Straßenschreiber

Ein Berliner Schriftsteller für die Oberhausener Innenstadt

Oberhausen? Hier ist’s Berlin: Aus der Hauptstadt zieht der Romancier Ralph Hammerthaler

Foto: Stephan Pramme

Oberhausen? Hier ist’s Berlin: Aus der Hauptstadt zieht der Romancier Ralph Hammerthaler Foto: Stephan Pramme

Oberhausen.  Das Literaturhaus gewinnt Ralph Hammerthaler aus Berlin als „Straßenschreiber“. Der 51-jährige Autor wohnt und schreibt vier Wochen in Oberhausen.

„Die ersten Eindrücke von Oberhausen“, meint Harald Obendiek cool, „haben ihn nicht abgeschreckt“. Im Gegenteil: Von Mitte November bis Mitte Dezember wird der Romancier, Dramatiker und Opern-Librettist Ralph Hammerthaler eine möblierte Wohnung an der Marktstraße beziehen, um als „Straßenschreiber“ von den Geschäftsleuten und Gastronomen dieser knapp zwei Kilometer zu erzählen.

Den Coup landete der junge Verein Literaturhaus mit Domizil an der Markstraße 146. „Wir stemmen es aus eigener Kraft“, betont Harald Obendiek vom Literaturhaus. Zuvor allerdings waren die Literaturhäusler vom Kulturbüro („nicht mehr in diesem Jahr“) vertröstet worden, nachdem es vorher noch geheißen hatte, „Ecce“, der Dortmunder Fördergeld-Verteiler für Kreativquartiere, habe noch 5000 Euro übrig. Stattdessen fand der inzwischen als gemeinnützig eingetragene Literaturhaus-Verein selbst ein Dutzend williger Förderer.

Schon in Dresden als Stadtschreiber gewirkt

Der aus Wasserburg am Inn gebürtige Wahl-Berliner Ralph Hammerthaler hatte sich im Literatur-Café im April mit „Kurzer Roman über ein Verbrechen“ vorgestellt. So erfuhr Hartmut Kowsky-Kawelke, der Literaturhaus-Vorsitzende, dass dieses Werk auf der zweimonatigen Stadtschreiber-Zeit des Autors im brandenburgischen Rheinsberg gründet. In Dresden hatte Hammerthaler auch schon als Stadtschreiber gewirkt. Eine Idee war geboren.

„Wir wollen gerne eine Rolle bei der Entwicklung der Markstraße spielen“, sagt Kowsky-Kawelke. Allerdings eine künstlerische, keine kaufmännische. In welche literarische Form der 51-jährige Autor seine Gespräche mit Kaufleuten und Imbiss-Betreibern gießen wird – dafür gibt’s keine Vorgaben.

Vorbild ist Walter Benjamin

Hammerthalers erklärtes Vorbild ist das „Passagen-Werk“ Walter Benjamins. Der Philosoph und Essayist des deutsch-jüdischen Bürgertums hatte dieses Werk nicht vollenden können – aber eine gewaltige Materialsammlung zu den Einkaufs-Passagen des 19. Jahrhunderts hinterlassen.

Ihr „Straßenschreiber“ biete die Chance, meinen Obendiek und Kowsky-Kawelke, hinter Politikworte wie „Quartiersentwicklung“ und „Revitalisierung“ zu blicken. Beide betonen: „Wir machen natürlich kein Marketing-Heft.“ Ralph Hammerthaler, der als Buch zuletzt eine Biografie des bayrischen Theater-Renegaten Alexeij Sagerer publiziert hatte, erlebte Gastgeber Harald Obendiek als „Supertyp – der hat keine Berührungsängste“.

„Leseheft“ als erstes Produkt

Darüber, ein „Leseheft“ als erstes Produkt seiner Marktstraßen-Recherchen aufzulegen, sind sich Autor und Verein bereits einig. Ob „dieses schwierige Stück Straße“, wie Hartmut Kowsky-Kawelke sagt, später eher Eingang in eine Erzählung, einen Krimi oder eine postmoderne Oper findet, bleibt der Kreativität des „Straßenschreibers“ überlassen.

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