Konversionstherapie

Oberhausener Chefarzt: Umpolen von Homosexuellen verbieten

Wer homosexuelle Menschen unter 18 Jahren mit einer „Konversionstherapie“ umzupolen versucht, muss künftig mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Ein Chefarzt aus Oberhausen hält ein generelles Verbot der Konversionstherapie für sinnvoll.

Wer homosexuelle Menschen unter 18 Jahren mit einer „Konversionstherapie“ umzupolen versucht, muss künftig mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Ein Chefarzt aus Oberhausen hält ein generelles Verbot der Konversionstherapie für sinnvoll.

Foto: imago

Oberhausen.  Oberhausener Chefarzt hält den Gesetzesentwurf von Jens Spahn, der Konversionstherapien für unter 18-Jährige verbietet, für einen guten Anfang.

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Mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr muss künftig rechnen, wer homosexuelle Menschen unter 18 Jahren mit einer „Konversionstherapie“ umzupolen versucht. So sieht es der Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor. Das Bewerben, Anbieten und die Vermittlung entsprechender Therapien sollen demnach möglichst ab Anfang 2020 verboten sein. Redakteurin Barbara Hoynacki sprach mit Dr. Jörg Signerski-Krieger, Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Katholischen Klinikum Oberhausen, über dieses politische Signal.

Halten Sie Jens Spahns Gesetzentwurf für schlagkräftig genug?

Signerski-Krieger: Der Entwurf ist ein Anfang und ein mutiger Schritt, weil der Bundesgesundheitsminister damit auch vielen Leuten auf die Füße tritt. Es wird Zeit, diesen Therapien einen Riegel vorzuschieben. Denn es gibt für sie keinerlei Rechtfertigung. Dort wird verkauft, was nicht geht: Es ist nicht möglich, eine sexuelle Orientierung zu verändern. Wer dies versucht, richtet massiven Schaden an.

Mit welchen Folgen für die Betroffenen?

Signerski-Krieger: Mit fatalen, zum Beispiel schweren Depressionen bis hin zur Selbsttötungsabsicht. Ich selbst habe einen jungen Mann behandelt, der eine solche Konversionstherapie durchlaufen hat. Der 25-Jährige war gut in seine Gemeinde integriert, war dort geachtet. Dann offenbarte er seine Neigung und prompt wurde ihm „Hilfe“ bei einem so genannten Konversionstherapeuten in Berlin angeboten. Der Mann war wohl ein ehemaliger Priester. Als unser Patient endlich die Kraft fand, sich an uns zu wenden, war er bereits hochgradig traumatisiert.

Was passiert bei einer solchen angeblichen Therapie?

Signerski-Krieger: Das meiste davon liegt im Dunkeln. Ich habe von Elektroschocks gehört und von Lichttherapie. Keine dieser Anwendungen ist wissenschaftlich anerkannt. Es gibt keine Leitlinien, an die sich die Therapeuten halten müssen, und keine Ärzte- oder Psychotherapeutenkammern, die die Behandlungen überwachen und an die man sich als Patient wenden kann, wenn etwas schief läuft. Genau das aber macht diese Therapien so riskant.

Welchen Rat können Sie jungen Menschen geben, die mit ihrer sexuellen Identität hadern?

Signerski-Krieger: Finger weg von Konversionstherapien! Auch wenn die Familie oder das Umfeld Druck ausübt: Weigert euch, daran teilzunehmen! Die Aidshilfe Oberhausen, als Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung, bietet rund um das Thema Homosexualität eine psychosoziale Beratung an, auch telefonisch. Es gibt viele Hilfsangebote.

Ausgerechnet bei Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren soll das neue Gesetz aber künftig nicht gelten, wenn der Behandler nachweisen kann, dass der junge Mensch die notwendige Einsichtsfähigkeit in die Tragweite der Behandlung besitzt...

Signerski-Krieger: Das halte ich für kritisch. Denn gerade die Pubertät beinhaltet ja die sexuelle Findungsphase. In dieser Zeit sind junge Menschen sehr beeinflussbar, vor allem von ihren Familien, ihrem Umfeld. In diesem Punkt sollte nachgebessert werden. Noch ist das Gesetz nicht verabschiedet.

Auch junge Leute über 18 Jahren sind von dem Verbot ausgenommen. Wie stehen Sie dazu?

Signerski-Krieger: Konversionstherapien sollten generell und unabhängig vom Alter verboten werden.

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