Bürgergesellschaft

Stammtisch Mausefalle pflegt seit 150 Jahren Mülheimer Platt

Helmut Hartmann (links) und Andreas Krajinski sind in der Bürgergesellschaft Mausefalle in Mülheim aktiv.

Helmut Hartmann (links) und Andreas Krajinski sind in der Bürgergesellschaft Mausefalle in Mülheim aktiv.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Vor 150 Jahren gründete sich die Bürgergesellschaft Mausefalle. Ihre Mitglieder wollen nicht nur klönen, sondern vielmehr Gutes für Mülheim tun.

Wenn ein Mülheimer das Wort „Mausefalle“ hört, denkt er nicht nur an die Vorrichtung zum Fangen kleiner Nager. Vielen wird zugleich das bekannte Restaurant in der Altstadt einfallen. Wenigeren wird es bekannt sein, dass es eine Bürgergesellschaft gleichen Namens gibt – und das schon seit 150 Jahren.

Mindestens muss man wohl sagen. Gewiss ist nur die erste schriftliche Erwähnung im Jahre 1870. „Es kann gut sein, dass das eigentliche Gründungsdatum noch weiter zurückliegt“, sagt Helmut Hartmann, der die Bürgergesellschaft leitet und sich „Baas“nennt. Was das heißt, dazu später mehr.

Entstanden aus einer zwanglosen Stammtischrunde

Entstanden ist die Gesellschaft aus einer zwanglosen Stammtischrunde, die sich regelmäßig in einer Gaststätte namens „Mausefalle“ traf. „Sie hat mit dem heute so genannten Restaurant nichts zu tun“, klärt Hartmann auf, „die alte Mausefalle befand sich dort, wo jetzt das Petrikirchenhaus steht, und wurde beim Bombenangriff 1943 zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. „Wichtiges Anliegen der Gesellschaft ist seit den ersten Tagen die Pflege des Brauchtums, im Besonderen die Erhaltung des Mölmsch Platt.

Anfänglich wurde bei den Zusammenkünften vorwiegend Platt gesprochen. Und bis in die 80er-Jahre war das Beherrschen der Mundart Pflicht für neu hinzukommende Mitglieder. „Mittlerweile nehmen wir das aber lockerer. Ich kann selber kein Mölmsch sprechen “, schmunzelt Hartmann. Was wieder auf seine Funktionsbezeichnung zurückführt. Deren Bedeutung kennt er natürlich: „Baas ist das mölmsche Wort für Vorsitzender.“

Mit dem Jobs würdigt die Mausefalle herausragende Mülheimer

Zum Mülheimer Kulturgut gehört ebenfalls das bei Kindern beliebte Chrubbel Chrabbel, das alljährlich auf dem Kirchenhügel zur Sankt Martins-Zeit von der Bürgergesellschaft veranstaltet wird. „Dieser Brauch wurde 1920 von unserem Mitglied Wilhelm Klever eingeführt“, berichtet Baas Helmut Hartmann.

Mit der Preisverleihung „Jobs, der Kandidat“ würdigt die Gesellschaft seit 1961 in unregelmäßiger Reihenfolge Mülheimer, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Zu den Ausgezeichneten zählen u.a. der ehemalige Oberbürgermeister Heinrich Thöne und der Theaterregisseur Roberto Ciulli. Zuletzt wurde der Preis 2019 an den Unternehmer Ulrich Turck vergeben.

Mitglieder wollen für die Stadt etwas Gutes tun

Doch auch selbst ist die Bürgergesellschaft immer wieder bereit, Projekte in der Stadt zu fördern und finanziell zu unterstützen. Beispielhaft ist die Wiedererrichtung des Jobsbrunnens an der Petrikirche oder die Teilnahme bei der Aktion „Schlossretter“ zur Erhaltung des Broicher Schlosses. „ Für die Stadt etwas Gutes zu tun , ist ein wichtiger Aspekt unseres Wirkens“, erklärt Andreas Krajinski, zweiter Baas der Gesellschaft.

Mit 57 Jahren ist er der Jüngste der derzeit 16 Mitglieder großen Vereinigung. Was eine Schwierigkeit aufzeigt: „Viele unserer Mitglieder sind über 80 Jahre alt“, erläutert Hartmann. „Nachwuchs zu finden, ist nicht einfach.“ Aber man hoffe, dass in Zukunft mehr interessierte Mitbürger zur Gesellschaft stoßen, damit auch die nächsten Jubiläen gebührend gefeiert werden können.

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