Kultur

Talkshow: Spannende Anekdoten ganz ohne Zoten in Mülheim

Die zweite Auflage von „Ludis Talkbox“ mit (vl.n.r) Martin „Ludi“ Ettrich", Thomas „Könich“ Willemsen, Hendrik Dorgathen und Peter Bursch in der Sol Kulturbar.

Die zweite Auflage von „Ludis Talkbox“ mit (vl.n.r) Martin „Ludi“ Ettrich", Thomas „Könich“ Willemsen, Hendrik Dorgathen und Peter Bursch in der Sol Kulturbar.

Foto: Sven Thielmann

Mülheim.  Musiker Martin Ettrich bot mit der zweiten Auflage von „Ludis Talkbox“ in der Mülheimer Sol Kulturbar einen vergnüglichen Abend mit Gästen.

Wer Martin „Ludi“ Ettrich jemals live erlebt hat, der weiß, dass Mülheims Gitarren-Ass nicht nur schnelle Finger hat. Sondern auch eine flotte Zunge, die mit Ruhrgebiets-Charme witzige Ansagen herauszuhauen pflegt. Und weil er außerdem jede Menge interessanter Leute kennt, war es naheliegend, die Fähigkeiten als Entertainer auch mal in einem anderen Format auszuleben. Sehr zur Freude seiner Fans, die jetzt in der gut besuchten, aber nicht gerade überfüllten Sol Kulturbar die zweite Ausgabe von „Ludis Talkbox“ erleben konnten.

Wie es sich für eine Talk-Show gehört, gab es zunächst eine musikalische Einführung durch den als „One Man Funk Orchestra“ firmierenden Yassmo’ in einer beachtlichen Keyboard-Burg. Wie man später lernte, wirbelt der im wirklichen Leben in einer bedeutenden Institution mit Finanzzahlen. Dass ihm Martin Ettrich, der den Einstieg selbstmurmelnd mit seiner Gitarre komplettierte, in seiner ersten Fragerunde leicht anrüchige Geschichten über die komplizierte Entsorgung von, sagen wir mal, Stoffwechselprodukten im Weltraum entlockte, sorgte gleichermaßen für Staunen wie Heiterkeit bei ihren Zuhörern. Klatschmarsch – es war schon eine astreine Rocknummer, und dann präsentierte Ludi mit dem Fotografen und Musiker Thomas „Könich“ Willemsen seinem Publikum einen alten Wegbegleiter aus „Party Popes“-Zeiten.

Das Publikum erfuhr in Mülheim interessante Details über die Gäste

Auch wenn der rote Faden ihres Gesprächs amüsanterweise ziemlich verworren blieb, erfuhr man jede Menge interessanter Dinge über den schwergewichtigen „Könich“, der seinen Spitznamen dem großen Blueser Cary Bell verdankt. Etwa, dass er in Stadtlohn eine, nun ja, abgerockte Dampflokreparaturwerkstatt in eine formidable Location samt Foto- und Tonstudio verwandelt hat. Oder einen Eisenbahnwaggon in ein ultracooles Appartement, das mittlerweile selbst eigens angereiste chinesische Hochzeitsreisende beherbergt. Der „Könich“ ist halt ein echter „Macher“ aus dem Ruhrgebiet, der seine Ideen mit viel Herzblut umsetzt.

Gemeinsam kamen die beiden von Hölzken auf Stöcksken und schwelgten in Erinnerungen an alte „Party Popes“-Zeiten, als man „nackt & unplugged“ auftrat und – „wie doof waren wir damals“ – die Hunderttausend-Mark-Offerte ihrer Plattenfirma ablehnten, weil man nicht auf Deutsch singen wollte. Dass Willemsen nun an seinem ersten deutschsprachigen Album „Könich persönlich“ schraubt, von dem er mit Ettrich eine stimmgewaltige Kostprobe servierte, nennt man wohl Ironie des Schicksals.

Der Talk-Abend wurde mit mancherlei Anekdoten gewürzt

Auch die anderen Gäste, der Comic-Zeichner Hendrik Dorgathen und der „Gitarrenlehrer der Nation“ Peter Bursch, würzten den langen Abend mit mancherlei Anekdoten. So berichtete Dorgathen von seiner Zeit bei ebenjener, als er das „Zeit Magazin“ radikal neu konzipierte und darob prompt gefeuert wurde. Einzig Helmut Schmidt, Mitherausgeber der Hamburger Wochenzeitung, habe damals etwas Kluges gesagt: „Ich habe keine Ahnung davon, aber sie werden sich dabei etwas gedacht haben.“

Ansonsten ließ der Grafiker wunderbare Platten-Cover flimmern und zeigte exemplarisch anhand des von dem Fotografen Ethan A. Russell opulent bebilderten Albums „Quadrophenia“ von „The Who“, was ihn zu eigenem künstlerischen Schaffen getrieben habe.

Von Bursch dagegen erfuhr man endlich, was es mit dem Namen seiner Band „Bröselmaschine“ auf sich hat. Ein kleines Wunderwerk zur schnelleren Produktion inspirierender, nicht nur tabakhaltiger Erzeugnisse. Ansonsten plauderte er über die Entstehungsgeschichte seines legendären Gitarrenbuchs, blieb aber die Behauptung schuldig, dass man „Stairway To Heaven“ nur mit einem Finger spielen könne.

Das hätte man doch allzu gern von dem 70-jährigen Duisburger gehört, der die musikalische Bespaßung jedoch allein Yassmo’ und Martin „Ludi“ Ettrich überließ, die seine angenehm unprätentiöse „Talkbox“ nach fast drei Stunden bester Unterhaltung mit einer groovigen Duo-Nummer lässig ausklingen ließ.

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