Tengelmann

Tengelmann-Gruppe gibt Firmenzentrale in Speldorf auf

Das Tengelmann-Areal in Speldorf wird schon länger nicht mehr voll ausgenutzt.

Das Tengelmann-Areal in Speldorf wird schon länger nicht mehr voll ausgenutzt.

Mülheim.   Gerüchte gab es schon länger, jetzt gibt es die offizielle Bestätigung: Die Firmengruppe Tengelmann gibt ihren Hauptsitz in Mülheim-Speldorf auf.

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Die Tengelmann-Gruppe gibt mehr als 100 Jahre nach ihrer Ansiedlung an der Wissollstraße ihr Firmengelände in Speldorf auf. Das gab das Unternehmen am Dienstagmittag in einer Presseerklärung bekannt. Ein Großteil der rund 250 Beschäftigten der Zentralverwaltung sollen das Unternehmen verlassen.

Gerüchte hatte es schon seit Monaten gegeben, jetzt gibt es die offizielle Bestätigung: Die Tengelmann-Gruppe plant, ihre Holding „deutlich schlanker“ aufzustellen. „Daher werden die meisten der jetzigen Stellen entfallen“, hieß es in der Verlautbarung. Noch arbeiten 250 Mitarbeiter der Holding in Speldorf. Ihnen gewährt Tengelmann nun lediglich noch eine neunmonatige Beschäftigungsgarantie.

Gewerkschaft Verdi hat keinen Kontakt zur Belegschaft

Die Gewerkschaft Verdi war am Dienstag kalt erwischt, dass sich bis zum Nachmittag weder im Regionalbezirk noch in der Landes- und Bundeszentrale ein Vertreter fand, der zu der Ankündigung Tengelmanns Stellung beziehen konnte. Schließlich äußerte sich Heino Georg Kaßler vom Fachbereich Handel im Landesbezirk. Er sagte, dass bislang kein Kontakt zu den betroffenen Mitarbeitern bestehe. „Wir wissen nicht einmal, ob es dort überhaupt Betriebsräte gibt, so der Gewerkschaftssekretär. Mit Arbeitnehmervertretern der Tengelmann-Verwaltung habe es bislang nie eine Zusammenarbeit gegeben. Ohnehin seien im Tengelmann-Imperium nur einige Obi-Filialen über Betriebsräte organisiert, ansonsten bewege man sich im Tengelmann-Konzern im „tariflosen Gebiet“.

Um die Gewerkschaft an ihre Seite zu holen, müsste zunächst mal jemand an den Verdi-Bezirk Ruhr West herantreten. Außer der Beschäftigungsgarantie für neun Monate ist nichts dazu bekannt, wie Tengelmann den Stellenabbau vollziehen will. Im Interview mit dieser Zeitung sagte der geschäftsführende Gesellschafter Christian Haub lediglich, dass man „fair und sozialverträglich“ mit den Beschäftigten umgehen wolle.

Haub: 2019 wird unser Jahr der Transformation

Die Firmenzentrale in Speldorf gibt Tengelmann „mittelfristig“, wie es heißt, auf. Eine teilweise Nutzung des 14 Hektar großen Areals sei keine Alternative, hieß es. Die neue, schlanke Holding soll ihren Sitz in Mülheim behalten. Wo, ist laut Haub noch nicht entschieden: „Unsere Gründungszentrale am Ruhrufer ist zu klein. Fest steht bislang nur, dass wir Mülheim verbunden bleiben wollen. Allerdings in einer ganz anderen Gestaltung. Bei der Standortsuche sind wir völlig offen. Wir wollen mit der neuen Holding 2020 starten. 2019 wird unser Jahr der Transformation.“

Das Areal an der Wissollstraße will Tengelmann als Ganzes entwickeln. Es sei geplant, eng mit der Stadt zusammenzuarbeiten, um ein Nachfolgekonzept aufzustellen. Wie das aussehen könnte? „Es wird ganz darauf ankommen, was die Stadt braucht“, sagte Haub gegenüber dieser Zeitung. „Die Nähe zur Hochschule Ruhr West ergibt vielleicht neue Möglichkeiten. Nach 30 Jahren in den USA nutze ich die Wochenenden, um das Umfeld zu erkunden und verstehen zu lernen.“

OB will mit Haub über neue Nutzung sprechen

Oberbürgermeister Ulrich Scholten, der zurzeit in Berlin um Hilfen für finanzschwache Kommunen wirbt, sprach von einer „furchtbaren Nachricht“ für die Mitarbeiter, ihre Sorgen und Nöte könne er „gut verstehen“.

Christian Haub habe ihn in einem Telefonat zur Sache informiert und zugesichert, dass der Abbau „so weit wie möglich sozial ausgewogen erfolgt“. Darüber hinaus zeigte sich der OB aber erfreut, dass die Holding ihren Sitz in Mülheim halten will. Mit Haub sei ein Gespräch zur Nachnutzung des „Wissollcampus“ vereinbart, an dem auch Wirtschaftsförderer Jürgen Schnitzmeier teilnehmen werde.

Pläne für „wissensbasierten Wissollcampus“

Der Abbau von 250 Arbeitsplätzen treffe den Wirtschaftsstandort empfindlich, so Schnitzmeier. Die unternehmerische Entscheidung sei vor dem Hintergrund des Verkaufs der Kaiser’s/Tengelmann-Supermärkte aber nachvollziehbar.

Mit Blick nach vorne biete der Rückzug vom Areal in Speldorf jedoch aus Sicht der Wirtschaftsförderung auch die Chance zur Entwicklung eines hochwertigen Gewerbeparks mit räumlicher Nähe zur Hochschule Ruhr West und Ansiedlung von mehr als 250 innovativen Arbeitsplätzen. „Als Nukleus für einen wissensbasierten Campus“ kann sich Schnitzmeier auch ein Innovationszentrum vorstellen. Das sei weiter dringend nötig.

Planungsdezernent Peter Vermeulen plädiert für „eine Nutzung, die zu Gewerbesteuererlösen führt“. Seitens Tengelmann habe es in der Vergangenheit auch mal Bemühungen gegeben, die Flächen für eine Wohnbau-Entwicklung ausgewiesen zu bekommen.

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