Gericht

Falscher Polizist stoppt Wagen für „Verkehrskontrolle“

Der 31-Jährige hatte sogar eine originale Uniform aus Baden-Württemberg.

Der 31-Jährige hatte sogar eine originale Uniform aus Baden-Württemberg.

Foto: Christoph Schmidt

Oberhausen/Duisburg.   Ein Oberhausener hat sich über einen Autofahrer geärgert und dann selbstständig eine „Verkehrskontrolle“ durchgeführt – mit Uniform und Waffe.

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„Allgemeine Verkehrskontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte!“ Diesen Satz, den wohl jeder Autofahrer irgendwann schon einmal gehört hat, will ein 31-jähriger Oberhausener nicht gesagt haben, als er am 26. Mai 2017 in Duisburg-Hamborn einen Autofahrer anhielt. Ansonsten aber benahm sich der Mann nicht nur wie ein Polizist, er sah auch so aus. In zweiter Instanz musste sich das Landgericht Duisburg gestern mit dem ungewöhnlichen Fall von Amtsanmaßung beschäftigen.

Das Amtsgericht Hamborn hatte den 31-jährigen Konstruktionsmechaniker im März zu einer Geldstrafe von 2250 Euro (50 Tagessätze zu je 45 Euro) verdonnert. Der hatte dagegen Rechtsmittel eingelegt.

Aus Spaß eine Uniform gekauft

Vor der Berufungskammer wiederholte der Angeklagte sein Geständnis: „Als ich auf der Weseler Straße unterwegs war, habe ich mich über einen anderen Verkehrsteilnehmer geärgert. Der hat mich geschnitten. Ich musste eine Vollbremsung machen.“ Darüber erbost, habe er das Auto verfolgt und dem Fahrer bedeutet, er solle anhalten.

„Ich wollte dem nur sagen, er soll gefälligst nicht so halsbrecherisch fahren“, beteuerte der 31-Jährige. Doch er hatte gesehen, dass in dem Auto vier wenig freundlich aussehende junge Männer saßen. „Ich dachte, das eskaliert bestimmt.“ Deshalb habe er die auf dem Rücksitz liegende Polizeijacke – ein Original-Dienstbekleidungsstück der Polizei Baden-Württemberg – gegriffen, die er vor einiger Zeit – nur so zum Spaß – gekauft hatte.

Angeklagter will „echter“ Polizist werden

Und dass eine Pistole in seinem Hosenbund steckte, habe nichts damit zu tun gehabt, dass er Polizist spielen wollte, so der Angeklagte. „Die Pistole brauche ich für das Training bei einem Selbstverteidigungskurs für Kinder und Jugendliche.“ Um die Waffe nicht unbeaufsichtigt im Wagen zu lassen, habe er sie in die Hose gesteckt. „Die Papiere hat mir der Fahrer überreicht, ohne dass ich ihn danach gefragt hatte.“

Der Angeklagte hätte es gerne gesehen, wenn das Gericht statt einer Geldstrafe eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße ins Auge gefasst hätte. Schließlich will er ein echter Polizist werden. „Letztes Jahr hatte ich beim Einstellungstest leider einen Punkt zu wenig.“ Doch die Berufungskammer sah keinen Anlass, am erstinstanzlichen Urteil etwas zu ändern. Der Oberhausener zog das Rechtsmittel daraufhin zurück.

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