Homosexuelle

Evangelische Kirche für Verbot von dubiosen Homo-Therapien

In Oberhausen werden zwar keine Konversionstherapien angeboten, die Ev. Kirche befürwortet aber eine bundesweite Abschaffung.

In Oberhausen werden zwar keine Konversionstherapien angeboten, die Ev. Kirche befürwortet aber eine bundesweite Abschaffung.

Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ FotoPool

Oberhausen.  Die Evangelische Kirche Oberhausen unterstützt den Vorstoß zum Verbot der Konversionstherapie. Der Superintendent findet kritische Worte.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) macht ernst: Er will so schnell wie möglich Pseudotherapien verbieten, die Männer heilen wollen, die andere Männer lieben. Dabei ist Homosexualität weder bei Männern noch bei Frauen eine Krankheit, die mittels irgendeiner „Konversionstherapie“ von obskuren Heilern geheilt werden kann.

In Oberhausen sind zwar keine offiziellen Angebote mit Konversionstherapien dem Gesundheitsamt oder den Kirchen bekannt, doch die Stadt warnt vor den üblen Folgen solcher Therapien. „Aus der Sicht von Experten befinden sich Menschen, die sich in eine solche angebliche Therapie begeben, häufig in einer psychischen Ausnahmesituation aufgrund der eigenen Unsicherheit und des Drucks durch das soziale Umfeld. Das Gefühl, in der dubiosen Therapie versagt zu haben, kann zu tiefen Depressionen und Angststörungen bis hin zu Suiziden führen“, schreibt die Stadt in einer Stellungnahme zum Thema.

Seit 2016 Trauung von Homo-Paaren in der Kirche

So dringt auch Joachim Deterding, Superintendent der Evangelischen Kirche in Oberhausen, auf das von Spahn angestrebte Verbot: „Wir in Oberhausen unterstützen den Vorstoß vieler politischer Akteure ausdrücklich, diese Pseudotherapien zu verbieten und unterstreichen damit eine Entwicklung innerhalb unserer Evangelischen Kirche, die im Jahr 2016 dazu geführt hat, dass nun endlich auch homosexuelle Paare in unseren Kirchen getraut werden können.“ Der Theologe räumt ein, „dass sich auch in unseren evangelischen Gemeinden solche falschen Vorstellungen lange Zeit haben halten können“. Er selbst habe bei einem Kollegen, der inzwischen nicht mehr in Oberhausen tätig ist, erhebliche Vorbehalte gegenüber homosexuellen Gläubigen erlebt.

Keine Krankheit

Dabei hat die Weltgesundheitsorganisation schon 1990 die Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen. 2013 betonte der Weltärtzebund ausdrücklich, dass Homosexualität eine gleichwertige sexuelle Orientierung zur Heterosexualität darstellt. Alle führenden internationalen psychiatrischen und psychologischen Fachgesellschaften würden solche Behandlungsversuche ablehnen, erläutert Deterding.

In Oberhausen wird das Thema vor allem von den Besuchern der Kontaktstelle für Jugendliche der Queer-Community „nOname“ der evangelischen Kirche diskutiert.

Deterdings Fazit: „Homosexualität ist keine Krankheit und bedarf keiner Behandlung oder gar ,Heilung’. Sie ist der Heterosexualität gleichwertig und mit dem Glauben an den einen Gott vereinbar. Wir sehen in der Konversionstherapie einen Ausdruck einer in unserer Gesellschaft nach wie vor vorhandenen Homophobie und lehnen sie strikt ab.“

Stadtsprecher Frank Helling erklärt darüber hinaus: „Vieles bzw. alles im Rahmen von Konversionstherapien läuft im Verborgenen ab. Solche Angebote werden oft unter der Hand empfohlen. Konkrete Zahlen/Statistiken über Teilnehmer und Patienten, über Seminare und Therapien gibt es nicht. Beschwerden von Menschen, die einer solchen „Behandlung“ unterzogen worden sind, liegen der Gesundheitsfachverwaltung ebenfalls nicht vor. Allein aus einem Gefühl der Angst oder Scham bei den Betroffenen selbst, ist dies mehr als verständlich.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben