Gesundheit

Vier von fünf Mülheimer Kindern haben Vitamin-D-Mangel

Haben eine Studie zum Vitamin-D-Mangel bei Kindern verfasst: die Mediziner Martin Knorr, Jürgen Hower und Thomas Lamberti.

Foto: Oliver Müller

Haben eine Studie zum Vitamin-D-Mangel bei Kindern verfasst: die Mediziner Martin Knorr, Jürgen Hower und Thomas Lamberti. Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Drei in Mülheim praktizierende Mediziner haben 2000 Kinder auf Vitamin-D-Mangel untersucht. Das Ergebnis lässt sie mehr Prävention fordern.

Vitamin-D-Mangel ist ein globales Problem; nun wurde es lokal untersucht: Drei Kinderärzte, die am Dümptener Standort einer überörtlichen Gemeinschaftspraxis behandeln, werteten sechs Jahre lang rund 2000 Blutproben Mülheimer Kinder aus. Das Ergebnis: Bei vier von fünf Kindern unter zwölf Jahren wurde Vitamin-D-Mangel festgestellt.

Für die Mediziner besteht daher dringender Handlungsbedarf. Mit ihrer Studie, die sie noch in diesem Jahr international veröffentlichen werden, wollen sie die fachliche Diskussion anstoßen und den Krankenkassen Fakten liefern. Denn der Mangel kann ihrer Meinung nach nur durch „systematische Prophylaxe“ ausgeglichen werden.

Vitamin-D-Mangel und chronische Krankheiten

„Vitamin D ist nicht nur wichtig für die Mineralisation des Skelettsystems, also die Knochenfestigkeit, sondern hat auch Funktion unser Immunsystem betreffend“, fasst Dr. Jürgen Hower, der die Studie initiierte, zusammen. So kann Vitamin-D-Mangel beispielsweise dazu führen, dass – um den Calciumspiegel konstant zu halten – Calcium aus den Knochen gelöst wird. „Und was einmal raus ist, geht da nicht wieder rein“, sagt Dr. Hower und nennt Osteoporose als eine mögliche Langzeitfolge.

Der Kinderarzt veröffentlichte bereits im Jahr 2008 eine Studie zum Thema und betonte darin die „zunehmende Kenntnis über die Bedeutung von Vitamin D in der Prävention einer Vielzahl chronischer Krankheiten“. Als Beispiele nannte Dr. Hower da etwa Krebs, Multiple Sklerose, Diabetes mellitus Typ I sowie Autoimmun- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Damals beschäftigte er sich noch mit dem „winterlichen Mangel“. Dass es im Sommer nicht viel besser aussieht, belegen die seit 2010 erhobenen Daten. Dr. Martin Knorr betont, dass vier von fünf Kindern ganzjährig Vitamin-D-Mangel haben.

90 Prozent des Vitamins werden durch UVB-Strahlen in der Haut gebildet und nur zehn Prozent über die Nahrung aufgenommen. Doch selbst im Sommer bekommen Mülheimer Kinder nicht genug Sonne, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Denn dazu wäre in unseren Breitengraden sonnenbaden in der Mittagszeit ohne Sonnencreme nötig – und davon rät Dr. Martin Knorr als Kinderonkologe dringend ab. Von „Desinformation“ spricht Dr. Thomas Lamberti zudem: „Mir sagen Mütter, dass sie mit ihren Kindern viel rausgehen und deshalb kein zusätzliches Vitamin D brauchen.“ Aber frische Luft hilft da ausnahmsweise nicht. Da gelte es immer wieder ruhig aufzuklären.

Mediziner fordern eine systematische Prävention

Einzige Lösung für die Mülheimer Mediziner: „Wir brauchen eine systematische Prävention.“ Gemeint ist damit die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten; doch die übernehmen Krankenkassen nur bis zum zweiten Lebensjahr. Die Fachleute vermuten dafür wirtschaftliche Gründe. „Vitamin D ist kein Produkt, mit dem man irgendetwas verdienen könnte“, sagt Dr. Thomas Lamberti. Mit Blick auf „viele positive Studien“, die die Bedeutung von Vitamin D bewiesen, kann Dr. Jürgen Hower „nicht verstehen, dass man so auf taube Ohren stößt“.

Die drei Kinderärzte wollen diesem „vernachlässigten Thema“ nun mehr Öffentlichkeit geben. Sie wünschen sich eine fachliche Diskussion und Richtlinien der Krankenkassen, die es einfacher machen, Präparate zu verschreiben. „Prävention muss eine Kassenleistung sein“, betonen sie.

Übrigens: Auch wenn die drei Kinderärzte ihre kleinen Patienten im Blick haben – aus einem Mangel an Vitamin D wächst man nicht heraus.

>> Studie soll alsbald veröffentlicht werden

Dr. Jürgen Hower, Dr. Martin Knorr und Dr. Thomas Lamberti wollen ihre Studie, die in Teilen von Prof. Clemens Kunz vom Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Gießen unterstützt wird, in den kommenden Monaten im „European Journal of Nutrition“ veröffentlichen.

Die statistische Auswertung übernahm Fr. Dr. Knoll; finanziell gefördert wurde die Studie von Hipp.

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