100. Geburtstag

Die taffe Tetta wirft auch in 100 Jahren nichts aus der Bahn

Margarete Peters feiert am Mittwoch ihren 100. Geburtstag im Josefinum.

Margarete Peters feiert am Mittwoch ihren 100. Geburtstag im Josefinum.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Die Zeit sei schnell vergangen, sagt Margarete Peters. Zum 100. Geburtstag fehlen zwar die Kerzen, aber Pläne hat die Oberhausenerin immer noch.

Margarete Peters hat eine Grenze überschritten: Sie ist seit Mittwoch genauso alt wie das Bauhaus oder die Weimarer Republik – wenn diese so alt geworden wäre. Eine große 100 prangt daher auf ihrer kleinen Torte ohne Kerze im Josefinum an der Mülheimer Straße. Hier, im Pflegeheim, lebt sie seit fünf Jahren.

Kinder hat sie zwar keine, aber dafür sind alle ihre Nichten und Neffen gekommen, um ihr zu gratulieren. Bei Kaffee, Kuchen, Schnittchen und kaltem Büfett blickt sie zurück. Die Zeit sei schnell vergangen, sagt die frischgebackene Hundertjährige. Alt fühle sie sich deshalb nicht. „Wer arbeitet, wird nicht so schnell alt.“

Die Tante bildet sogar die Nichte aus

Allein in Deutschland leben Tausende Menschen, die älter als 100 Jahre alt sind – und ihre Zahl steigt stetig. Studien zeigen, dass sie nicht nur ein langes, sondern oft zufriedenes Leben führen. Jüngere können von Menschen wie Margarete Peters sicher viel lernen – das findet zumindest ihre Nichte Vera Muthmann. Denn gelernt hat sie von ihrer Tante, die alle nur „Tetta“ rufen, sogar den eigenen Beruf. Auch uns erlaubt die 100-Jährige, den Spitznamen zu nutzen.

„Tetta hat von 1960 bis 1981 elf Lehrlinge mit Erfolg im Groß- und Außenhandel ausgebildet und etliche Bürokräfte geleitet“, erzählt die Nichte. Und einige Lehrlinge sind sogar ins Pflegeheim gekommen, um Margarete Peters zu gratulieren. Diese sind sich einig: Tettas Ton sei streng gewesen und ihr Humor bis heute trocken. Wenn sie im Lotto gewänne, kaufe sie das Josefinum. „Dann kümmere ich mich energisch um die Buchhaltung“, soll sie erst kürzlich ihrem Wunsch Nachdruck verliehen haben.

Bis 1985 ist Tetta zusammen mit ihrem Bruder Theo Chefin eines Lebensmittelgroßhandels der Familie in Duisburg. Ware bestellt sie in Frankreich, Spanien oder in der Türkei, ihr Bruder tingelt durch Europa, sie managt die Finanzen, wie man heute sagen würde. Die Zahlen hat sie dabei stets im Blick. Erst als ihr Mann verstirbt, gönnt sich Tetta einige Reisen; entdeckt Moskau und St. Petersburg, die Toskana bis Neapel und die Kanarischen Inseln. Für eine Frau mit Geburtsjahr 1919 ungewöhnlich: Sie arbeitet ihr ganzes Leben.

Krieg, Krise, Kohle: Tetta kann nichts aus der Bahn werfen

Betriebsprüfungen durch das Finanzamt, die Kriegszeiten als alleinige Chefin und die Erweiterung zum Kohlehandel: Tetta ist taff, meistert alles allein und leitet die Geschäfte bis zur Rückkehr ihres Bruders Theo aus russischer Gefangenschaft bravourös. „Mir war nie langweilig, weil ich immer viel zu tun hatte“, sagt Margarete Peters und lehnt dankend ein Stück Kuchen ab. Ihren Sekt gönnt sie sich. Der schmeckt ihr allerdings nicht wirklich.

„Ein wenig lasch“, konstatiert die 100-Jährige. Es sei kein Alkohol drin, entgegnet ihr eine Pflegekraft. Kein Wunder, dass der Sekt ihr nicht mundet. „Ich habe immer alles gegessen, was lecker ist“, betont die Jubilarin und stellt für alle anderen fest, dass Verzicht kein Schlüssel für ein hohes Alter ist. Der Tipp: Gönn’ dir mal was, wird sicher viele freuen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben