Gasometer-Programm

Expeditionsleiter erzählen im Gasometer von ihren Abenteuern

Die komplette Ausrüstung für eine Kletterwoche am „Turret“ auf Baffin Island muss in die Spezialschlitten des Trios passen.

Die komplette Ausrüstung für eine Kletterwoche am „Turret“ auf Baffin Island muss in die Spezialschlitten des Trios passen.

Foto: Klaus Fengler

oberhausen.   An sechs Abenden geht’s vor der Gasometer-Tribüne in eisige Höhen. Zum Auftakt führt Stefan Glowacz an eine 800-Meter-Wand auf Baffin Island.

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„By fair means“ – ohne künstliche Hilfsmittel – für Stefan Glowacz und seine beiden Begleiter, den Bergsteiger Robert Jasper und den Fotografen Klaus Fengler, bedeutete das in der eisigen kanadischen Arktis von Baffin Island: 170 Kilometer von der letzten menschlichen Siedlung bis zum Sam-Ford-Fjord, einem Sehnsuchtsort für alle Kletterer, legten sie zu Fuß zurück.

Mit einem Expeditionsbericht von der fünftgrößten Insel der Welt – fast so groß wie Frankreich, aber mit 13.000 Einwohnern weitgehend menschenleer – startet im Gasometer am Donnerstag, 23. Mai, um 19.30 Uhr die sommerliche Vortragsreihe. Passend zur Ausstellung „Der Berg ruft“ geht’s an sechs Abenden um alpinistische Herausforderungen.

Der Bergsteiger als „demütiger Besucher“

Für Stefan Glowacz, Robert Jasper und Fotograf Klaus Fengler ging es mit speziell angefertigten Schlitten im Schlepp über gefrorene Fjorde und Seen und eisige Pässe quer über Baffin Island. Immer im Blick: die perfekte Wand. „Für mich muss eine Wand auch immer eine ästhetische Komponente beinhalten und von den Dimensionen in das Gesamtunternehmen passen“, erzählt der 54-jährige gebürtige Bayer Glowacz, der bereits in jungen Jahren bedeutende Wettbewerbe wie jenen „Rockmaster“ gewonnen hat, der als inoffizielle Weltmeisterschaft der Kletterer gilt. „Wenn wir die gesamte Ausrüstung und Verpflegung aus eigener Kraft vom letzten Zivilisationspunkt aus an die Wand und danach auch wieder zurück transportieren, ist der Zeitplan vorgegeben und begrenzt durch die Verpflegung“, sagt Glowacz. „Wir hatten für die Kletterei eine Woche zur Verfügung. Da muss alles passen.“

Die „Turret“ (also Erker) genannte, 800 Meter aus dem Eismeer aufragende Wand schien perfekt. „Natürlich erlebt man immer wieder bei dieser Art von Expedition sein persönliches Waterloo“, so der Expeditionsleiter. In diesem Fall hieß das: Mitten in der „perfekten“ Wand regnete es Steine. Glowacz verletzte sich an beiden Händen, und nur dank der Teamarbeit konnte die Expedition sicher zu Ende gebracht werden.

In Zeiten in denen auch immer wieder von Tragödien bei der Suche nach Rekorden und Herausforderungen die Rede ist, beschreibt Glowacz sein Verhältnis zu den oft übermächtigen Gegebenheiten daher so: „Ich bin mir vor jeder Expedition vollkommen darüber im Klaren, dass ich nur ein Spielball der Natur bin. Am besten ist es, wenn ich mich als demütiger Besucher begreife“.

„Es ist die Neugier, die mich antreibt“

Insgesamt drei einzigartige Expeditionen beschreibt der professionelle Abenteurer und Free-Climber während seiner Präsentation „Von der Arktis bis in den Orient“ im Gasometer. Er beginnt mit der kräftezehrenden Reise ins arktische „Traumland“. Mit Filmsequenzen und spektakulären Bildern dokumentiert Glowacz diese Expedition von der ersten Vision bis zur Umsetzung.

Im zweiten Teil nimmt er sein Publikum mit auf eine überaus exotische Reise ins Hinterland von Borneo und zum höchsten Berg Malaysias, Kinabalu. Die bizarre Felslandschaft in der über 4000 Meter hohen Gipfelregion ist ein atemraubender Platz für Kletterer. Doch auch dieser Weg ist gespickt mit Schwierigkeiten.

Mit der dritten Vortragssequenz geht’s ins Innere der Erde: in die zweitgrößte Höhlenkammer der Welt. Im Oman verbündet sich Stefan Glowacz mit Chris Sharma, bekannt für schwierigste Kletterrouten und Erstbegehungen. In zwölf Tagen meistern sie die wohl anspruchsvollste Höhlendach-Route weltweit. „Es ist die Neugier, die mich antreibt“, sagt Glowacz. „Die Freiheit aufzubrechen ist für mich der wahre Reichtum im Leben.“

>>>>>> Weitere Expeditionen in eisige Bergwelten

Fünf weitere Begegnungen mit Extrembergsteigern und herausragenden Kennern der Bergwelt begleiten die aktuelle Erfolgsausstellung „Der Berg ruft“. Am 13. Juni berichtet „Geo“- Expeditionsleiter Lars Abromeit von seinen drei spannendsten Bergtouren. Am 1. August gibt es ein Wiedersehen mit Gerlinde Kaltenbrunner, der ersten Frau, die alle Achttausender der Erde bezwang. Ulla Lohmann erzählt am 21. August von ihrer Leidenschaft für Vulkane. Und am 4. September berichtet Air-Zermatt-Pilot Daniel Aufdenblatten von einem Hubschraubereinsatz in über 7000 Metern Höhe.

Der Termin mit Reinhold Messner am 18. September ist bereits ausverkauft. Alle Vorträge beginnen um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 18.30 Uhr. Der Besuch der Ausstellung und die Fahrt aufs Gasometer-Dach sind im Preis inbegriffen. Karten kosten 18 Euro, ermäßigt 15 Euro, und sind erhältlich an der Gasometer-Kasse, online bei Ticketmaster.

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