Senioren

Wohnstift Uhlenhorst in Mülheim feiert bewegte 25 Jahre

Fünf Menschen, die im Ev. Wohnstift Uhlenhorst arbeiten oder leben: (v.li.) Pflegedienstleiter Eric Hörnemann, Hildegard Ernst (100 Jahre alt), Krankenpflegehelferin Krystyna Sobek, Doris Kobienia (84) und Einrichtungsleiterin Gudrun Gross.

Fünf Menschen, die im Ev. Wohnstift Uhlenhorst arbeiten oder leben: (v.li.) Pflegedienstleiter Eric Hörnemann, Hildegard Ernst (100 Jahre alt), Krankenpflegehelferin Krystyna Sobek, Doris Kobienia (84) und Einrichtungsleiterin Gudrun Gross.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Seit 25 Jahren besteht das Ev. Wohnstift Uhlenhorst in Mülheim. Es ist bis heute ein besonderes Haus, nicht nur wegen des Schwimmbads.

Vor nunmehr 25 Jahren wurde das Evangelische Wohnstift Uhlenhorst eröffnet. Leiterin Gudrun Gross und Krankenpflegehelferin Krystyna Sobek haben das Haus nie verlassen - beruflich betrachtet. Auch Pflegedienstleiter Eric Hörnemann ist schon seit 18 Jahren dabei. Ein Interview.

Es gibt 17 Altenpflegeheime in Mülheim, einige auch schon sehr lange. Was ist das Besondere am Wohnstift Uhlenhorst?

Gudrun Gross Als das Haus 1994 eröffnet wurde, war das nicht weltbewegend, aber stadtbewegend. Wir bieten zu 100 Prozent Einzelappartements, jeder hat 35 Quadratmeter zur Verfügung. Das gibt es bis heute in keinem anderen Heim in Mülheim.

Heißt das, die Senioren können ihre eigenen Möbel mitbringen?

Gross Wer möchte, kann sich ein komplett leeres Appartement persönlich einrichten, bis auf das Pflegebett und den Nachttisch. Wir stellen aber auch Möbel zur Verfügung. Grundsätzlich ging es vor 25 Jahren darum, etwas Weitblickendes zu schaffen, etwas, das man sich für alle Heime wünschen würde. Dazu gehört unser hauseigenes Schwimmbad, das auch öffentlich genutzt wird.

Vermutlich hat dieser Luxus seinen Preis für die Menschen, die hier einziehen?

Gross Da in das Wohnstift Uhlenhorst Stiftungsgelder eingeflossen sind, ist es nur unerheblich teurer für die Bewohner.

Eric Hörnemann Wir liegen im gehobenen Mittelfeld und sind auf jeden Fall nicht das teuerste Altenheim in der Stadt.

Leben hier auch alte Leute, die Sozialleistungen beziehen?

Gross Ja. Das war von Anfang an so.

Sie leiten das Seniorenheim von Beginn an: Haben sich die Bewohner verändert?

Gross Auf jeden Fall. Wir haben noch ohne die Pflegeversicherung angefangen. Die wurde erst im Frühjahr 1995 eingeführt. Seitdem setzt sich immer mehr durch, dass ambulante vor stationäre Versorgung geht. Die Menschen bleiben deutlich länger zu Hause, diese Entwicklung können wir über den gesamten Zeitraum beobachten. Sie ziehen häufig erst ins Heim, wenn es gar nicht mehr geht.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Gross Die Bewohner sind schwerer pflegebedürftig als früher, viele befinden sich schon beim Einzug in einer palliativen Situation. Die Verweildauer ist deutlich kürzer.

Wer hat bisher am längsten hier gewohnt?

Gross Wir hatten eine Dame, die ist bei Eröffnung eingezogen und hat das 20-jährige Bestehen noch miterlebt. Wenig später ist sie gestorben. Früher gab es Bewohner, die keine Pflege brauchten, heute nicht mehr. Der Altersschnitt liegt mittlerweile bei 88,5 Jahren.

Ist das Pflegeteam überhaupt dafür ausgebildet, todkranke Menschen zu betreuen?

Gross Es gibt neuerdings ein Hilfskonstrukt, dass stationäre Einrichtungen einen Palliativpflegedienst hinzu ziehen können. So handhaben wir es auch, aber es ist nicht die Lösung, die wir uns wünschen. Wir würden die Menschen lieber selber rund um die Uhr versorgen und nicht noch einen externen Dienst hinzu ziehen.

Wie viele Beschäftigte haben Sie?

Gross Etwa 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind es allein in der Pflege, davon ungefähr ein Drittel in Teilzeit.

Finden Sie genügend Nachwuchskräfte?

Hörnemann Es könnten mehr sein. Wir versuchen, in jedem Ausbildungsjahr mindestens drei Schüler zu haben, momentan sind es insgesamt zwölf.

Ein großes Problem in Mülheim sind die fehlenden Kurzzeitpflegeplätze. Gibt es im Wohnstift Uhlenhorst welche?

Hörnemann Wir haben keinen eigenen Bereich dafür, bieten aber eingestreute Plätze, beispielsweise für

Menschen, die gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurden. Bei denen noch nicht klar ist, wohin die Reise geht. Fast täglich kommen hier Anfragen.

Können Sie in diesen Fällen weiterhelfen?

HörnemannMomentan haben wir leider keine freien Plätze.

Gross Die Finanzierung der Pflegeheime basiert darauf, dass die Häuser voll belegt sind. Andernfalls haben sie ein Problem. Bei der Kurzzeitpflege gibt es Stoßzeiten, vor allem in den Ferien, aber auch andere Phasen, in denen Betten leer bleiben. Anfangs hatten wir spezielle Kurzzeitpflegeplätze, haben es aber schnell aufgegeben.

Was, würden Sie sagen, ist das Herz dieses Hauses für die Bewohner und die Beschäftigten?

Krystyna Sobek Der Teamgeist ist ganz wichtig und die Liebe zu unserem Beruf.

Gross Die Architektur mit ihren Lichtkuppeln und Farben regt die Kommunikation an. Viele, die zum ersten Mal in die Halle kommen, sagen: ,Hier sieht es gar nicht aus wie in einem Altenheim.’ Übrigens bieten wir unseren Bewohnern auch schon seit 1995 Yoga an. Da waren wir dem Trend deutlich voraus.

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