Mölmsche Woche

Von Tempomachern und lahmen Enten: Der Wochenkommentar

Redaktionsleiter Mirco Stodollick    

Redaktionsleiter Mirco Stodollick    

Foto: Oliver Müller

Mülheim.  Radschnellweg und Firmenlauf sind Pfunde, mit denen Mülheim wuchern kann. Aber es darf ruhig aufs Tempo gedrückt werden, Herr Verkehrsminister!

Was war das für ein Gemeinschaftserlebnis, am Mittwoch endlich mit dem Rad über die sanierte alte Eisenbahnbrücke fahren zu können – auf dem Radschnellweg Ruhr Richtung Hochschule. Am Mittwoch hat Mülheim endlich mal wieder überregional mit einer guten Nachricht Schlagzeilen gemacht. Das haben viele Bürger auffallend wohlwollend registriert. Ihnen war zum Aufatmen zumute, gibt die Stadt mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung im Land Nordrhein-Westfalen ansonsten doch in vielen Bereichen ein Bild ab, das man lieber in der Westentasche stecken lässt, als dass man es stolz zückt.

Mülheim giert nach guten Nachrichten. Da können selbst magere 1,2 Kilometer neuer Radschnellweg Glücksgefühle auslösen. Immerhin: Jetzt ist die Strecke von Hochschule (Essen) zu Hochschule (Mülheim) geschafft. Der Radschnellweg bleibt bundesweit Vorzeigeprojekt, auch wenn der große, über 100 Kilometer weite Wurf noch lange auf sich warten lassen dürfte. Was geschafft ist, kann Mülheim keiner mehr nehmen: Der Radschnellweg sorgt für Belebung, ist schon jetzt ein Aushängeschild.

Spitze Bemerkungen als Ansporn

Das Land Nordrhein-Westfalen täte gut daran, die Radwegplanung nach allen Kräften und mit kräftiger Finanzspritze zu befördern. Schneckentempo am Radschnellweg – diese spöttischen Bemerkungen, die zuletzt zurecht gefallen sind, sollten Ansporn sein, aufs Tempo zu drücken.

Noch ein Gewinn für diese Stadt ist der Firmenlauf, der diese Woche mehr als 2700 Läufer auf die Strecke brachte. Drei Mal hat der Lauf nun schon stattgefunden. Er ist beliebt, er ist gesetzt. Die Veranstalter haben ihr erfolgreiches Format auch in der Ruhrstadt etabliert. Es ist auch in Mülheim eine Erfolgsgeschichte, die hoffentlich noch lange fortgeschrieben wird.

Ein Zeichen setzen für Europa

Die Ehrenamtlichen in den Parteien rackern sich derweil ab, doch der Europawahlkampf hat es schwer, zu den Bürgern durchzudringen. Wahlkämpfer stehen sich an Wahlkampfständen oft die Füße platt, Bürger lassen sich kaum auf das Thema Europa ansprechen. Dabei ist es gerade in diesem Jahr so wichtig, sich aufzuraffen, um dem schwächelnden Europa den Rücken zu stärken.

Europa hat Frieden und Freiheit gebracht. Wenn Frieden und Freiheit weiter garantiert bleiben sollen, braucht es die Kraft der Wählerstimmen, die die europäische Idee stützen. Hoffentlich steht am kommenden Sonntagabend eine starke Wahlbeteiligung – und dann auch ein starkes Bekenntnis zu Europa.

Stadt muss ihre Hausaufgaben machen

Mülheims Politik muss dieser Tage aber nicht nur nach Europa schauen. Die Hausaufgaben zu Hause sind umfangreich genug. In Kürze dürfte nach der Grundsteuer-Debatte die Diskussion um die Zukunft des ÖPNV noch mehr Fahrt aufnehmen. Sieben Millionen Euro sind aus dem Angebot zu streichen – das wird reichlich Unmut erzeugen.

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