Wirtschaft

Entlassene Bergleute aus Oberhausen gründen eigene Firma

Sie stehen heute für die Firma Angerbach (v.l.): Benjamin Mallborn, Geschäftsführer Ulrich Wolters, Ulrich Timm, Herbert Nüsken, Ralf Müsken und Reinhold Lutz.

Sie stehen heute für die Firma Angerbach (v.l.): Benjamin Mallborn, Geschäftsführer Ulrich Wolters, Ulrich Timm, Herbert Nüsken, Ralf Müsken und Reinhold Lutz.

Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.  Als ihre Arbeitgeber, die Dortmunder Deilmann-Haniel GmbH, 2007 Insolvenz anmeldet, gründen die Mitarbeiter ihre eigene Firma in Oberhausen. Heute beschäftigt die Angerbach Dienstleistung für Bergbau und Industrie GmbH rund 70 spezialisierte Bergleute. Das Unternehmen soll weiter wachsen.

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Sie hätten auch die Flinte ins Korn werfen können. Nachdem ihr Arbeitgeber, ein großes Schachtbauunternehmen, Insolvenz angemeldet hatte und Hunderte Arbeitsplätze auf dem Spiel standen, hätten Ulrich Wolters und seine Kollegen auch den Kopf in den Sand stecken können. Haben sie nicht. Sie haben die Chance genutzt, um für sich und Hunderte Schachtbauexperten eine Zukunft zu sichern. Mit Erfolg.

Als die Dortmunder Deilmann-Haniel GmbH 2007 Insolvenz anmeldete – Teile der Firma wurden später verkauft – gründeten Wolters mit einem Kollegen in Oberhausen die Firma Angerbach. Der anfängliche Kleinbetrieb hatte ein klares Ziel: Schachtbauexperten, die Jahrzehnte lang für Deilmann-Haniel gearbeitet hatten, sollten bei Angerbach so lange weiter beschäftigt werden, bis sie in die sogenannte Anpassung geschickt werden konnten. So wird der im Bergbau übliche sozialverträgliche Arbeitsplatzabbau genannt.

Geldansprüche standen in Frage

Das Anpassungsgeld erhalten Bergleute maximal fünf Jahre bis zum Eintritt in die Knappschaftsrente mit 50 – mit der Insolvenz hätten viele zu junge Bergleute ihre Ansprüche auf die Anpassung aber verloren, sagt Ulrich Wolters, Geschäftsführer des knappschaftlichen Betriebs Angerbach Dienstleistung für Bergbau und Industrie GmbH. „Das wäre für sie eine finanzielle Katastrophe gewesen.“

Die Firma „Angerbach“ wollte den Bergleuten eine direkte Weiterbeschäftigung sichern: Das Unternehmen schickte die Bergbau-Experten im Auftrag der Ruhrkohle AG oder Thyssen Schachtbau GmbH in verschiedenste Gebiete. Und machte sich einen guten Ruf: Schnell kamen Bergleute auch aus anderen Städten, Arbeitslose fanden mit dem Oberhausener Unternehmen den Weg zurück in eine Beschäftigung.

Aus eigener Tasche bezahlt

„Also haben wir unseren Plan geändert“, sagt der heute 60-jährige Wolters. Das Arbeitsfeld der Angerbach Dienstleistung für Bergbau und Industrie GmbH wurde um den Bereich Arbeitssicherheit erweitert, der Bereich Schachtbau ausgebaut.

All das sei ohne einen Kredit einer Bank möglich gewesen: „Wir haben alles aus eigener Tasche bezahlt, sind komplett schuldenfrei“, sagt Wolters nicht ohne Stolz. Selbst habe er zwei Häuser aus seinem Besitz verkauft, um 2007 den ersten Lohn der Mitarbeiter zu bezahlen.

Die Firma beschäftigt heute rund 70 spezialisierte Bergleute, Grubenelektriker und -schlosser, Sprengbeauftragte und bergmännische Fachkräfte. Als Monteure arbeiten sie in Flöz- und Gesteinsstrecken, bauen etwa spezielle Förderkonstruktionen. Sicherheitsexperten betreuen kleine Handwerksbetriebe ebenso wie Stahlwerke, erstellen Betriebsanweisungen und Brandschutzpläne.

Und die Firma soll wachsen: „Wir sollen größer werden“, sagt Wolters. „Unser Unternehmen ist auf Zukunft angelegt.“

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