Volkstrauertag

Schreibfehler: SPD Mülheim gedenkt der „Verschissmuss“-Opfer

Böser Fehler: Die Mülheimer SPD gedenkt zum Volkstrauertag der „Opfer von Krieg und Verschissmus“.

Böser Fehler: Die Mülheimer SPD gedenkt zum Volkstrauertag der „Opfer von Krieg und Verschissmus“.

Foto: Pirkko Gohlke

Mülheim/Essen.  Kranz-Posse zum Volkstrauertag: Bei einer Gedenkveranstaltung hatte die Mülheimer SPD einen Kranz mit falscher Beschriftung niederlegen lassen.

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Das war kein schlechter Scherz, sondern eher ein böser Fehler: Mit einer falschen Beschriftung sorgt ein Trauerkranz des SPD-Unterbezirkes und der SPD-Ratsfraktion der Stadt Mülheim derzeit für eine Menge Aufregung. Bei einer Gedenkveranstaltung am Samstag am Mahnmal Schildberg hatten die Politiker einen Kranz niederlegen lassen, dessen Schleife mit folgenden Worten beschriftet war: „Den Opfern von Krieg und Verschissmuss“ – statt wie in Auftrag gegeben „Den Opfern von Krieg und Faschismus“.

„Das ist einfach nur völlig unglaublich“

„Da ist ein Riesen-Fehler in der Druckerei passiert. Es ist ganz offensichtlich nicht kontrolliert worden“, sagt der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Rat der Stadt, Dieter Spliethoff, am Sonntag auf Nachfrage der Redaktion. „Das ist einfach nur völlig unglaublich“, nahm Spliethoff hörbar aufgeregt zu dem Vorfall Stellung.

Auf ihrer Facebook-Seite schreibt die SPD: „Die SPD Mülheim an der Ruhr distanziert sich auf das Schärfste von der Geschmacklosigkeit der Beschriftung des Kranzes zum Volkstrauertag am 16.11.2019 in Mülheim-Dümpten.“ Man wolle dem Ursprung auf den Grund gehen und den Fall sehr genau prüfen, heißt es weiter. Der Post der Genossen schließt reumütig: „Wir entschuldigen uns ungeachtet der möglichen Ursachen in aller Form.“

Mülheimer Gärtnerei arbeitet erst seit kurzem mit Essener Druckerei zusammen

Im Laufe Sonntagnachmittages erschien ein weiterer Post. Darin schreibt die SPD: „Nach eigener Recherche und Rücksprache mit der Mülheimer Gärtnerei, die den Kranz kurz vor der Gedenkveranstaltung geliefert hat, bleibt ein bedrückendes Gefühl, welches wir mit rechtlichen Mitteln aufklären werden.“ Die Mülheimer Gärtnerei arbeite, so die SPD, seit fast einem Jahr mit einer Essener Schleifendruckerei zusammen. Erstmalig habe sie in diesem Jahr den Kranz für die Mülheimer Genossen geliefert.

Gegenüber der Gärtnerei-Mitarbeiterin habe die Essener Firma erklärt, „man habe aus dem „F“ ein „V“ herausgelesen und „sich nichts weiter gedacht“, heißt es in dem Post. „Dies erklärt jedoch für uns nicht die falsche doppelte Verwendung von „SS“ im Neologismus „Verschissmuss“. Eine Fehlereinsicht und plausible Erklärung können wir leider nicht wahrnehmen. Der Glaube an die bloße Naivität einer professionellen Druckerei reicht uns nicht“, betont die SPD.

SPD: „Wir bedauern diesen Vorfall zutiefst“

Mit einer gemeinsamen Presseerklärung unter der Überschrift „Gedenken ist wichtiger als falsche Beschriftung“ nahmen Rodion Bakum, Vorsitzender der Mülheimer SPD, und Dieter Spliethoff am Sonntagnachmittag auch noch einmal Stellung: „Wir bedauern diesen Vorfall zutiefst. Der Volkstrauertag hat in Bezug auf die deutsche und die sozialdemokratischen Geschichte für uns einen hohen Stellenwert, was den Vorgang noch schmerzlicher macht.“

Seit Jahrzehnten sei es Tradition, anlässlich der Gedenkveranstaltung in Dümpten einen gemeinsam von Partei und Fraktion gestifteten Gedenkkranz am Mahnmal Schildberg niederzulegen. Die organisatorischen Vorbereitungen seien dabei geübte Praxis und „wurden auch in diesem Jahr wieder identisch gehandhabt“.

Mögliche Ursache: Fehler in der Übermittlung zwischen Gärtnerei und Druckerei

Stichwort Ursache: Dieter Spliethoff denkt beispielsweise an einen Fehler in der Übermittlung zwischen der Gärtnerei und der Firma, die die Schleifen bedruckt. Die Anfertigung des Kranzes sei in Auftrag gegeben worden wie immer, betont Spliethoff. Endgültig klären lasse sich das aber erst am Montag beziehungsweise in den nächsten Tagen, so Spliethoff und Bakum.

Die Schleife des Kranzes wurde, nachdem der Fehler aufgefallen war, noch vor Ort und kurzerhand abgeschnitten. Nach der Veranstaltung dann habe man den Kranz ganz abgenommen, so Dieter Spliethoff. Bezahlen wolle man ihn übrigens auch nicht.

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