Verkaufsoffene Sonntage

Viele Läden bleiben am offenen Sonntag in Mülheim-Saarn zu

Zahlreiche Besucher kamen zum Saarner Oldtimercup. Vor allem Frauen standen vor verschlossenen Ladentüren. Ihre Enttäuschung war die Freude der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Zahlreiche Besucher kamen zum Saarner Oldtimercup. Vor allem Frauen standen vor verschlossenen Ladentüren. Ihre Enttäuschung war die Freude der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Für die Hälfte der Ladeninhaber lohnt der Sonntagsverkauf sich wohl nicht. Andere sehen es als Kundenservice. In Zentren besteht Öffnungspflicht.

„Stell Dir vor, es ist verkaufsoffener Sonntag – und dein Lieblingsladen hat zu.“ So telefonierte eine Dame am vergangenen Sonntagnachmittag zur besten Kaffeezeit mit ihrer Freundin. Sie stand vor einer Parfümerie auf der Düsseldorfer Straße. Während ihr Gatte gespannt auf das Defilee der 90 Oldtimer wartete, hätte sie sich gern einen neuen Duft ausgesucht. Aber das ging nicht.

„Es ist wichtig, dass wir uns präsentieren können.“

Ähnlich wie diesen beiden Frauen erging es anderen Besuchern des 6. Saarner Oldtimercups. Knapp die Hälfte aller Ladentüren auf der beliebten Saarner Einkaufsmeile blieb zu. Das bedauerte auch die Inhaberin von Optik Baumann: „Wir haben heute unser Geschäft geöffnet, um mit Kunden zu plaudern, uns anderen Gästen vorzustellen. Heute ist dafür ein guter Tag“, sagte Simone Breithaupt. Verdienen tue sie an anderen Tagen. „Es ist wichtig, dass wir uns präsentieren können.“

Das sahen ihre Nachbarn anders: Die Parfümerie hatte geschlossen. Auch bei anderen Läden waren nur die Schaufensterauslagen zu bestaunen. Bäckereien und Gaststätten hatten natürlich geöffnet. Der Wirt des Saarner Brauhauses hatte eine Band für diesen Tag engagiert. Bei Anja Cruysen lief ein buntes Programm im Loft. An anderen Stellen hatten Privatleute Tische aufgestellt und bewirteten Freunde.

In Einkaufszentren besteht fast flächendeckende Öffnungspflicht

„Wir können niemanden zwingen, seinen Geschäft zu öffnen. Alles passiert freiwillig“, erklärte dazu Margit Schettler. Die Geschäftsführerin der Saarner Werbegemeinschaft bedauert, dass es kein einheitliches Bild an solchen besonderen Tagen im Dorf gebe. „Da ist alles gesperrt. Keiner kommt mit dem Auto zu mir. Da mache ich nicht auf, weil es sich nicht lohnt“, kündigte eine Ladeninhaberin schon am Samstag an.

Diese Frage wird im Forum ganz anders beantwortet: „An verkaufsoffenen Sonntagen haben bei uns alle Geschäfte geöffnet, außer bestimmte Dienstleister wie Friseure“, erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage dieser Zeitung. Alle Ladeninhaber müssten daran interessiert sein, für ihre Kunden da zu sein. „Da gibt es nur wenige Ausnahmen bei unseren Mietern, die von der Öffnungspflicht entbunden sind.“

Der Antikmarkt zog als Motto nicht mehr

Ähnlich lief es in den vergangenen Jahren im Rhein-Ruhr-Zentrum. Aber den Antikmarkt hatte das Gericht als Motto für die sonntägliche Ladenöffnung nach der Verdi-Klage nicht akzeptiert. Also blieben alle Läden zu – ein geschlossenes Bild, ganz nach Wunsch der Dienstleistungsgewerkschaft, die zu viele Sonntagsöffnungen für ihre Mitglieder ablehnt.

In anderen Stadtteilen haben es die Werbegemeinschaften erst gar nicht mehr versucht, ein Motto für verkaufsoffene Sonntage zu finden, das vor den Gerichten bestehen kann. In Broich, Dümpten, Heißen, Holthausen, Speldorf, Styrum oder Winkhausen ließen früher schon mehrere Ladeninhaber die Sonntagsöffnung ausfallen.

Einheitliche Öffnungszeiten in Vororten Mangelware

Viele Einzelhändler wünschen sich zwar Aktivitäten, die ihren Stadtteil attraktiver machen. Die Vorstände der Werbegemeinschaften haben aber Probleme, ihre Mitglieder zum Mitwirken zu motivieren. Einer der Gründer der Saarner Werbegemeinschaft brachte es schon 1970 auf den Punkt: „Einzelhändler heißen Einzelhändler, weil sie einzeln handeln.“

Um das zu ändern, wurde vor mehr als 40 Jahren diese Gemeinschaft gegründet. Durchgehende Öffnungszeiten über Mittag, an Mittwochnachmittagen oder Samstagen haben sich bis heute im Dorf und anderen Stadtteilen nicht durchgesetzt.

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