitet immer wieder stilvoll die Treppe hinab. Mal ist Kameramann Jan Weimer nur auf die großen Schatten erpicht, die das gleißende Licht an die vom Putz befreite Backsteinwand werfen. Wenn die Kamera auf der Baustelle stillsteht, wirft sie sich schnell eine wärmende Jacke über die Schultern.

Die 48-Jährige ist eine gute Freundin des Rockgitarristen Andy Brings, der gemeinsam mit Alexander Waldhelm („Pottkinder“) gerade den Film „Full Circle“ realisiert. Der 46-Jährige nennt es einen „Rockumentationsfilm über mich und Menschen wie mich“. Also Menschen, die trotz aller Widrigkeiten ihren Traum zu leben versuchen. Musik wird demnach nicht zu kurz kommen.

Es ist eine besondere Location

Das kleine Filmteam arbeitet hier schon seit einigen Stunden, da kriecht die Kälte unwillkürlich hoch und beim zweiten Dreh einer Szene unterbricht Liz Baffoe Andy Brings Text mit einem schallenden Nieser. Das ist natürlich sehr lustig. Es ist eine besondere Location: Das ehemalige Woolworth-Gebäude, das nun völlig entkernt ist und einer neuen Blütezeit entgegentritt. Waldhelm ist froh, dass der Eigentümer, Christian Schweckhorst, die kleine Filmcrew so kurzfristig und unkompliziert auf die Baustelle gelassen hat.

„Ich habe den größtmöglichen Gegensatz gewählt: Die schönste Frau der Welt und eine solche Abrissbaustelle“, erzählt Rockmusiker Brings. Der Ort weckt in ihm aber auch nostalgische Erinnerungen. „Hier haben wir früher Leerkassetten geklaut, weil wir kein Geld hatten und haben uns dann gegenseitig Heavy-Metall-Alben aufgenommen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. „Ach deshalb ist es hier so kahl“, kontert die Tochter eines ghanaischen Diplomaten. Sie kennen sich seit 2005. Als Fan der Lindenstraße, in der sie zwölf Jahre lang in über 600 Folgen Mary Sarikakis spielte, hat er sie auf der VIP-Tribüne bei Rock am Ring gleich erkannt. Die ist bestimmt total nett, habe er sich gedacht, hatte keine Scheu, sie anzusprechen und hat sich auch nicht getäuscht. Seitdem sind sie Freunde, haben Höhen und Tiefen erlebt. „Bei ihr scheint eine rote Lampe anzugehen, wenn es mir schlecht geht. Dann ging schon oft das Telefon und Liz war dran“, freut sich Andy Brings. Sie hat auch schon in zwei Videos mitgewirkt, die ebenfalls Jan Weiner realisierte.

„Ich schätze seine große Leidenschaft“

An der Wand hängen gerahmte Fotos von gemeinsamen Begegnungen, bei Nelson Müller oder auf Galas. Eigentlich wollen sie sich vor der Kamera zur Begrüßung die Hände abklatschen oder als ironischen Kommentar zur Szene formvollendet mit Knicks und Handkuss begegnen, was beides nicht so recht funktioniert. Aber herzlich ist es allemal. „Ich schätze seine große Leidenschaft. Er gibt alles für seinen Traum. Er liebt die Menschen, hat ein offenes Herz und das Talent, alle für sich einzunehmen“, lobt sie. Er sei konservativer, als man denke.

Eine andere Freundin ist Doro Pesch, „hardest working Person in Rock’n’Roll“, mit der er demnächst auch drehen wird. Die Alte Dreherei und der Flughafen sind weitere Mülheimer Drehorte, für den Film, der am 12. September in der Essener Lichtburg Premiere feiert.

Zwischen Einsamkeit und Glamour

Oben treffen sich Brings und Baffoe am 50er-Jahre-Nierentisch, an den sie auf Barockstühlchen zum Plausch über alte Tage rücken. Wie ist das zwischen Einsamkeit im Hotel und Glamour auf dem roten Teppich, warum spielt Charity in ihrem Leben eine so große Rolle und wie war das, als sie bei einer Audienz beim Papst war? Franziskus beeindruckt sie, ihm die Hände zu reichen, war ihr allerdings nicht vergönnt, wie sie erzählt. Auch Brings spricht immer von Religion, doch er hat wohl andere Götter.

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