Jubiläum

Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten im Friedensdorf Oberhausen

Seit 50 Jahren für das Wohl der Kleinen der Welt im Einsatz: Kinder aus dem Friedensdorf bildeten einen Jubiläumschor, der bei den Feierlichkeiten auftrat.

Foto: Friedensdorf

Seit 50 Jahren für das Wohl der Kleinen der Welt im Einsatz: Kinder aus dem Friedensdorf bildeten einen Jubiläumschor, der bei den Feierlichkeiten auftrat. Foto: Friedensdorf

Oberhausen.   Seit 50 Jahren werden Kinder aus Kriegsgebieten in Oberhausen behandelt. Thomas Jacobs fasst die Eindrücke des Jubiläumsjahrs zusammen.

Das 50-jährige Bestehen des Friedensdorfes hat das Jahr 2017 bestimmt. Nun lässt Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs die Ereignisse Revue passieren: „Dass wir diese Arbeit seit fünf Jahrzehnten tun können, grenzt für mich angesichts der vielen Krisen in Laufe dieser Zeit an ein Wunder.“

Die Veranstaltung anlässlich des runden Geburtstages habe viele Erinnerungen wach gerufen: „Das Wichtigste waren die bewegenden Begegnungen mit vielen ehemaligen Bewohnern, Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern.“ Vor allem hätte er viele Vietnamesen wiedergetroffen, die in den Anfangsjahren der Hilfseinrichtung in Oberhausen „gestrandet“ waren.

Blindenstock mit Totenkopf

Nach dem Vietnamkrieg hatte die neue Regierung in ihrer Heimat die Jugendlichen nicht mehr ins Land zurückgelassen: „Und wir hatten ein Rückkehrrecht damals noch nicht vertraglich verankert“, sagt Jacobs. Die Integration der Vietnamesen sei die Hauptaufgabe dieser Jahre gewesen.

Umso freudiger sei nun das Wiedersehen mit Ly gewesen, der zur zentralen Jubiläumsfeier gekommen ist: „Der beidseitig unterarmamputierte und blinde Ly ist ein tolles Beispiel einer gelungenen Integration. Er hat Informatik studiert und arbeitet auch als Informatiker.“ Etliche Anekdoten aus seiner Friedensdorf-Zeit habe er wieder aufleben lassen. Thomas Jacobs erzählt: „Wir haben ihm seinen ehemaligen Blindenstock gegeben, den wir hier damals selbst gemacht haben und in den er dann noch einen Totenkopf eingeschnitzt hat.“

Visa für den nächsten Einsatz im Februar

Auch die Begegnung der Projektpartner aus den Kriegs- und Krisengebieten von Afghanistan bis Angola habe einen dauerhaften Eindruck hinterlassen: „Sie waren erstmals zusammen da, haben sich kennengelernt und den Gästen die heutige Lage in ihren Ländern sehr anschaulich und bewegend erklärt.“

Die Hilfe für verletzte und kranke Kinder in Afghanistan stand im Jubiläumsjahr allerdings unter keinem guten Stern: „Nachdem die Deutsche Botschaft in Kabul nach einem Anschlag beschädigt worden war, werden dort keine Visa mehr ausgestellt. Dadurch mussten wir den für Herbst geplanten Chartereinsatz absagen. Nun aber haben wir die Information, dass für den nächsten Einsatz im Februar 2018 wieder Visa ausgestellt werden können.“ An den Einzelheiten werde derzeit auf Hochtouren gearbeitet.

Thomas Jacobs hofft, dass das Friedensdorf auch in Zukunft für die Herausforderungen der Zeit gute Lösungen finden wird.

>>>>>> Die Geschichte beginnt mit dem Vietnamkrieg

In Vietnam eskalierte seit März 1965 der Krieg zwischen Nord und Süd als Folge einer Intervention der USA. Damit begann die Geschichte des Friedensdorfes. Der Krieg endete mit der Einnahme Saigons im April 1975 durch nordvietnamesische Truppen. Es folgte die Wiedervereinigung des Landes. Der Einsatz von Entlaubungsmitteln führte zu Krebserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen. In Vietnam begann auch die Projektarbeit des Friedensdorfes. 1973 wurde das erste Friedensdorf in Da Lat errichtet, weitere folgten landesweit. Hinzu kamen mehr als 100 Basisgesundheitsstationen, Schulen, ein Fischereischulschiff. Heute werden die Einrichtungen von den vietnamesischen Partnern in Eigenregie betrieben.

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