Umwelt

Tauben in Mülheim: „Eine belastende Situation für die City“

Der Mülheimer Tierschutzverein möchte wildlebende Tauben in der Innenstadt mit einem besonderen Konzept schützen.

Der Mülheimer Tierschutzverein möchte wildlebende Tauben in der Innenstadt mit einem besonderen Konzept schützen.

Foto: Uwe Zucchi / picture alliance / dpa

Mülheim.  Tierschützer wollen die Tauben in der Mülheimer Innenstadt mit einem besonderen Konzept schützen. Die Stadt appelliert, Tauben nicht zu füttern.

Sie gehören zu den Innenstädten wie kein anderes Tier – einige nennen sie die Ratten der Lüfte, halten Abstand, voller Ekel. Wieder andere halten sie für schützenswert und wollen dafür besondere Anstrengungen unternehmen. Die Taube: Ihr einfaches Dasein polarisiert die Menschen. „Das ist eine belastende Situation für die gesamte Innenstadt“, sagt beispielsweise die Leiterin eines Geschäfts in der Mülheimer City. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, berichten, was sie täglich erlebt, allerdings schon.

Geschäftsleute sprechen von einer Taubenplage

Für die Händlerin sind die Tiere und ihre Hinterlassenschaften „allgegenwärtig“. Regelmäßig müsse sie vor ihrem Geschäft reinigen. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht von einer Plage. Einige ihrer Kollegen würden diese Beobachtung teilen. Ihr Eindruck über die Anzahl der Tiere: „Es hat in den letzten Jahren, besonders aber in den letzten zwölf Monaten, drastisch zugenommen.“

Eine Beobachtung, die Dr. Sigrid Krosse nicht teilen kann. Die zweite Vorsitzende des Mülheimer Tierschutzvereins war bereits im März mit weiteren Unterstützern unterwegs. Aus gutem Grund: Der Tierschutzverein erarbeitet ein Konzept, das eine Betreuung der herrenlosen Vögel vorsieht, hinzu kommt die Idee zur Fütterung an einem festen Ort, eine medizinische Versorgung der Tiere und eine Kontrolle der Nester. Hier wäre es möglich, die echten Eier gegen Gipseier auszutauschen – die Population würde sich so nicht weiter vergrößern.

Von den Tieren geht keine besonders große Gefahr für die Gesundheit aus

Stichwort Population: An diesem Tag im März zählten die Tierschützer bei ihrem Gang über die Schloßstraße und zurück über die Leineweberstraße etwa 500 Tauben, so Sigrid Krosse. Das sei aber eine Momentaufnahme, auch wenn die Tiere meist sehr standorttreu seien.

Auch Dr. Heike Schwalenstöcker-Waldner kann nicht bestätigen, dass Mülheim von einer Taubenplage betroffen ist. Sicherlich gebe es aber Standorte, an denen die Tiere vermehrt vorkommen, etwa im Bereich des Forums, in der Nähe des Parkhauses. Auch schränkt die Leiterin des Veterinäramtes ein: „Von den Tieren geht keine besonders große Gefahr für die Gesundheit aus.“ Sie sei so hoch wie bei allen anderen Wildtieren auch.

Spiegelbild der allgemeinen Entwicklung in der Gesellschaft

Sigrid Krosse stimmt zu: „Dass Tauben Krankheiten übertragen, ist ein weit verbreitetes Ammenmärchen“. Sie hat das Gefühl, dass es entweder Taubenliebhaber oder Taubenhasser gibt. Sie sieht den Umgang mit den wildlebenden Tauben auch als Spiegelbild der allgemeinen Entwicklung in der Gesellschaft. „Unser Bemühen ist, darauf aufmerksam zu machen, dass es sich auch bei der Stadttaube um ein schützenswertes Geschöpf handelt“, betont Sigrid Krosse.

Laut Stadtsprecher Volker Wiebels gab es in der Vergangenheit immer mal wieder Hinweise von Ladenbesitzern, dass die Tauben auch in die Geschäfte und Läden fliegen. Auf der Suche nach Futter. Und die Plätze mit Außengastronomie böten ebenfalls „gefundenes Fressen für die Tiere“, so Wiebels weiter. Hier ist es wichtig, den Tieren wenig bis gar keine Möglichkeiten zur Nahrungsfindung zu bieten.

„Das Füttern von wildlebenden Tauben ist verboten“

In Paragraph 2 der etwas sperrig genannten Ordnungsbehördlichen Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung für die Stadt Mülheim, steht ein einziger Satz: „Das Füttern von wildlebenden Tauben ist verboten“. Darauf verweisen auch Heike Schwalenstöcker-Waldner und Volker Wiebels. „Und trotz des Fütterungsverbotes bekommen wir immer wieder Nachricht darüber, dass die Tauben gefüttert werden“, berichtet Schwalenstöcker-Waldner.

Geahndet wird das Füttern der Tauben nicht. „Wir setzen auf eine mündliche Verwarnung beziehungsweise Ermahnung“, erläutert Wiebels. Heike Schwalenstöcker-Waldner fügt hinzu: „Uns ist es lieber, Aufklärungsarbeit zu leisten als Strafen zu verhängen.“ Die Leiterin des Geschäfts in der Innenstadt hofft aber auf mehr Unterstützung: „Es wäre sehr hilfreich, wenn die Stadt etwas machen würde.“

Der Wunsch: Das Taubenhaus soll im kommenden Jahr stehen

Das Engagement des Tierschutzvereins bewertet die Leiterin des Veterinäramtes als „lobenswert“. Auch aus tierschutzrechtlicher Sicht. Und den Vorschlag der Tierschützer, ein Taubenhaus zu errichten, wolle man auf jeden Fall unterstützen. Im Oktober soll das nächste Treffen stattfinden, so Sigrid Krosse. Vieles sei noch nicht spruchreif, aber: „Ganz vorsichtig formuliert wäre unser Wunsch, dass das Taubenhaus im kommenden Jahr steht.“

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