Arbeitslosigkeit

Styrum kämpft mit Projekt für Langzeitarbeitslose

Hilfe „Vor Ort“ für Langzeitarbeitslose bietet die Sozialagentur mit der Kurbel Mülheim und Styrumer Einrichtungen an (vl.n.r.): Dipl. Pädagogin Ceylan Demircan, Frank Janßen (Kurbel Mülheim), Birte Rondo-Mattos (Sozialagentur Styrum) und Teilnehmerin Mandy Finkler.

Foto: Michael Dahlke

Hilfe „Vor Ort“ für Langzeitarbeitslose bietet die Sozialagentur mit der Kurbel Mülheim und Styrumer Einrichtungen an (vl.n.r.): Dipl. Pädagogin Ceylan Demircan, Frank Janßen (Kurbel Mülheim), Birte Rondo-Mattos (Sozialagentur Styrum) und Teilnehmerin Mandy Finkler. Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Sozialagentur, Kurbel und Styrumer Einrichtungen geben im Projekt „Vor Ort“ 15 Langzeitarbeitslosen Mut und Hilfe zur Selbsthilfe. Erste Erfolge.

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Mit einem bewusst niederschwelligen Konzept aus Beratung und Kooperation mit Einrichtungen im Stadtteil will die Styrumer Sozialagentur Langzeitarbeitlosen den Weg in Brot und Lohn ebnen. Gemeinsam mit der Einrichtung „Die Kurbel“ in Mülheim betreuen sie 15 Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen – und den damit verbundenen Problemen – als ‘arbeitsfern’ gelten. Das Projekt „Vor Ort“ dauert vorerst bis zum Jahresende.

Der gute Zwischenstand lässt den Mülheimer Kurbel-Chef Frank Janßen hoffen, dass das Konzept wirksam ankommt und Schule machen wird: „Alle Teilnehmer haben das Projekt sehr gut angenommen. Es gibt auch schon eine Vermittlung.“ Das ist nicht selbstverständlich, weiß die Leiterin der Styrumer Sozialagentur Birte Rondo-Mattos, denn „es sind Menschen, die als ‘arbeitsmarktfern’ gelten, weil sie etwa an Depressionen, Angstzuständen oder schweren Rückenschmerzen leiden. Manche verlassen aufgrund ihrer Erkrankung ihre Wohnung nicht mehr.“

Übliche Eingliederungsmaßnahmen bewirken in solchen Fällen sogar oft das Gegenteil: „Wir wollen verhindern, dass eine Abwärtsspirale für die Betroffenen entsteht“, sagt die Styrumer Leiterin. So entwickelten sie das Konzept für eine Hilfe zur Selbsthilfe, an dessen Ende der Langzeitarbeitslose wieder aktiv eine Arbeit sucht und findet.

Vertrauen aufbauen

Einen erfahrenen Partner fand die Agentur in der Mülheimer Kurbel. „Wir haben die Fachkompetenz in diesen gesundheitlichen Fragen durch unsere Mitarbeiter aus den arbeitsmedizinischen und psychiatrischen Bereichen“, sagt Kurbel-Leiter Frank Janßen. Die Betreuung von derzeit 15 Langzeitarbeitslosen ist im Verhältnis eins zu fünf.

Unter den Beratern ist etwa Diplompädagogin Ceylan Demircan. Ein Mal in der Woche sowie nach Bedarf trifft sie sich mit Betroffenen „zum Gespräch. Es geht zunächst darum, Vertrauen aufzubauen, die eigenen Stärken zu erkennen“. Denn viele Erkrankte können ihre Kompetenzen nicht erkennen, „dabei verfügen sie zum Beispiel als Alleinerziehende über Organisationstalent oder sie haben ein besonderes Hobby“, erläutert die Diplompädagogin.

Öffnung aus der eigenen Igelhaltung

Der nächste Schritt baut auf den eigenen Stärken auf: So wird etwa ein heimlicher Hobby-Fotograf in eine Foto-Gruppe in seinem sozialen Umfeld eingebunden. Die Öffnung aus der eigenen Igelhaltung ist ein entscheidender Schritt, damit der Betroffene selbst aktiv wird. „Es gibt zum Glück in Styrum viele Einrichtungen, die einen starken sozialen Zusammenhalt bieten“, lobt Demircan. Feldmannstiftung, Schloß Styrum, Arbeitslosenzentrum und viele andere „arbeiten sehr gut zusammen“.

Diesen Ansatz der ‘Sozialraumorientierung’ sieht auch Agentur-Leiterin Birte Rondo-Mattos als großen Vorteil: „Unsere Fallmanager arbeiten schon lange nicht mehr nach Anfangsbuchstaben, sondern nach Straßen – damit baut sich auch ein persönliches Verhältnis zu den Kunden auf.“ Ein weiterer Vorteil des Sozialraum-Ansatzes sind die Kosten, macht Kurbel-Leiter Janßen deutlich. Die vorhandenen Ressourcen werden genutzt, statt teuere Fachkräfte ‘importieren’ zu müssen. Konkrete Zahlen nennt er nicht, „eines ist aber klar: Die verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit kostet die Gesellschaft mehr“, sieht Janßen das Projekt als Vorbild für andere Stadtteile.

Schon kleine Schritte können aus dem Tief führen

Dass schon vermeintlich kleine Schritte aus dem Tief führen können, zeigt Mandy Finkler. Die 32-jährige alleinerziehende Mutter hatte nach einem Schicksalsschlag viele Jahre mit einer schweren Depression zu kämpfen: „Es gab so viele Baustellen. Ich habe mich um andere gekümmert, aber nicht um mich selbst“, sagt sie heute offen. Das Projekt der Kurbel ist „ein Glücksfall“, hat die Styrumerin neuen Mut geschöpft. In welche Richtung es beruflich gehen wird? „Vielleicht in Richtung Organisation– als Alleinerziehende hat man darin viel Übung.“

Kurbel arbeitet eng mit Sozialagentur zusammen

- Die Kurbel wurde vor gut 40 Jahren als Katholisches Jugendhilfswerk in Oberhausen gegründet. „Damals noch mit der Aufgabe, Jugendliche aus dem Bergbau umzuschulen“, sagt Janßen. Inzwischen hat sich das Aufgabenfeld der Kurbel deutlich erweitert.

- Seit vier Jahren hat sie eine Dependance in Mülheim an der Friedrichstraße 20 und arbeitet eng mit der Mülheimer Sozialagentur zusammen, um etwa Ausbildungs- und Arbeitssuchende mit psychischen Störungen in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern.

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