Kabarett

Von Hirschhausen findet Wiedergeburt ,cool’

Dr. Eckart von Hirschhausen

Foto: Dr. Eckart von Hirschhausen

Dr. Eckart von Hirschhausen

Mülheim.   TV-Mediziner Eckart von Hirschhausen sinnierte in der rappelvollen Mülheimer Stadthalle über die Endlichkeit. Show mit Höhen und einigen Tiefen

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Da ist er, dieser eine magische Moment in einer bisweilen trivialen, oft sentimentalen Kabarett-Show über die Endlichkeit: Eckart von Hirschhausen lässt Mülheimer am Mikrofon über ihre Lebensziele sprechen. „Ich möchte ein Gemeinschaftshaus bauen ohne Schlüssel“, bekennt eine Frau aus dem ehemaligen Kriegsgebiet Jugoslawien mit vor Rührung belegter Stimme. In diesem sollen Menschen Zuflucht finden, wie sie es mit Zwölf in Deutschland erfahren hat.

Lebensziele zu setzen, sind für den TV-Mediziner und Comedian mit dem glatten Guter-Schwiegersohn-Image ein Rezept gegen die Angst vor dem „Scheinriesen Tod“. Das zugegeben dicke Brett „Endlichkeit“ bohrt seine Show in der rappelvollen Stadthalle mit einer Mischung aus Humor, Musik und Zauberkunststücken jedoch selten.

Hirschhausens fünf Tipps für ein langes Leben

Sie strudelt bisweilen zwischen medizinischer Oberflächlichkeit, Statistik und kitschiger Sentimentalität wie das Schaukelpferd und die Standuhr mit Skelett auf der Bühne. Hirschhausens fünf Tipps für ein langes Leben? Erstens nicht rauchen, zweitens bewegen, drittens Gemüse – „Obst wird überbewertet“, viertens erwachsen werden, fünftens Kind bleiben – „und Regeln eins bis vier vergessen“. Was aber ist mit Liebe, Humanismus, Glauben?

An der schwierigen Sinnfrage des Lebens kratzt der Fernsehmediziner nur am Rande, wenn er etwa ,coole Alte’ vorstellt, die im hohen Alter noch Gutes oder Verrücktes tun. Oder wenn Hirschhausen mit Engelsflügeln die Service-Line in den Himmel anruft und daran ganz wie im irdischen Leben verzweifelt, wenn die freundliche Telefonstimme auffordert: „Bitte halten Sie Ihren Glauben bereit.“ Da hält es Von Hirschhausen lieber mit dem säkularen Dasein: „Wiedergeburt wäre cool“ – und stimmt dann mit dem Westerland-Hit der Ärzte an: „Ich will zurück ins Diesseits-Land.“

Show will über weite Strecken zu viel

Doch über weite Strecken scheint die Show zu viel zu wollen: ein großes Thema anfassen, informieren, dabei lustig sein und Entertainment bieten. Die Gesangseinlagen sind dabei leider die schwächsten Momente, weil das Klavier mit Christoph Reuter zwar grandios besetzt ist, aber an der Stimme des Comedians scheitern. Claptons „Tears in heaven“ ist kaum wiederzuerkennen, „Thank you for the music“ von Abba wird zur Grölhymne und Jazz-Nummern sind stoisch auf der Eins geklatscht. „Weniger ist manchmal mehr“, rät der TV-Mediziner zum Entschlacken des eigenen Lebens – der Rat hätte auch der Show gut getan.

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