Theater Oberhausen

Ein großer Abend für Schauspielerin Anna Polke

Das Ensemble aus der Produktion „Fake On Me“ gab bei der Verleihung des Theaterpreises unter anderem mit einem verfremdeten gesungenen Vaterunser einen Ausschnitt zum Besten.

Das Ensemble aus der Produktion „Fake On Me“ gab bei der Verleihung des Theaterpreises unter anderem mit einem verfremdeten gesungenen Vaterunser einen Ausschnitt zum Besten.

Foto: Heinrich Jung

Oberhausen.   Die beliebte Darstellerin Anna Polke wurde bei der Verleihung des Theaterpreises in Oberhausen gleich mit zwei Auszeichnungen bedacht.

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Es war der große Abend der Anna Polke. Seit 26 Jahren gehört die Schauspielerin dem Ensemble des Theaters Oberhausen an. Am Samstagabend, bei der Verleihung des Theaterpreises 2018, heimste sie gleich zwei Auszeichnungen ein: den Publikumspreis für die beliebteste Schauspielerin, gestiftet von der Sparkasse, und den Ersten Preis für ihre künstlerische Gesamtleistung.

Daran war zunächst nicht zu denken, denn Intendant Florian Fiedler sagte sie zunächst nur an, damit sie als Erzählerin in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ kurz von den düsteren Kindheitserinnerungen des Studenten Nathanael berichten konnte. Die Premiere der Oberhausener Inszenierung findet am 3. November statt.

Quartett in plüschiger Sitzgarnitur

Aber gleich anschließend öffnete Elke Lepges, die neue Vorsitzende des Freundeskreises des Theaters, den Umschlag mit dem Namen des Preisträgers des Publikumspreises. Die Theaterbesucher hatten sich für Polke entschieden. Der Preis ist mit 2000 Euro dotiert.

Lepges und Anette Weiß vom Freundeskreis hatten zusammen mit Florian Fiedler und Babett Grube in einer plüschigen Sitzgarnitur rechts auf der Bühne Platz genommen. Von dort aus führten Fiedler und Grube gemeinsam durch das zweistündige Programm. Denn in die Preisverleihungen eingestreut waren Szenen aus zwölf Aufführungen, die in dieser Spielzeit auf dem Programm stehen. Die über 100 Zuschauer der Preisverleihung durften nach jeder Szene erraten, um welches Schauspiel es sich handelte.

Überraschung für Christian Bayer

Das taten sie auch, nachdem plötzlich ein gewaltiges Felsmassiv auf die Bühne gedreht wurde und hoch oben Ayana Goldstein ein etwas anderes „Heidi“-Lied intonierte (Premiere am 24. November). Regisseurin Leonie Böhm trug schließlich vor, warum der Günter-Büch-Nachwuchspreis in diesem Jahr an Jung-Schauspielerin Emilia Reichenbach (24) geht. Von ihrem Spiel gehe eine magnetische Anziehungskraft aus, hieß es. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert.

Ähnlich wie Anna Polke erging es ihrem Kollegen Christian Bayer, den zunächst Florian Fiedler bloß vorsprechen ließ, um dem Publikum Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ (Premiere am 12. April) schmackhaft zu machen. Aber gleich anschließend bekam er auch den dritten, mit 1000 Euro dotierten Preis für seine Rolle als sprachgestörter Schauspieler Eugen Rümpel in dem Schwank „Pension Schöller“, der schon im März Premiere hatte.

„Husarenritt durch 800 Seiten Weltliteratur“

Vom angesehenen Bühnen-Videokünstler zum Regisseur ist jüngst Bert Zander aufgestiegen. Ihm sprach die Experten-Jury den mit 2000 Euro verbundenen Zweiten Preis zu. Sein Stil beeindruckte bei Dostojewskis „Schuld und Sühne“, dem „Husarenritt durch 800 Seiten Weltliteratur“, wie es in der Laudatio hieß.

Riesenapplaus gab es am Ende des Abends, als der Name von Anna Polke ein zweites Mal aufgerufen wurde: für den Ersten Preis, mit 3000 Euro dotiert. Damit wurde ihre künstlerische Vielseitigkeit geehrt, ob als Krankenschwester in „Das dritte Leben des Fritz Giga“ oder als undurchsichtige Mutter in „Schuld und Sühne“. Vor allem wurde ihre Bedeutung als „Seele“ des Theaters honoriert.

>>> Der Theaterpreis und seine Stifter

Der Oberhausener Theaterpreis wird seit 1995 verliehen. Initiiert wurde die Verleihung durch den Freundeskreis.

Vergeben werden jährlich drei Jury-Preise, wobei Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen, Bühnen- und Kostümträger Preisträger sein können. Der erste Preis wird von MAN Energy Solutions SE (früher MAN-Turbo) gestiftet, der zweite von der Wirtschaftsbetriebe Oberhausen GmbH (WBO), der dritte von der Firma Nockmann und Gerstberger. Die Jury besteht aus Theaterkritikern.

Hinzu kommen der Günter-Büch-Nachwuchspreis, gestiftet von der Familie des verstorbenen Regisseurs, und der Publikumspreis, gestiftet von der Sparkasse.

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