Kirchenmusik

Ein Spaziergang zum frisch ernannten Weltkulturerbe

Horst Remmetz am Orgel-Spieltisch. Zur „Orgelführung“ in Herz Jesu soll auch ein Besuch auf der Empore gehören. Den vollen Klang genießt das Publikum aber besser unten im Kirchenschiff.

Horst Remmetz am Orgel-Spieltisch. Zur „Orgelführung“ in Herz Jesu soll auch ein Besuch auf der Empore gehören. Den vollen Klang genießt das Publikum aber besser unten im Kirchenschiff.

Foto: Franz Naskrent

Oberhausen.   „Orgeldreiklang“ führt am Sonntag, 7. Oktober, in drei Altstadtkirchen. Neben der „Königin der Instrumente“ erklingen auch Cembalo und Harmonium.

Mit der Basler Fasnacht und der Pizza Napolitana hat das Orgelspiel nicht nur den Genuss gemeinsam: Seit zwei Wochen stehen Orgelbau und Orgelmusik als deutscher Beitrag auf der seit 2003 geführten Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes. Das lässt den „Orgeldreiklang“ in drei Alt-Oberhausener Kirchen doch gleich noch festlicher ertönen.

Am Sonntag, 7. Oktober, von 15 bis 18 Uhr tun sich wieder die Kirchenmusiker Horst Remmetz (Herz Jesu), Konrad Paul (Christuskirche) und Christian Gerharz (St. Marien) zusammen, um die „Königin der Instrumente“ in möglichst vielen Facetten vorzustellen – in Form eines „ökumenischen Orgelspaziergangs“. Für Fahrdienst zwischen den nahen Kirchen wird auf Wunsch aber auch gesorgt.

Orgelbau ohne gezeichneten Plan

Für den Auftakt in Herz Jesu am Altmarkt gibt das Kontrastpaar „klein – groß, alt – neu“ das Motto vor: Denn Horst Remmetz spielt nicht nur auf der vor 28 Jahren gebauten großen Orgel aus der badischen Werkstatt Georges Heintz – sondern auch auf der (gerade noch) transportablen Orgel von Laurenz Lankes, dessen Werk der Kirchenmusiker auch deshalb bewundert, weil ihr Erbauer ohne einen gezeichneten Plan auskam.

Für die musikalischen Kontraste stehen bei dieser doppelten „Orgelführung“ der alte niederländische Meister Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 bis 1621) und Olivier Messiaen (1908 bis 1992), der große Modernist und demütige Verehrer des Vogelgesangs.

Kaffeepause in der Christuskirche

In der Christuskirche an der Nohlstraße wird um 16 Uhr Kantor Konrad Paul den „Orgeldreiklang“ um das Cembalo-Spiel ergänzen – im Zusammenspiel mit Cellistin Carolin Schröder, Oboist Lubomir Pechakov und Sopranistin Katharina Bergrath. Barocke Arien und Concerti, nicht nur von G. F. Händel und J. S. Bach, bestimmen diese Station. Mit Kaffee und Kuchen folgt eine kulinarische Pause – und weiter geht’s zur St. Marien-Kirche.

Dort wechselt um 17.30 Uhr Christian Gerharz zwischen Orgelton und Harmoniumklang. Der Kirchenmusiker besitzt ein französisches Harmonium aus den 1860ern und schwärmt für den „Wums“ dieser vier Register. Er präsentiert romantische Original-Kompositionen von Karg-Elert und Guilmant für das von jenen vielleicht noch belächelte Instrument, die das Harmonium bisher nur aus kleinen Friedhofskapellen kennen. Von der Tagesform des Raumklimas wollen es Gerharz und Remmetz abhängig machen, ob sie in St. Marien auch gemeinsam auf großer und kleiner Orgel spielen werden.

Jede der 50 000 Orgeln in Deutschland „ist ein Unikat“, sagte Prof. Christoph Wulf von der deutschen Unesco-Kommission, weil jede einzig für ihren Kirchen- oder Konzertraum erbaut wurde. Der Orgeldreiklang bietet kompakte Begegnungen mit Einzigartigem.

>>> Vom „Wasserrohr“ zum Kircheninstrument

Als Weltkulturerbe hat zwar die deutsche Unesco-Kommission den Orgelbau propagiert – doch die Historie des Instruments beginnt nicht in Europa, sondern in Afrika.

Als Erfinder der Orgel gilt um 250 vor Christus der griechisch-ägyptische Ingenieur Ktesibios aus Alexandria. Seinem Genie werden auch die erste Feuerspritze und Wasseruhr zugeschrieben.

Die früheste Orgel nannte ihr Erfinder „Hydraulis“ (altgriechisch „Wasserrohr“), weil Wasser für den gleichmäßigen Winddruck sorgte und Bronze-Röhren die Spielpfeifen bildeten. Blasebälge kamen erst später auf. Die Römer übernahmen die Orgel für Darbietungen in ihren Arenen. Von den frühen Christen wurde die Orgel wegen der grausamen Arenakämpfe zunächst nicht verwendet.

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