Verkehrsmoral

Auf Oberhausens Straßen geht es immer aggressiver zu

Viele Autofahrer beklagen, dass im Straßenverkehr immer mehr gehupt und gedrängelt wird.

Viele Autofahrer beklagen, dass im Straßenverkehr immer mehr gehupt und gedrängelt wird.

Foto: dpa

Oberhausen.   Drängeln, hupen, rasen: Die Sitten im Straßenverkehr sind rau, finden Autofahrer und auch die Polizei. Das zu beweisen, ist allerdings schwierig.

Schnell noch bei Gelb über die Ampel fahren, beim Spurwechsel den Blinker vergessen oder am Stoppschild nicht vollständig abbremsen. Im Straßenverkehr geht es hektischer und auch aggressiver zu. Diesen Eindruck haben nicht nur viele Autofahrer, sondern auch Polizeipräsident Ingolf Möhring und Julitta Gotzner, Leiterin der Verkehrsdirektion. „Wenn ich mal bei Gelb über die Ampel fahre, weil ich nicht mehr hätte bremsen können, und dann sehe, dass noch zwei Autos hinter mir gefahren sind, dann muss ich schon mit dem Kopf schütteln“, sagte Möhring bei der Vorstellung der Unfallbilanz.

Zahlen gibt es für den Sittenverfall im Verkehr nicht

Messen kann die Polizei diesen gefühlten Sittenverfall aber nicht. „Dazu gibt es keine validen Zahlen“, sagt Polizeisprecher Axel Deitermann. Fakt ist allerdings, dass die Zahl der Unfälle, die durch zu schnelles Fahren verursacht wurden (+18 Prozent) und bei denen der Verursacher unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand (+7 Prozent), gestiegen sind. So steht es im Verkehrsbericht 2018. Unfälle mit schweren Folgen würden häufig durch zu hohe Geschwindigkeit verursacht. „Ob dahinter aber ein besonders aggressives Verhalten steckt, ist schwer nachzuweisen“, sagt Axel Deitermann.

Diese Unfallursachen – Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen sowie die „missbräuchliche Nutzung von elektronischen Geräten“ – versucht die Polizei durch Kontrollen und Prävention zu bekämpfen. „Multi-Tasking ist nicht immer cool“, gibt Julitta Gotzner mit Hinblick auf das Telefonieren und Schreiben von Nachrichten am Steuer zu bedenken. „Die Folgen stehen in keinem Verhältnis zur Zeitersparnis.“

Wenn der Uniformträger am Stoppschild steht

Die Polizei beteiligt sich regelmäßig an Aktionstagen, um gezielt auf diese Gefahren hinzuweisen. Man könne aber nicht alle Verkehrsverstöße durch Kontrollen verhindern. „Wenn Sie einen uniformierten Beamten an eine Kreuzung stellen, dann fährt bestimmt niemand einfach so über das Stoppschild“, glaubt Gotzner. Die Polizei versucht auch, Autofahrer über aktive Pressearbeit auf Fehlverhalten im Straßenverkehr hinzuweisen und die Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren. „Es lässt sich immer schwer messen, wie viel wir mit den Präventionsmaßnahmen verhindert haben.“

Höhere Strafen für zu schnelles Fahren wie in den europäischen Nachbarstaaten oder Geschwindigkeitsbeschränkungen könnten laut Polizeisprecher Deitermann ebenfalls zu rücksichtsvollerem Fahren führen. Dabei sei aber immer zu bedenken, dass der Verkehrsteilnehmer nicht davon ausgehe, erwischt zu werden und somit nicht unbedingt an die Folgen denke.

Polizei verzeichnet mehr Unfallfluchten

Die Verkehrsunfallentwicklung zeigt auch, dass es 2018 im Vergleich zum Vorjahr mehr Unfallfluchten gab. Die Zahl ist um 6,8 Prozent auf 1786 Unfallfluchten gestiegen.

Wurde bei einem Unfall jemand verletzt, gab es weniger Unfallfluchten. Nur in 49 Fällen (- 34,7 Prozent) ließ der Unfallverursacher eine verletzte Person am Unfallort zurück, ohne sich zu kümmern. Die Aufklärungsquote bei Unfallfluchten ist leicht gesunken auf 38,5 Prozent.

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