Betriebsrat

Betriebsräte vom Aquazoo Sea Life kämpfen um Mitbestimmung

DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann (Mitte) traf sich in Oberhausen mit den Betriebsräten von Sea Life.

DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann (Mitte) traf sich in Oberhausen mit den Betriebsräten von Sea Life.

Foto: Michael Dahlke

Oberhausen.   Die Betriebsräte von Sea Life haben mehrere Preise gewonnen. Vom Arbeitgeber erfahren sie keine Unterstützung, einem Mitglied droht die Kündigung. 

Gleich in zwei Kategorien wurden die Betriebsräte des Oberhausener Aquazoos Sea Life mit dem Deutschen Betriebsrätepreis ausgezeichnet. Die Sonderauszeichnung „Fair statt prekär“ erhielten die Arbeitnehmervertreter, weil sie sich gegen ihre drohende Auflösung wehrten. Von ihrem Arbeitgeber, insbesondere vom englischen Mutterkonzern Merlin Entertainment, erfährt der Betriebsrat aber immer noch kaum Unterstützung.

„Viele den Mitarbeitern zustehende gesetzliche Rechte haben wir uns in den vergangenen Jahren hart erkämpfen müssen“, sagt Betriebsratsvorsitzender Sebastian Krüger.

Dabei, so meint er, sollte vieles davon eine Selbstverständlichkeit sein, etwa Lohnfortzahlungen bei Urlaub oder Krankheit sowie Überstundenanträge. „Wir haben viel erreicht, aber immer noch große Hürden“, sagt Krüger. Es gebe beispielsweise keinen Tarifvertrag, die 70 bis 80 Mitarbeiter in Teil- und Vollzeit werden derzeit knapp über dem Mindestlohn bezahlt.

DGB-Chef Reiner Hoffmann zu Gast in Oberhausen

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, der zu der Gesprächsrunde der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gekommen war, hob die hohe Kompetenz der Mitarbeiter hervor. „Die Bezahlung entspricht nicht dem, was die Mitarbeiter im Aquazoo jeden Tag leisten“, sagt der Vorsitzende.

Und Branchensekretär Thomas Schicktanz (IG BAU), der den Betriebsrat von Sea Life unterstützt, betonte, dass das Unternehmen Gespräche mit der Gewerkschaft schon seit Jahren verweigere. Der Zusammenhalt und das Engagement des Betriebsrats und der Belegschaft seien aber trotz der widrigen Umstände vorbildlich.

Er habe in den vergangenen Jahren schon zahlreiche Geschäftsführer erlebt, die zwar mit Zahlen, aber nicht mit Menschen arbeiten könnten. „Der Betriebsrat fängt deswegen immer wieder bei Null an“, beklagt er.

Wir müssen unsere Rechte immer wieder einfordern“

Viele Berichte und Weisungen, erklärt Betriebsratsvorsitzender Krüger, seien zudem auf Englisch, was für einige Mitarbeiter schwierig zu verstehen ist. Auch dass Betriebsvereinbarungen, die laut Gesetz zwingend und unmittelbar umzusetzen sind, eingehalten werden, sei keineswegs üblich. „Wir müssen unsere Rechte immer wieder einfordern, oft dauert es Jahre bis zur Ausführung“, erklärt Krüger.

Mit dem Management vor Ort klappe die Zusammenarbeit mittlerweile recht gut. Aber: „In einem globalen Unternehmen, dessen Struktur größtenteils unverständlich bleibt, ist es unfassbar schwierig, den richtigen Ansprechpartner zu finden“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Das liege vor allem daran, dass hinter Sea Life ein englischer Konzern stecke, dem nicht an der Mitbestimmung von Betriebsräten und Mitarbeitern gelegen sei. „Das gibt es in vielen Ländern nicht, so dass wir oft scheitern, sobald unser Management vor Ort nicht mehr zuständig ist“, erklärt Krüger.

Er fordert ein einheitliches europäisches Betriebsverfassungsgesetz, um Standards einzuführen, an die sich alle Unternehmen bei der Mitarbeiterführung halten müssen. Denn nach jetzigem Stand wüssten die Betriebsräte von Seal Life selten, ob die Vereinbarungen, die an einem Tag geschlossen wurden, am nächsten noch gelten.

Fall landet im Mai vor Gericht

Und nun droht einem Betriebsratsmitglied auch noch die Kündigung. „Dafür ist aber die Zustimmung des Betriebsrats notwendig. Und die hat er nicht erteilt“, erklärt Schicktanz. Das Unternehmen entschloss sich deswegen, den Fall vor Gericht zu bringen, um die Kündigung zu erwirken. Im Mai wird nun vor dem Arbeitsgericht verhandelt.

Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, konnten die Beteiligten keine näheren Angaben zum Kündigungsgrund machen.

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