Tag der Trinkhallen

Diese Oberhausener Bude ist Dorfzeitung und Seelentröster

Drei Damen vom Kiosk: Zum eingeschworenen Trinkhallen-Team gehören neben Bärbel Peters (Mitte) Ellen Czekalla (li.) und Birgit

Foto: Kerstin Bögeholz

Drei Damen vom Kiosk: Zum eingeschworenen Trinkhallen-Team gehören neben Bärbel Peters (Mitte) Ellen Czekalla (li.) und Birgit

oberhausen.   Der Kiosk von Bärbel Peters ist manchem Borbecker ein zweites Wohnzimmer. Beim Tag der Trinkhallen steigt hier eine Party mit DJs und Würstchen.

„Am Anfang war es ein Kampf“, erzählt Bärbel Peters von der ersten Zeit in Borbeck. „Das ist ja wie ein Dorf hier.“ Doch seitdem sie das Büdchen in der Ankerstraße übernommen hat, sind zwölf Jahre vergangen und die Chefin mitsamt ihres Teams ist inzwischen nicht nur von der Dorfgemeinschaft akzeptiert: Sie gehören zur Familie. So fühlen sich die drei Frauen zumindest, die von 7 bis 20 Uhr den Laden schmeißen. Und dieses Gefühl wollen sie an ihre Kunden weitergeben.

„Wir haben hier alle sozialen Schichten“, sagt Bärbel Peters, „meine Hausärztin, ein Pilot.“ Irgendwann braucht jeder mal was vonne Bude. Die Kinder tauschen vor der Schule schon ihr Taschengeld gegen Süßigkeiten, mittags stehen die afrikanischen Arbeiter aus dem nahegelegenen Gewerbegebiet Schlange. „Die wollen ihr Handy-Guthaben aufladen und rufen schon von Weitem: ,Lyca! Lyca!“

Nachmittags finden sich die Stammkunden zum Plausch ein. Was ist wem wo und wann passiert? Sie seien so etwas wie die „Dorfzeitung“, sagen die Frauen lachend. „Manche wollen einfach nur was erzählen“, sagt Birgit, eine gute Freundin und Mitarbeiterin von Bärbel Peters. „Die Tochter ist krank, der Hund ist tot. Das ist hier auch ein Stück Seelsorge.“

„Wie immer?“ – „Wie immer!“

Eingekauft wird natürlich auch – manchmal sogar ohne Worte. Da stellt einer seine Tasche auf den Tresen, bekommt Zigaretten oder sein Bier, bezahlt und geht. Oder es heißt: „Wie immer?“ – „Wie immer!“ Abends kommt immer einer, erzählt Bärbel Peters, der verlange nach „klein“ oder „groß“. Die 56-Jährige kennt des Rätsels Lösung: „Klein heißt zwei Flaschen Bier und ein Jägermeister, bei groß kommt noch eine Packung West dazu.“

Nach Feierabend schneien auch diejenigen rein, die hektisch suchen, was sie beim letzten Einkauf nicht auf dem Zettel hatten: „Was die Leute so vergessen“, sagt Birgit, „das ist Wahnsinn: Binden, Backpulver.“ So haben sie nach und nach ihr Sortiment erweitert. Eine Ecke hat was von Mini-Supermarkt. Ein Pluspunkt für die Nachbarschaft, die in den letzten Jahren den Niedergang des Einzelhandels erlebt hat: Edeka, Getränkemarkt, Schlecker, Friseur – alles geschlossen.

Zum Glück wird die Arbeit ihnen gedankt

Bärbel Peters liebt ihren Beruf, sonst könnte man das Arbeitspensum vermutlich auch nicht schaffen: Um halb sechs ist sie mit Birgit in der Metro, ab halb sieben räumen sie im Büdchen die Regale ein, arrangieren die Zeitungen, backen ihre beliebten Brötchen auf. Bevor sie gemütlich mit Kunden am Stehtisch stehen können, haben sie ein ganzes Stück Arbeit hinter sich.

Zum Glück wird es ihnen gedankt. Dario, der gerade vorbeikommt und von seiner Prüfung zum Maler und Lackierer erzählt, würde sein Bier niemals woanders kaufen. „Das wäre Budenbruch“, sagt der 23-Jährige voll Inbrunst. Bärbel Peters lacht ihr herzliches Lachen, für das sie ihre Kunden lieben.

>>>>> Ruhrtourismus huldigt dem Buden-Kult

Sieben Trinkhallen machen in Oberhausen am 25. August mit beim „Tag der Trinkhallen“. An dreien stellt der Veranstalter Ruhrtourismus eine Bühne auf.

Am Kiosk von Bärbel Peters legen die Oberhausener DJs Señor 45 und Jan Mooren mit ihrer Kölner Kollegin Kitty Atomic poppige Vinylschätze auf. Mehr Infos online: tagdertrinkhallen.ruhr.

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