Denkmalschutz-Debatte

„VHS in Mülheim muss wieder geöffnet werden“

Denkmalschützer Erich Bocklenberg vor seinem Lieblingsdenkmal Alte Dreherei: Heute kämpft er für den Erhalt des VHS-Gebäudes.

Foto: Lars Fröhlich

Denkmalschützer Erich Bocklenberg vor seinem Lieblingsdenkmal Alte Dreherei: Heute kämpft er für den Erhalt des VHS-Gebäudes. Foto: Lars Fröhlich

Mülheim.   Schließung der VHS ist für den früheren Leiter der unteren Denkmalbehörde reine Panikreaktion. Stadt hätte längst nach Lösungen suchen müssen.

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Wie steht es um die Zukunft der VHS? Erich Bocklenberg, ehemaliger Leiter der städtischen Denkmalschutzbehörde, fordert die „sofortige Mängelbeseitigung und Wiedereröffnung unserer VHS“. Im Gespräch mit Dennis Vollmer.

Herr Bocklenberg, Sie raten in der Debatte um Brandschutz in der VHS zur Besonnenheit - muss man nicht dringend handeln?

Für mich ist die Schließung eine Panikreaktion der Stadt – wie bei einem Bombenalarm. Mich hat die Argumentation nicht überzeugt, das Gebäude so hektisch schließen zu müssen. Mich verwundert vielmehr, dass die Stadtverwaltung trotz eines vorliegenden Brandschutzgutachtens jahrelang gezögert hat, an die Beseitigung der Mängel zu gehen. Das mache ich ihr zum Vorwurf. Denn sie hatte ja von Anfang an die Verpflichtung, die Mängel ernst zu nehmen.

Man sollte aber bekanntermaßen nicht so heiß essen, wie man kocht. Brandschutzexperten beurteilen die Situation aus ihrem Blick und stellen Maximalforderungen. Es ist dann die Aufgabe der Stadt gemeinsam mit Brandschutzexperten und Architekten nach vertretbaren Lösungen zu suchen. Damit hätte man längst beginnen können.

Sie haben sich für den Erhalt der VHS eingesetzt – warum ist das Gebäude schützenswert?

Die Bedeutung der VHS ergibt sich nicht nur ästhetisch, sondern liegt ebenso im Zeugniswert für geschichtliche Entwicklungen etwa der Arbeitsbedingungen oder des Städtebaus. Sie entstand aus der gesellschaftlich erkannten Aufgabe der Erwachsenenbildung heraus. Sie hat eine moderne und erkennbar fortschrittliche Architektur für diese Aufgabe. Die gute Lage des Gebäudes, die Nähe zu Parkplätzen und zum kulturellen Umfeld bis hin zur Hochschule ist gut für die Bildungseinrichtung. Sie bietet viele Kooperationsmöglichkeiten.

Ist der Brandschutzmangel kein KO-Kriterium für den Erhalt?

Nein. Die VHS wurde mit den damaligen Erkenntnissen über den Brandschutz gebaut. Man kann nicht einfach heutige Maßstäbe anlegen und daraus die Schließung begründen. Ansonsten müsste man sofort einen Großteil der alten Gebäude in Mülheim räumen und schließen lassen. Grundsätzlich spricht auch der Denkmalschutz nicht gegen eine Anpassung des Gebäudes auf heutige Standards.

Wird also die Debatte falsch – mit Hintergedanken – geführt?

Aus meiner Sicht wird aufgrund der Vorgeschichte, der Überlegung das Gebäude abzureißen und das Grundstück gewinnbringend zu verkaufen, der Brandschutz als zu teuer und alternativlos dargestellt. Man muss natürlich der Sicherheit

genüge tun, aber die Maßnahmen aus einer bewahrenden Sicht formulieren. Ich erinnere daran, dass es bei der Sanierung der Stadthalle mindestens ebenso eklatante Brandschutzmängel zu beseitigen gab. Man hat gute Lösungen gefunden, etwa, dass Besucher bei einem Brand das Gebäude schneller verlassen können. Heute sind wir froh, dass keiner über den Abriss der Stadthalle nachgedacht hat.

Dennoch kosten Maßnahmen Geld – woher soll Mülheim das nehmen?

Die Stadt muss prüfen, ob es Landesmittel gibt, um die Kosten der Mängelbeseitigung zu reduzieren. Schließlich geht es um eine notwendige Nachrüstung zum Erhalt der Nutzung eines Denkmals.

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