Lärmbelästigung

Schrottverarbeitung fegt Mülheimer Super-Spielplatz leer

Auf dem von der "Stiftung Grüne Stadt" ausgezeichneten Spielplatz herrscht Leere.

Auf dem von der "Stiftung Grüne Stadt" ausgezeichneten Spielplatz herrscht Leere.

Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.  Erst 2010 wurde der "Dschungelspielplatz" an der Hofackerstraße in Mülheim als einer der besten Spielplätze des Landes ausgezeichnet. Dennoch findet man hier nur wenige spielende Kinder. Gründe dafür sind der Lärm der nahegelegenen Schrottverarbeitung Jost und eine erhöhte Nickel-Belastung.

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Ein sonniger Ferientag direkt nach der Mittagszeit. Auf dem im Grünen gelegenen „Dschungelspielplatz“ an der Hofackerstraße müsste die Hölle los sein, zumal dieser vor fast genau drei Jahren als einer der fünf besten Spielplätze des Landes ausgezeichnet wurde. Die „Stiftung Grüne Stadt“ würdigte 2010 die innovativen und abwechslungsreichen Spielgeräte. Die Kinder Speldorfs, so das Amt für Grünflächenmanagement seinerzeit, „gehören zu den Gewinnern“.

Dort angekommen, ist jedoch kein Kinderlachen zu hören. Niemand rennt umher. Niemand erfreut sich an den vielfältigen Spaßinstallationen. Gründe dafür muss man nicht lange suchen.

In kurzen Intervallen hört man das Scheppern gigantischer Metallstücke, das von der benachbarten Schrottverarbeitung Jost herrührt. Es kracht. Mehrmals pro Minute. Auch die Belastung durch von Schwermetallen durchzogenem Feinstaub ist enorm. Cadmium und Blei liegen immer wieder über den Vorsorgewerten, bei Nickel explodiert die Skala. Während ein Nickelgehalt von monatlich 15 Mikrogramm/m2 der Norm entspricht, so liegt er hier aktuell 97 Mal höher, bei 1460,6 Mikrogramm/m2.

"Auf dem Spielplatz ist eigentlich nie was los"

Auf der Hofackerstraße erzählt Rona Ingendahl, die hier aufwuchs, dass diese Situation nicht ungewöhnlich ist. „Auf dem Spielplatz ist eigentlich nie was los“, sagt sie. Ab und an kämen mal Leute von außerhalb, sobald diese aber das erste Mal mit dem lauten Krachen des Metalls konfrontiert würden, seien die auch schnell wieder auf und davon.

Ein paar Häuser weiter wohnt Evelyn Liedig mit ihrer Familie schon seit drei Generationen. Sie erinnert sich an ein unbeschwerteres Leben: „Als ich ein Kind war, war dort unten noch ein richtiges Paradies.“ Angefangen, sagt sie, hat das Problem, als den Anwohnern gesagt wurde, dass ein Schrottlager errichtet wird. Das böse Erwachen kam schnell, denn es handelte sich nicht um ein Lager, sondern um eine Schrottverarbeitungsanlage.

Risse in der Fassade

Seitdem kracht es den ganzen Tag über. Die Erschütterungen seien so penetrant, dass das Familienhaus bereits Risse in der Fassade habe. Deswegen habe man das Gebäude auch schon mit versiegelnder Farbe neu gestrichen. Wie lange das knallige Orange noch rissfrei bleibt, weiß die Rentnerin allerdings auch nicht.

Die Seniorin klagt über die Umweltbelastungen. „Jeder, der hier wohnt, weiß das“, versichert sie, es habe sich schnell rumgesprochen. Dennoch erlaube sie es ihren Enkeln hin und wieder, zum Spielplatz zu gehen.

Wie Gewinner können sich die Kinder aber nicht fühlen.

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