Corona-Pandemie

Acht Corona-Infektionen: Altenheim erlaubt trotzdem Besuche

Wohnbereichsleiterin Chantal Krause wertet einen Corona-Schnelltest im Senioren-Wohnpark Oberhausen aus.

Wohnbereichsleiterin Chantal Krause wertet einen Corona-Schnelltest im Senioren-Wohnpark Oberhausen aus.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Nach dem Corona-Ausbruch in einem Oberhausener Altenheim sind 16 Bewohner isoliert. Trotzdem hebt das Heim das strikte Besuchsverbot wieder auf.

Was schützt, kann gleichzeitig schaden: Es klingt paradox, aber alte Menschen in der Corona -Krise besonders vor einer Ansteckung zu schützen, heißt oft leider auch, sie vereinsamen schlichtweg. Im Altenpflegeheim „Senioren-Wohnpark Oberhausen “ an der Havensteinstraße mitten in der Oberhausener Innenstadt sind zurzeit 16 Menschen im vierten Stock isoliert. Acht Bewohner haben Corona, acht weitere sind in Quarantäne. Doch das strikte Besuchsverbot, in der zweiten November-Woche verhängt, wird jetzt aufgehoben – weil der Betreiber Emvia living aus Hamburg aufwendig testen lässt.

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Chantal Krause zielt dem Besucher sofort auf die Stirn. Fieber messen, nach Symptomen fragen, eine FFP2-Maske in die Hand geben und einen Schutzkittel umbinden: Jeder, der den „Senioren-Wohnpark Oberhausen“ besuchen möchte, muss erst einmal an der 23-jährigen Wohnbereichsleiterin vorbei.

Ab Montag: Angehörige dürfen mit Anmeldungen ihre Liebsten wiedersehen

Sie sei extra dafür abgestellt worden, sagt Chantal Krause. Das Teststäbchen schiebt sie zwar den Besuchern vorsichtig in Mund und Nase – unangenehm ist’s trotzdem. Ein paar Minuten vergehen, dann gibt sie grünes Licht, wenn der Antigen-Schnelltest auf eine Corona-Infektion negativ ist.

„Ab Montag werden wir wieder Besuche zulassen“, sagt Dagmar Lukanowksi, 54 Jahre alt, Regionalleiterin bei Pflegeheimbetreiber „Emvia Living“. Die Tür wieder für Besucher zu öffnen, obwohl mehrere Bewohner isoliert sind und eindeutig positiv, das sei eng mit dem Gesundheitsamt der Stadt Oberhausen abgestimmt. Es ist erlaubt, weil eben alle Besucher ohne Ausnahme mit Schnelltests auf Corona getestet werden – jedes Mal. „Wir achten weiter auf alle Anzeichen für Symptome und haben alle Bewohner und Mitarbeiter bereits zweimal getestet.“ Für die 55 bis 98 Jahre alten Bewohner heißt das, sie dürfen, wenn sie negativ sind, endlich ihre Familie und Freunde wiedersehen – zumindest diejenigen, die nicht im Isolierbereich leben müssen. Ein Stück Normalität in der Krise.

Sozialleben für die Bewohner ermöglichen

Emvia-Pressesprecher Alexander Bätz beschreibt das Konzept aus der Hamburger Unternehmenszentrale so: „Wir wollen natürlich, dass alle bei uns sicher sind. Allerdings wollen wir für unsere Bewohner auch ein Sozialleben – statt nur ein Überleben.“ Daran änderten neue Fälle wenig.

In der zweiten November-Woche waren zwei Bewohner des Heims positiv getestet worden. Die Corona-Infektionen wurden allerdings erst bemerkt, als ein Pflegebedürftiger im Krankenhaus bei einem Routinetest positiv auffällt. Danach wurden alle Bediensteten und alle Bewohner getestet – die Zahl der positiven Fälle stieg in diesem Oberhausener Altenheim auf acht an. Der vierte Stock wurde fortan zur Isolierstation.

Jeder, der diese Station betritt, muss zuvor einen Schutzkittel anziehen, Hände desinfizieren, eine FFP2-Einwegmaske aufsetzen und schriftlich bestätigen, dass er symptomfrei ist. Tritt man aus dem Aufzug in die Isolierstation der obersten Etage, dann fällt auf: Sie ist mit mehreren Folien und einem Holzgestell als Eingang strikt abgetrennt vom restlichen Bereich des Heimes. Im Aufenthaltsraum darf sich niemand aufhalten, jeder Bewohner erhält sein Essen auf seinem Zimmer.

Heinz Willmann ist trotzdem gut gelaunt, obwohl er dort lebt, wo anderen mulmig ist. Der 79-Jährige hat glücklicherweise kein Corona, doch sein Zuhause ist die vierte Etage im Senioren-Wohnpark. Er ist in Quarantäne. „Sonst kommt mein Bruder regelmäßig – das geht aber jetzt nicht“, sagt er. Bis auf Fernsehen und Lesen vergeht die Zeit für ihn quälend langsam.

Impfstoff weckt Hoffnung bei Bewohner

„Bevor der Virus noch weiter herumgrassiert, muss man sowas machen“, zeigt Heinz Willmann volles Verständnis für seine Isolation. und würde sich auf jeden Fall impfen lassen.

Heimleiterin Daniela Wolff (40) versprüht aus anderen Gründen Zuversicht. Sie weist auf den Einsatz ihrer Mitarbeiter hin: Schließlich schieben vier Pfleger und zwei Betreuer zurzeit Zwölf-Stunden-Schichten, damit das Virus nicht auf den Rest des Altenheims übergreift; und die Betroffenen dennoch so etwas ähnliches wie einen Alltag mit Angeboten wie Gedächtnistraining oder Seniorengymnastik nutzen können. Sie sei sich sicher: „Wir haben ein gutes Team beisammen.“

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