Gewerkschaft NGG

Armutsrisiko in Oberhausen: Wenn Kinobesuch zum Luxus wird

Wenn das Geld nicht reicht, entscheiden sich einige Menschen fürs Betteln auf der Straße.

Wenn das Geld nicht reicht, entscheiden sich einige Menschen fürs Betteln auf der Straße.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Oberhausen.  36.500 Teilzeit- und Minijobber sind aus Sicht der Gewerkschaft NGG in Oberhausen von Armut bedroht. Arbeitgeber und Politik in der Pflicht.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Von Armut bedroht trotz Job: Diese Gefahr sieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für die rund 36.500 Teilzeit- und Minijobber in Oberhausen. „Insbesondere Frauen, die halbtags oder nur einzelne Tage in der Woche arbeiten, fehlt am Monatsende das nötige Geld“ sagt Gewerkschaftssekretär Adnan Kandemir. „Für viele Familien in der Stadt ist ein Kinobesuch oder ein neuer Schulranzen längst zum Luxus geworden.“

Die Gewerkschaft beruft auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach ist jeder fünfte Haushalt (19,2 Prozent) im Regierungsbezirk Düsseldorf armutsgefährdet. Im Jahr 2005 waren es noch 14,6 Prozent. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat.

Arbeitgeber in der Mitverantwortung

Kandemir warnt vor einer „Schieflage in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt“. Es könne nicht sein, dass sich Tausende nötige Dinge des Alltags nicht mehr leisten könnten. „Dafür haben aber auch die Arbeitgeber eine Mitverantwortung. Wer sich um Tarifverträge drückt und auf prekäre Jobs statt Vollzeitstellen setzt, der sorgt für magere Lohnzettel“, kritisiert er.

So käme eine Teilzeitkraft, die 25 Wochenstunden in einer Bäckerei oder Fleischerei arbeitet, die nicht nach Tarif zahlt, auf einen Verdienst von durchschnittlich rund 1000 Euro brutto im Monat. Die Armutsgrenze für eine Familie mit zwei Kindern liegt nach amtlicher Definition hingegen bei aktuell 2.174 Euro pro Monat – netto. „Längst nicht nur Alleinerziehende, sondern zunehmend auch Doppelverdiener haben Schwierigkeiten, über diese Grenze zu kommen. Die Leidtragenden sind oft die Kinder“, so Kandemir.

Politik muss nachbessern

Auch eine Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zieht die Gewerkschaft heran: Demnach stehen den ärmsten zehn Prozent der Paarhaushalte lediglich 44 Euro monatlich pro Kind für Freizeit, Sport und Kultur zur Verfügung. Bei einer durchschnittlichen Familie sind es 123 Euro, bei den reichsten zehn Prozent 257 Euro.

Auch die Politik sei viel stärker gefordert. „Das neue Bildungs- und Teilhabegesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber nicht“, betont Kandemir. Nach dem Gesetz gibt es für Kinder in Hartz-IV-Familien und Geringverdiener-Haushalten seit August einen Zuschuss von 150 Euro pro Schuljahr – etwa für Bücher oder Lernsoftware.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben