Prozess

17-Jähriger gesteht Messerstiche vor Internet-Café

Der nichtöffentliche Prozess wird vor dem Landgericht Essen verhandelt.

Der nichtöffentliche Prozess wird vor dem Landgericht Essen verhandelt.

Foto: Bernd Thissen/dpa

Oberhausen.   Streit um Computer-Plätze war eskaliert, ein 23-jähriger Oberhausener wurde schwer verletzt. Ein Angeklagter hat gestanden, der Zweite schweigt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es ging eigentlich nur um ein Computerspiel, doch dann floss plötzlich Blut: Vor sechs Monaten sollen zwei 17-Jährige aus Bottrop vor einem Oberhausener Internet-Café auf einen 23-Jährigen eingestochen haben. Seit Mittwoch stehen sie in Essen vor Gericht.

Dass das Opfer überlebt hat, war pures Glück. Die Stiche hatten die Lunge und eine Arterie getroffen, es war zu massivem Blutverlust gekommen. Das Leben des 23-Jährigen konnte nur eine sofortige Not-Operation retten. Wie es heißt, hat er bis heute Atemprobleme.

Es war der Abend des 13. Februar 2018, als die Angeklagten mit vier Freunden nach Oberhausen fuhren. Sie wollten in einem Internet-Café an der Saarstraße „Counter-Strike“ spielen, ein Kriegsspiel. Doch die Computer-Plätze waren besetzt.

Tatmesser auf der Toilette versteckt

Was dann passierte, ist eigentlich Kinderkram. Die einen drängelten, die anderen wollten nicht aufstehen. Es kam zu Beleidigungen, dann wurde es ernst. „Wenn ihr echte Männer seid, dann kommt nach draußen!“ So oder so ähnlich sollen die Bottroper die Oberhausener Gruppe herausgefordert haben. Kurz danach flogen auch schon die Fäuste.

Dass auch ein Messer im Spiel war, hatte das spätere Opfer gar nicht bemerkt. Erst als dem 23-Jährigen schwindlig wurde, sah er das Blut, das durch seinen Pulli sickerte. Ein Stich war in die Brust gegangen, einer in den Rücken. Die Tatmesser waren später auf der Toilette des Internet-Cafés gefunden worden – versteckt in einem Karton.

„Er war eigentlich auf einem guten Weg“

Einer der Angeklagten soll die Tat zu Beginn des komplett nichtöffentlichen Prozesses gestanden haben. Er habe niemanden töten wollen. Der zweite Angeklagte hat von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Der geständige Angeklagte war im September 2015 mit seiner Schwester aus Syrien geflohen. „Er war eigentlich auf einem guten Weg“, sagte sein Verteidiger Volker Schröder am Rande des Prozesses. „Er hat unwahrscheinlich gut Deutsch gelernt und hofft, dass seine Eltern bald nachkommen dürfen.“ Der zweite Angeklagte war mit seiner Familie aus Albanien geflohen. Auch er geht noch zur Schule.

Mit den Urteilen ist voraussichtlich im November zur rechnen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben