470 Verdachtspunkte

Bombenräumung: Ein Mammutprojekt kommt auf Mülheim zu

Das Flughafenbistro in Raadt ist Standort des Lesercafés heute ab 16.30 Uhr.

Das Flughafenbistro in Raadt ist Standort des Lesercafés heute ab 16.30 Uhr.

Foto: Oliver Müller

Mülheim.   In Mülheim könnten sich an 470 Stellen noch Weltkriegsbomben im Boden befinden. Viele Blindgänger könnten auf dem Flughafengelände sein.

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Die Diskussion um das Ed Sheeran-Konzert brachte es zu Tage: Auf dem Flughafengelände könnte es auf Mülheimer Gebiet 75 und auf Essener Gebiet 33 Fliegerbombenblindgänger geben. Das ergab die Luftbildauswertung durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung, die die Flughafengesellschaft angefordert hatte. „Die Anzahl ist für das betreffende Areal nicht überraschend. Der Flughafen war im Krieg ja ein bevorzugtes Ziel“, sagt Ordnungsamtsleiter Bernd Otto.

In Mülheim gibt es derzeit 470 Verdachtspunkte

Was bedeutet das alles für den Luftverkehr und für die Pläne, das Flughafengelände in ein neues Stadtquartier zu verwandeln? „Solange man vor Ort nicht in den Boden geht, besteht keine Gefahr, auch nicht für die dort startenden und landenden Flugzeuge“, erklärt Otto und beruft sich dabei auf Aussagen der Luftaufsicht. Dennoch müssten die Blindgänger weg.

Das Problem: In Mülheim gibt es derzeit 470 Verdachtspunkte, in Essen sogar 1715 Stellen, an denen Blindgänger vermutet werden. Und es könnten bei weiteren Recherchen noch viele weitere dazukommen. „Dafür hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst das Personal ja gar nicht“, so Bernd Otto. Außerdem würde vorzugsweise erstmal dort geprüft und ausgegraben, wo auch gebaut werde. Hinzu kommt, dass wegen des Flugbetriebes und aus Naturschutzgründen, vor Ort „nur ein enges Zeitfenster“ für Sondierungsbohrungen bestehe.

Verdachtsstellen durch Bohrlochdetektionen prüfen

Von einem Mammut-Projekt spricht Otto deshalb, wenn er an die Blindgängersuche oben in Raadt denkt. „Das wird sich hinziehen. Aber wir gehen da jetzt dran.“ Man habe mit dem Land und der Stadt Essen verabredet, dass man zunächst die 33 Essener Verdachtsstellen durch Bohrlochdetektionen prüfen lasse, weil in diesem Bereich öfter Veranstaltungen stattfinden. Die Flughafen GmbH solle den Kampfmittelbeseitigungsdienst immer wieder daran erinnern, dass er am Flughafen tätig werden müsse.

Normalerweise wird nur im Rahmen von Bauprojekten geprüft, ob es Blindgänger im Boden gibt. Der Bauherr oder Architekt stellt einen Antrag beim Ordnungsamt, das ihn weiterleitet an den Kampfmittelräumdienst. Der führt eine Luftbildauswertung durch, sendet das Ergebnis an das Ordnungsamt und führt bei Verdacht auch Bohrungen durch. Wird Metall im Boden entdeckt, wird der Bohrpunkt aufgegraben und der Blindgänger entfernt. Im Rahmen der Stadtplanung spielt es zunächst keine Rolle, ob es Verdachtsstellen für Blindgänger gibt. „Wir gehen konzeptionell an die Sache ran, planen die mögliche Nachnutzung des Flughafengeländes. Wenn irgendwann wirklich gebaut wird, werden diese Altlasten dann entsorgt“, erklärt Planungsamtschef Felix Blasch.

Am Donnerstag WAZ-Lesercafè im „Checkin“

Was wird aus dem Flughafengelände, wenn dort kein Flugverkehr mehr stattfindet?

Diese Frage können Sie, liebe Leser, am Donnerstag ab 16.30 Uhr beim WAZ-Lesercafé im Bistro „Checkin“ im Flughafengebäude diskutieren. Wir freuen uns aber auch, wenn sie andere Themen, die Raadt betreffen, mitbringen.

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