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Tierfreunde gedenken toter Hündin auf Mülheimer Schloßbrücke

Mit Schleifen, Kerzen und niedergelegten Blumen auf der Schloßbrücke gedenken Tierfreunde der verstorbenen Hündin, die von dort aus in die Ruhr geworfen worden war.

Mit Schleifen, Kerzen und niedergelegten Blumen auf der Schloßbrücke gedenken Tierfreunde der verstorbenen Hündin, die von dort aus in die Ruhr geworfen worden war.

Mülheim.   Kerzen, Schleifen und Blumen haben Tierfreunde auf der Schloßbrücke abgelegt, um an die dort ins Wasser geworfene Hündin zu erinnern.

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Zunächst waren es eine einzelne weiße Kerze und eine Schleife an der Schloßbrücke, mit der ein – bislang unbekannter – Tierfreund am Wochenende an die Hündin erinnern wollte, die am vorvergangenen Samstagabend von einem bislang unbekannten Mann von der Schloßbrücke in die Ruhr geworfen worden war. Passanten hatten das leblose Tier aus dem Wasser gezogen, die Polizei ermittelt.

Auf diese Art und Weise auf das Leid der Hündin aufmerksam zu machen, fanden Andrea und Klaus Mertens von der gleichnamigen Tierhilfe in Oberhausen eine gute Idee. Die beiden Ehrenamtlichen hatten ein Foto von dem Gedenkort zugeschickt bekommen und posteten kurzerhand auf ihrer Facebook-Seite, dass auch sie nach Mülheim fahren und eine Kerze aufstellen würden.

Facebook-Post zieht weite Kreise

Dieser Post entwickelte sich zu einem Selbstläufer – nicht nur aus dem Ruhrgebiet, deutschlandweit und sogar aus anderen Ländern wie England oder Finnland kam über die Sozialen Medien Anteilnahme. Bis Sonntagnachmittag wurde der Post nach Angaben der Tierhilfe Mertens von mehreren Hundert Nutzern geteilt.

Zu dem Gedenken an die getötete Hündin mit Kerzen, Schleifen und Blumen auf der Schloßbrücke meint das Ehepaar: „Die Fellnase wird dadurch nicht wieder lebendig, aber wir betonen, dass Tiere Lebewesen sind.“ Dem 51-Jährigen und der 50-Jährigen, die in Mülheim arbeitet, ist es wichtig, für diejenigen einzustehen, die selbst keine Stimme haben – wie die Tiere.

Anteilnahme virtuell aus anderen Ländern

Knapp 50 Kerzen, dazu einige Blumen sowie verschiedenfarbige Schleifen haben Tierfreunde bis Sonntagnachmittag an der Stelle niedergelegt, von wo aus das Tier ins eiskalte Wasser geworfen worden war. „Nie haben wir damit gerechnet, eine solche Resonanz zu erhalten, was uns aber sehr freut“, sagt Klaus Mertens. Bereits am Samstag seien zwischen 30 und 50 Menschen vor Ort gewesen. Ruhig und friedlich sei die Stimmung gewesen, erzählt Andrea Mertens, diejenigen, die gekommen waren, tauschten sich aus. Auch Spaziergänger, die zufällig über die Schloßbrücke gekommen waren, hätten sich erkundigt und zum Ausdruck gebracht, wie geschockt sie von dem Vorfall seien.

Reaktionen kamen über die Sozialen Netzwerke beinahe aus dem ganzen Land. Tierliebhaber, die nicht in der Nähe wohnen, schickten virtuell Anteilnahme. Andrea Mertens ist zufrieden mit dem Verlauf der Gedenkaktion: „Es ist eine friedvolle Art, die ins Auge fällt, ohne dass Leute laut werden müssen.“ Die Emotionen aber, sie kochen hoch in den Kommentaren auf Facebook: Der Täter – sofern er denn ermittelt wird – müsse hart bestraft werden, fordern viele. Und auch Klaus und Andrea Mertens pochen darauf, dass das Tierschutzgesetz, wonach „niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen darf“ angewendet wird, sollte der Hundehalter gefunden werden.

Einige Hinweise seien bereits bei der Polizei eingegangen, bestätigt Polizeisprecher Peter Elke am Sonntag auf Nachfrage. Eine Flut an Anhaltspunkten allerdings, so wie es die riesige Beachtung des Vorfalls in den Sozialen Medien vermuten lassen würde, sei bislang ausgeblieben, so Elke. Wohl aber meldeten sich Mülheimer, die beigefarbene Hunde ähnlich der tot aufgefundenen Hündin kannten, so der Polizeisprecher, der ankündigt: „Diesen Hinweisen gehen wir jetzt nach und erhoffen uns so, den Hundehalter ermitteln zu können.“

Kritische Stimmen werden laut

Aber auch kritische Stimmen werden im Internet laut: Wer entsorgt die Kerzen und das Plastik? Sollen das in der Ruhr landen, wird auf Facebook gefragt. Dazu kündigen die Tierschützer an: „Wir haben das im Blick und werden uns an der Entsorgung beteiligen.“

Die Gedenkaktion für den toten Hund auf der Schloßbrücke gefällt nicht jedem. Als von eben jener Brücke im April ein junger Mann in die Ruhr gesprungen und ertrunken war, seien keine Kerzen aufgestellt worden. Nach Ansicht von Andrea Mertens trägt der Vergleich nicht ganz. Immerhin sei auch ein Hund ein Lebewesen und kein Sachgegenstand: „Dann muss auch öffentliches Trauern möglich sein.“ Ihr geht es generell um mehr Sensibilität untereinander: „Wenn wir vorher besser hingucken und hinhören, bemerken wir vielleicht Probleme im Umfeld und können Hilfe anbieten.“ Sie wolle sensibilisieren, sagt die 50-Jährige – zum Wohl der Tiere und der Menschen. Daher lautet ihr Appell: „Achtet aufeinander!“

Update 7.1.2018: Wie das Team der Tierhilfe Mertens am Montag auf seiner Facebook-Seite mitteilte, ist die Gedenkstätte inzwischen wieder abgebaut worden. Begründet wird das mit vorhergesagtem schlechtem Wetter und damit einhergehenden möglichen Gefahren für Autofahrer durch die Devotionalien. Fotos zeigen, wie Helfer Kerzen einsammeln und Schleifen abnehmen. Sie sollen nach Angaben der Tierhilfe nicht entsorgt werden, sondern werden vom Team aufbewahrt. Denkbar sei, dass etwa die Kerzen bei anderen Aktionen wieder benutzt werden können, schrieb Familie Mertens. Wer seinen Gegenstand wieder haben möchte, sollte sich per Direkt-Nachricht bei Facebook melden.

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