Kirchturmläuten

Anwohner beschwert sich über das Läuten der Herz-Jesu-Kirche

Dieter Florek ist es zu laut auf seinem Balkon im Pacelli-Seniorenquartier. Ihn stört besonders, dass die Glocke der Herz-Jesu-Kirche alle Viertelstunde läutet.

Foto: Udo Gottschalk

Dieter Florek ist es zu laut auf seinem Balkon im Pacelli-Seniorenquartier. Ihn stört besonders, dass die Glocke der Herz-Jesu-Kirche alle Viertelstunde läutet.

Oberhausen.  Dieter Florek ist es auf seinem Balkon zu laut. Schon 2016 hat er gegen das Glockenläuten geklagt und verloren. Er fordert eine neue Messung.

Was die einen als Wohlklang empfinden, ist für andere eine unzumutbare Lärmbelästigung: Kirchturmglocken. Dieter Florek, seit fünf Jahren Bewohner eines Appartements im Pacelli-Seniorenquartier in der Alten Mitte, hat den Kampf gegen das Läuten der Herz-Jesu-Kirche, gegen das er bereits 2016 beim Verwaltungsgericht Düsseldorf klagte und verlor, wieder aufgenommen.

Der Grund: Während der Renovierungsarbeiten wurde das Läuten rund ein Jahr lang eingestellt, „aus Sicherheitsgründen“, wie Kirchen-Verwaltungsleiter Georg Köther betont. Nun läuten sie wieder und geben Dieter Floreks Ärger darauf, dass er den Klang ertragen muss, frische Nahrung. Sein „Recht auf ruhiges Seniorenwohnen“ werde beeinträchtigt. „Niemand darf gezwungen werden, an der Religionsausübung anderer beteiligt zu werden“, schimpft er. Stört das Läuten der Glocken auch seine Haus-Mitbewohner? „Die sagen, dass ich gegen Kinder und Kirche nichts machen kann.“

„Ein Kulturgut“

„Es war das erste und einzige Mal während der 21 Jahre, in denen ich dort Pfarrer war, dass sich jemand über die Glocken beschwert hat“, sagt Stadtdechant Peter Fabritz. Zu Beginn des Beschwerde-Marathons von Dieter Florek hatte er noch auf ein Einsehen des neuen Nachbarn gesetzt: „Ich hoffe, dass Sie sich mit den Glocken anfreunden können“, hatte er in einem Schreiben auf den Vorwurf der Lärmbelästigung reagiert. Bis heute kann Fabritz die Kritik am Glockenklang – für ihn „ein Kulturgut“ – nicht verstehen: „Die Glocken sind gedämpft und gelten als besonders gut, weil sie aus Bronze gegossen sind.“

Das Besondere: Herz-Jesu läutet nicht nur aus sakralen Gründen, sondern zusätzlich alle 15 Minuten die Uhrzeit ein. Das geschieht allerdings nur zwischen sieben und 22 Uhr, dann ist Nachtruhe angesagt. Genau dieses Zeitläuten ist ein Klang, der tatsächlich unter die Lärmschutzordnung fällt, und gegen den eine Klage möglicherweise Aussicht auf Erfolg hat.

Läuten wurde schon 2013 gemessen

Das Bundesimmissionsschutzgesetz kommt zum Tragen, es kommt auf Grenzwerte an. Die wiederum wurden, was eine Messung vom Oktober 2013 ergab, auf Dieter Floreks Balkon nicht überschritten – weder gemessen über den ganzen Tag noch zu den so genannten kurzzeitigen Geräuschspitzen.

Auch wenn Florek der Meinung ist, dass die Messung wiederholt und das sakrale Läuten mit berechnet werden muss, so ist die Rechtsprechung in Deutschland anderer Ansicht: Das liturgische Glocken­läuten ist laut Bundes­verwaltungs­gericht keine schädliche Lärm­immission, sondern eine zumutbare, sozial­adäquate und allgemein akzeptierte Äußerung kirchlichen Lebens.

>>> Glocken läuten zu vielen Anlässen

Kirchenglocken, die für sakrales Glockengeläut verantwortlich sind, werden nach einer Läuteordnung geläutet, in der festgelegt wird, zu welchem Anlass eine oder mehrere Kirchenglocken geläutet werden dürfen. Dabei wird differenziert zwischen Angelus Domini, Betzeitläuten, Gebets- und Gedächtnisläuten, Läuten während gottesdienstlicher Handlungen und dem Läutezyklus der Heiligen Woche. Das Angelusläuten ist ein Läuten der katholischen Kirche, welches – außer in der Zeit von Gründonnerstag bis Ostersonntag – dreimal täglich stattfindet.

Das Betzeitläuten hingegen wird von den protestantischen Kirchen ausgeübt. Wie oft und zu welcher Zeit die Glocke läutet, ist regional verschieden. Gebets- und Gedächtnisläuten wird sowohl bei den Katholiken als auch bei den Protestanten praktiziert. Es findet drei Mal am Tag statt und soll die Gläubigen daran erinnern, ein Gebet zu sprechen. Vor und während eines Gottesdienstes werden aus verschiedenen Anlässen die Glocken geläutet.

Der Läutezyklus der Heiligen Woche bezieht sich auf die Osterwoche. Die Tradition des Kirchengeläuts ist durch die Religionsfreiheit im deutschen Grundgesetz geschützt. Auch das weltliche Läuten wie der Uhrschlag wird in der Läuteordnung geregelt.

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