Oberhausener Bündnis

Gegen Pflegenotstand und Profitstreben im Gesundheitswesen

Petra Stanius, Björn Jadzinski, Claudia Butta (v.li.) haben zur Gründung eines Oberhausener Bündnisses für eine menschenwürdige Gesundheitsversorgung eingeladen. Elf weitere Teilnehmer folgten ihrer Einladung.

Petra Stanius, Björn Jadzinski, Claudia Butta (v.li.) haben zur Gründung eines Oberhausener Bündnisses für eine menschenwürdige Gesundheitsversorgung eingeladen. Elf weitere Teilnehmer folgten ihrer Einladung.

Foto: Mara Tröger / Funke-Services

Oberhausen.  Ein neues Bürgerbündnis in Oberhausen will Missstände im örtlichen Gesundheitswesen anprangern. Teilnehmer berichten von schlimmen Zuständen.

In der Stadt hat sich ein „Bündnis für menschenwürdige Gesundheitsversorgung“ gegründet. Einem Gründungsaufruf folgten am Dienstagabend 14 Teilnehmer in das Gewerkschaftshaus an der Friedrich-Karl-Straße. Sie zeichneten das Bild einer desolaten Lage in der Alten- und Krankenpflege und beschlossen eine Gründungserklärung. Außerdem bildete sich ein Organisationsteam.

Engagierte Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, aktive und ehemalige Pflegekräfte, die beiden Stadtverordneten Yusuf Karacelik (Linke Liste) und Albert Karschti (Offen für Bürger), aber auch Bürgerinnen und Bürger, die sich einfach nur Sorgen um das Wohl aller Menschen machen, die mit Alten- und Krankenpflege zu tun haben oder davon betroffen sind, waren ins Gewerkschaftshaus gekommen. Ärzte waren nicht darunter.

Organisationsteam gebildet

Dem Organisationsteam gehören Claudia Butta, Andrea Küsters und Petra Stanius an. Butta und Stanius sind nicht im Gesundheitssektor berufstätig. Sie wollen eine Internetseite für das Bündnis einrichten und einen Flyer erarbeiten. Künftige Aktionen sollen bei einem Treffen am 1. Oktober besprochen werden.

„Da werden heute Leute nach drei Tagen, die noch bluten, entlassen, früher erst nach 14 Tagen“, schilderte eine pensionierte Krankenschwester. „Es zählt nur noch, was können wir bei welchem Patienten mit welcher Behandlung verdienen“, berichtete ein Betriebsrat aus dem Evangelischen Krankenhaus Oberhausen. „Wie kann es überhaupt sein, das höchste Gut, die Gesundheit, dem Profitstreben zu unterwerfen?“, fragte ein Krankenpfleger. Eine Frau sprach von „versteckter Euthanasie“, also Sterbehilfe nach dem Motto „je schlimmer die Zustände, desto früher seien manche Menschen tot und desto niedriger die Pflegekosten“. Und dann solle auch noch der Bandscheibenvorfall als anerkannte Berufskrankheit gestrichen werden.

Verdi setzt auf eigene Stärke

Den Anstoß für die Gründung hat Ende Juli eine Diskussion über die finanzielle Schieflage beim KKO gegeben, zu der die Linke Liste eingeladen hatte. Das war auch diesmal Thema. „Die Pflegekräfte finden schnell eine neue Stelle“, sagte ein Krankenpfleger aus dem Helios St.-Elisabeth-Klinikum in Styrum zum Personalabbau beim KKO. Die eigentlichen Leidtragenden seien die Servicekräfte, also Küchen- und Reinigungspersonal, die in der Vergangenheit in eigenständige Tochtergesellschaften hätten wechseln müssen. „In den Bereichen, wo wir viele Mitglieder haben, wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, kündigte Björn Jadzinski von der Gewerkschaft Verdi an.

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