KONZERT

12.000 Fans feiern Peter Maffay in der Arena Oberhausen

Von „Eiszeit“ gab es bei den Fans keine Spur: Peter Maffay heizte seinem Publikum in Oberhausen auch „Unplugged“ mächtig ein.

Von „Eiszeit“ gab es bei den Fans keine Spur: Peter Maffay heizte seinem Publikum in Oberhausen auch „Unplugged“ mächtig ein.

Foto: Jörg Schimmel

OBERHAUSEN.   Peter Maffay spielt seinen „Unplugged“-Auftritt vor textsicherem Publikum in Oberhausen. Seine Hits rocken auch akustisch lautstark.

Was wäre wohl aus Peter Maffay geworden, hätte es nicht jene legendären Tage im Juli 1982 gegeben? Da bildete sich der von seinem Tournee-Veranstalter Fritz Rau hochgeschätzte Ex-Schlagersänger nämlich ein, es gebe keinen besseren Platz, um seine noch frische Konversion zum Rocker großformatig zu zelebrieren, als ausgerechnet jenen im Vorprogramm der Rolling Stones. Uih, was flogen damals die Tomaten im Müngersdorfer Stadion, wo uns zuvor die Lokalhelden von BAP mächtig eins auf die Ohren gegeben hatten. Dass der auf Peter Alexander Makkay getaufte Rumäniendeutsche mit der raspelrauen Stimme keine einzige Schnulze ablieferte, sondern wirklich und wahrhaftig rockte, spielte nämlich keine Rolle für die erbosten Stones-Fans.

Vielleicht hätten sie sich das frugale Bombardement damals besser verkniffen, denn Peter Maffay lernte jede Menge aus dem, was er sein „Waterloo“ nannte. Und wurde in der Folge einer der erfolgreichsten Rocker der Republik. Mit 18 Nummer-Eins-Alben und über 40 Millionen verkauften Tonträgern. Dass der inzwischen 68-jährige auf seine alten Tage, die man ihm echt nicht ansieht, nun die modische „unplugged“-Tour fährt, war da längst überfällig.

Zähe Sicherheitschecks in der Kälte

Davon, dass Maffay auch stromlos mächtig abgeht, überzeugten sich jetzt gut 12.000 Fans in zumeist gesetzterem Alter, die zuvor in eisiger Kälte allen Grund hatten, über die uncool-zähen Sicherheitschecks der Köpi-Arena zu fluchen – um Schlag acht ihrem Star als in lässigem Schwarz-Weiß illustriertem Biker auf der fünfteiligen, auch später gewitzt genutzen Bühnenleinwand zu begegnen. Erster Jubel, als das Ortsschild „Oberhausen“ im Comic-Movie auftauchte, Riesenapplaus wenig später, als Maffay leibhaftig auf die Bühne sprintete, um vor großer Kulisse an seiner Wanderklampfe „Bring mich nach Haus“ anzustimmen.

Um es klar zu sagen: Das „unplugged“ war ein einziger großer Rock’n’Roll-Swindle. Von wegen filigraner Klangzauber, denn der fehlende Strom wurde mit purer Masse kompensiert. Da ersetzten gleich drei Akustik-Gitarristen unter Führung von Carl Carlton alle Electro-Power, hatte Bertram Engel, am Schlagzeug der Fels in der Brandung, einen Perkussionisten als Assistenten, stand Pascal Krevetz neben einem Flügel auch ein Rhodes und weiteres Keyboard-Gedöns zur Seite. Weitere Aktivposten im darob druckvollen Geschehen waren drei Streicher plus eine knackige Bläsergruppe, die ebenso wie die obligaten Background-Sänger alle großzügig Gelegenheit bekamen, auch solistisch zu glänzen.

Schon bei „Gelobtes Land“ riss es sein textsicheres Publikum das erste Mal aus den Stühlen – der Meister teilt ja mit Donald Trump die Vorliebe für Teleprompter, was spätestens beim gemeinsam mit dem Hamburger Singer/Songwriter Johannes Oerding gefühlsselig servierten „Eiszeit“ den ein oder anderen amüsiert haben mag.

Und natürlich: „Über sieben Brücken“

„Gemeinsam werden wir heute eine Zeitreise machen“, versprach der angenehm dezent plaudernde Rocker immer wieder seinen Fans – und kassierte prompt Pfiffe, als er statt des erwarteten „Du“ nur „So bist du“ anstimmte. Den Ralph Kunze-Schlager von 1970 gab’s natürlich gleich darauf dann doch samt kleiner Hitparade jener Jahre, die mit „Über sieben Brücken mußt Du gehn“ im Duett mit Johannes Oerding einen – Achtung: Wortwitz – hochkarätigen Höhepunkt fand.

Während die Nummern mit Paddy Kelly und Tony Carey eher unter die Rubrik „Was tut man nicht alles für alte Freunde“ fielen, durfte der Tabaluga-Song „Ich wollte nie erwachsen sein“ in Oberhausen natürlich nicht fehlen. „Eigentlich wollten wir ihn gar nicht spielen, aber dann haben wir gemerkt, dass wir ihn einfach nicht auslassen können“, so Peter Maffay, der nach zwei erstaunlich kurzweiligen Stunden plötzlich mitten im Saal sitzend mit Johannes Oerding die „Große Freiheit“ besang.

Ein feines Ablenkungsmanöver, denn die allfälligen Zugaben absolvierte der fitte Altrocker nach flottem Sprint zurück auf die Bühne nämlich vor gigantischen Verstärkerwänden voll elektrisch. Klang aber auch nicht viel anders als die „unplugged“-Chose, bei der zumindest moderate Stones-Fans nix zu meckern gehabt hätten.

>>> HITLIEFERANT UND TABALUGA-MITERFINDER

Mit 18 Nummer-eins-Alben gilt Peter Maffay als der mit Abstand erfolgreichste Künstler in den deutschen Charts.

Zudem ist er Miterfinder der Märchen- und Zeichentrickfigur Tabaluga.

Am 15. Januar 1970 veröffentlichte Peter Maffay seine erste Single „Du“, die von Michael Kunze produziert wurde.

Um 1980 vollzog Maffay einen stilistischen Wandel vom Schlagersänger zum „Deutschrocker“.

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