Stadtquartier Schloßstraße

Schloßquartier auf der Zielgeraden

Baustellenrundgang durch das Stadtquartier. Dienstag 13.03.18 in Mülheim Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services !!!no release!!!

Foto: Michael Dahlke

Baustellenrundgang durch das Stadtquartier. Dienstag 13.03.18 in Mülheim Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services !!!no release!!! Foto: Michael Dahlke

Der Rohbau des 80-Mio.-Projektes steht im Mai und die Vermarktung geht in die heiße Phase. Um sich das SQS vorzustellen, ist Fantasie gefragt

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Nicht der Frost, das Ruhrhochwasser bildete für das Bauprojekt Stadtquartier Schloßstraße (SQS) am ehemaligen Kaufhof die kritischste Phase. „Wir haben in Russland schon auf Baustellen bei Minus 35 Grad Beton gegossen. Das ist heute alles kein Problem mehr“, erzählt AIP-Gesellschafter Gerd Rainer Scholze. In der Weihnachtszeit sei der 70-Jährige aber jeden Tag nach Mülheim gefahren, um die Hochwasserentwicklung in der Nähe des 80-Millionen-Projektes zu beobachten. Es wird also schon knapp gewesen sein.

Eigentlich drückt längst ausreichend Last auf die Bodenplatte, um ein Auftreiben zu verhindern, aber im Bereich des künftigen Parkhauses an der Ecke Ruhr- und Leineweberstraße war das aber noch nicht der Fall, so dass es zu einer mehrtägigen Zitterpartie wurde. Was bei drückendem Grundwasser droht, machte vor 1993 bundesweit Schlagzeilen, als in Bonn ein neues Abgeordnetenhaus gebaut werden sollte. Der Schürmannbau musste mit vielen Millionen saniert werden.

Beim neuen Stadtquartier, das eines seiner anspruchsvollsten Projekt sei, läuft bei der Umsetzung alles im grünen Bereich. Mitte des Jahres wird die „wetterdichte Hülle“ stehen, dann geht die Gesellschaft bei der Vermarktung in die Offensive, um die letzten knapp 20 Prozent zu füllen. Viele Händler wollen sehen, wie das Gebäude aussieht. Bezug ist dann ab Ende des Jahres. Fest steht, einen Biomarkt, wie zunächst angekündigt, wird es nicht geben. Für eine 650 Quadratmeter große Fläche in prominenter Lage an der Ecke zur Schloßstraße wünscht sich Scholze etwas Hochwertigeres, was der Lage auch entspricht. Gesucht wird auch noch ein Betreiber der 240 Quadratmeter großen Sky-Bar neben dem Studio von Fitx, das sich als gläserner Würfel über zwei Etagen auf 2500 Quadratmeter erstreckt. Ein Hingucker, der zeigen soll, es tut sich was in Mülheim, sagt Scholze. Aber neue Namen fallen nicht und Verhandlungen, sind, wen wundert’s, gerade sehr vielversprechend. Das sagt auch der benachbarte MWB.

Startschwierigkeiten hatte das Projekt schon. Wie Scholze vor einiger Zeit gegenüber der Wirtschaftswoche ausführte, schien es bei der planerischen Komplexität und der guten Auftragslage der Baubranche zunächst fast unmöglich, einen Generalunternehmer zu finden. Daraufhin habe AIP die Planung noch einmal im Hinblick auf die Abläufe für die Ausführenden optimiert und konnte Baresel gewinnen, die preislich zwar ein Stück über dem Budget lägen, aber im Rahmen blieben.

An der Ruhrstraße standen die Betonmischer gestern wieder Schlange, um Rohmaterial für das Parkhaus anzuliefern, das mit der Tiefgarage Platz für 200 Fahrzeuge bieten soll. 120 Arbeiter aus unterschiedlichen Nationen arbeiten sechs Tage die Woche auf der Baustelle in den unterschiedlichesten Bereichen. Früher war das so, dass alle Gewerke aufeinander folgten. Zuerst kam der Rohbau, dann das Dach, die Fenster und dann die technischen Installationen. Heute läuft alles parallel. Rohre und Leitungen werden durch die Versorgungsschächte gezogen, während an anderer Stelle noch der Stahl für den Beton geflochten wird. Auch die ausgestellten Fenster für die 87 Plätze des von Alloheim betriebenen Pflegeheims (plus 33 Mal Betreutes Wohnen) sind schon eingesetzt. Sie sind nicht nur gestaltendes Element, sondern sollen den Bewohnern auch einen Blick vom Bett auf den Fluss ermöglichen. Im Erdgeschoss türmen sich an mehreren Stellen mächtige Holzstämme. 300 sind es insgesamt, die als Stützen gebraucht wurden. Ein Abnehmer ist inzwischen gefunden, was allerdings gar nicht so leicht wie gedacht war.

Schon jetzt sitzen die Investoren mit den Bauleitern und den Mietern zusammen, um die Details abzuklären. Im Baubüro, das sich im Rieken-Hochhaus befindet, wurde für das Hotel, das mit 140 Zimmern das größte in der Stadt sein wird, ein Musterbadezimmer eingerichtet. So kann man mit allen Beteiligten viel besser Dinge absprechen, ohne das Missverständnisse entstehen. „Ansonsten wiederholen sie einen Fehler gleich 140 Mal“, sagt Bauleiter Hardo Mischak. Im Mai werde dann auch ein Musterzimmer eingerichtet.

Auch die neue Zentrale des Mülheimer Wohnungsbaus im Nachbarhaus, in die Mitte 2019 100 Mitarbeiter einziehen, hat Kontur angenommen. Neun Meter hoch ist das Entree, in das rechts und links Galeriegeschosse eingezogen wurden, von denen die Büros abzweigen. Großzügig ist auch der Durchgang zwischen beiden Baukörpern. Er wird acht Meter breit und damit breiter als der Löhberg. Jetzt brauch man noch Fantasie, um es sich vorstellen zu können.

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