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Sammelfieber hat Panini- und Bergbaufans infiziert

Tauschbörse im Ruhrgebietsladen mit Michaela Huth, Bettina Heuser, Raphael (7) und Marcus Stümpe.

Foto: Michael Dahlke

Tauschbörse im Ruhrgebietsladen mit Michaela Huth, Bettina Heuser, Raphael (7) und Marcus Stümpe.

Mülheim.   Im Ruhrgebietsladen werden Panini-Bilder „Schwarzes Geld“ rege getauscht. Alle Generationen mischen mit – und mancher bekommt nicht genug davon.

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Auf Holzbänken sitzen sie sich am weiß gedeckten Tisch gegenüber. Die darauf platzierten Snacks interessieren im Augenblick nicht. Wichtig sind die Zettel, die fast jeder vor sich liegen hat. Die meisten per Hand beschrieben, manche als Computerausdruck. „129?“ fragt Evelyn Schindler. „Nein“, kommt als Antwort. „130?“ - „Auch nicht.“ „152?“ - „Ja, habe ich.“ Schon wechselt ein Bildchen seinen Eigentümer, und nun ist klar, dass es sich bei den Zahlen nicht um den Vergleich von Messwerten handelt.

Evelyn Schindler ist eine der vielen vom Sammelfieber infizierten Ruhrpottler, die ihren Weg am Samstag nach Heißen gefunden haben. Der dort ansässige Ruhrgebietsladen veranstaltete seine dritte Tauschbörse für die Besitzer des von der WAZ und dem Klartext-Verlag herausgegebenen Panini-Albums „Schwarzes Gold“.

Schon in ihrer Kindheit fürs Sammeln begeistert

Und passender konnte das Ambiente für den Sammlertreff kaum sein: Umgeben von Ruhrgebiets-Devotionalien, die die Familie von der Höh in ihrem Geschäft am Beekmanns Hof zum Kauf anbietet, wurden eifrig die Sticker getauscht, auf denen die Geschichte des Revierbergbaus illustriert ist.

Die auf der Heimaterde wohnende Evelyn Schindler hat sich schon in ihrer Kindheit fürs Sammeln begeistert. „Früher gab es auf Trinkflaschen Punkte zu horten, ab einer bestimmten Menge bekam man dafür zum Beispiel ein Bild.“ Heute im reiferen Alter sorge vor allem die WAZ dafür, dass die alte Leidenschaft am Leben erhalten bleibt: „Ich bin tägliche Leserin und am Anfang gab es das Heft ja gratis.“ So habe sie auch für das zuvor erschienene Panini-Heftchen „Revier sammelt Revier“ fleißig Bildchen geklebt.

Brauche nur noch fünf Bilder

Für Bettina Heuser aus Essen ist der Besuch einer Tauschbörse Neuland. „Ich bin eigentlich keine Sammlerin, aber ich bin ein Kind des Ruhrgebiets und mich hat die Thematik des Bergbaus interessiert.“ Mittlerweile sei sie vom Sammlerwahn erfasst und brauche nur noch fünf Bilder, um ihr Album komplett zu haben. Der sieben Jahre alte Raphael hat seinen Band mit allen 240 Stickern bereits vollgeklebt. Doch obwohl er der Jüngste ist, hat er die größten Ambitionen: „Ich habe noch zwei Bände.“ Und die sollen auch vollständig werden.

Lieblingsbild von der Emscher

Mit der Schließung der Zeche Prosper-Haniel wird der Bergbau im Revier Ende des Jahres wohl unwiderruflich sein Ende gefunden haben. Der kleine Blondschopf Raphael wird, wenn er groß ist und zumindest eines seiner drei Bändchen sorgfältig aufbewahrt hat, sich dann vergegenwärtigen können, wie es früher mal in seiner Heimat ausgesehen hat.

Sein Lieblingsbild ist bereits jetzt ein Beispiel für den Wandel des Ruhrpotts: Es ist ein Foto der renaturierten Emscher.

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